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Neues Buch von Bischof Huonders Sprecher Gracia: Provokation wider die «Meinungsdiktatur»

Eine falsche Elite wolle das tumbe Volk mit linksliberalen Glaubenssätzen zu besseren Menschen umerziehen: Giuseppe Gracia, Sprecher des Churer Bischofs Vitus Huonder, rechnet in seinem neuen Buch mit dem «therapeutischen Kalifat» ab.
Kari Kälin
Schriftsteller Giuseppe Gracia mit Menschenrechtsaktivistin Saida Keller-Messahli an einer Podiumsdiskussion zum Islamismus. (Bild: Benjamin Manser, St. Gallen, 20. Juni 2017)

Schriftsteller Giuseppe Gracia mit Menschenrechtsaktivistin Saida Keller-Messahli an einer Podiumsdiskussion zum Islamismus. (Bild: Benjamin Manser, St. Gallen, 20. Juni 2017)

Wenn immer der Churer Bischof Vitus Huonder Schlagzeilen produziert, zum Beispiel, wenn er die Abtreibung oder die Homosexua­lität geisselt, hagelt es empörte Reaktionen. Dann tritt Giuseppe Gracia in Aktion. Der Bischofssprecher verteidigt seinen Chef als Verkünder der unverdünnten katholischen Glaubenslehre, als standhaften Gottesmann, der dem medialen Mainstream trotzt und es in Kauf nimmt, sich im ­reformkatholischen Milieu zur Unperson zu machen.

Gracia hat Erfahrung mit Provokationen, auch als Kolumnenschreiber. Jetzt tischt er eine weitere auf. In diesen Tagen erscheint sein neuestes Buch «Das therapeutische Kalifat». Es ist eine Abrechnung mit dem «linksliberalen Mainstream», der in Gracias Augen den öffentlichen Diskurs aus der Warte der moralisch Überlegenen dominiert und jene, welche die von ihm propagierten Werte nicht teilen, zu Patienten degradiert, die es mittels Volkserziehung zu heilen gelte.

Roman als Vorläufer der Streitschrift

Einen Vorgeschmack auf das aktuelle Buch hat Gracia mit seinem Roman «Der Abschied» geliefert, in dem er die politische Korrektheit anprangert. So gesehen ist das «therapeutische Kalifat» die nichtliterarische Fortsetzung des Kampfs gegen die Meinungsdiktatoren, die Gracia unter Politikern, Medienschaffenden, Soziologen, Politologen und anderen öffentlichen Meinungsmachern wittert. Diese beteten dann ihre säkularen Glaubensbekenntnisse herunter wie: Man müsse den Erfolg der westlichen Zivilisation als Folge der Ausbeutung der dritten Welt oder den ­islamistischen Terrorismus als Missbrauch einer friedlichen Religion deuten. Gracia erklärt, mit welchen «bösen Narrativen» man sich beim Tischgespräch mit der Elite als reaktionärer Finsterling outet oder sich einem Shitstorm in den sozialen Medien aussetzt. Zum Beispiel, wenn jemand offen dazu steht, dass er Migration nicht grundsätzlich als Bereicherung empfindet, Abtreibung das Menschenrecht auf Leben verletzt oder den Klimawandel als Ereignis versteht, an dem nicht ausschliesslich der umweltsündige Mensch schuld ist.

Gewürzt ist die Streitschrift mit einem Glossar, einer Wörtersammlung der politischen Korrektheit. Zum «verführten Volk» gehören demnach «Angehörige der Arbeiterklasse, die nicht linksliberal wählen». Oder ein «Sozialdemokrat» ist ein «Sozialist mit gutem Einkommen und grosser, preiswerter (Altbau-)Wohnung».

Mehr als nur Polemik

Sicher, Gracia provoziert, übertreibt, überspitzt, sieht die Meinungsfreiheit schon fast auf dem Sterbebett liegen. So weit ist es noch nicht, auf jeden Fall nicht in der Schweiz, in der über kon­troverse Themen durchaus unverblümt gestritten wird. Gracia stellt denn auch fest, dass die direkte Demokratie und der Föderalismus die Macht von Politikern, Funktionären und Meinungsmachern beschränken.

Nicht zuletzt bläst hierzulande den sogenannt Linksliberalen selber ein steifer Wind entgegen. Zum Beispiel dann, wenn sie von politisch rechts tickenden Intellektuellen als naive Gutmenschen gescholten werden, die ihre Solidarität mit Steuergeldern finanzieren und keine Ahnung von den Sorgen und Nöten des Durchschnittsbürgers haben. Die Rechten benutzen «Mainstream» gerne als Schimpfwort für intellektuelle Faulheit, die sie jenen unterstellen, die ihre politischen Positionen partout nicht loben wollen.

Dennoch: Gracia bietet weit mehr als Polemik. Er warnt davor, die Menschen vor vermeintlich falschen Ansichten zu schützen, die Gesellschaft zu therapieren und pädagogisieren. In der Tat: Eine lebhafte, funktionierende Demokratie lebt von eigenständigen Bürgern, die sich nicht verordnen lassen wollen, was richtiges Denken ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass unliebsame Meinungen nicht mit der Moralkeule aus dem öffentlichen Diskurs geprügelt werden.

Das Buch

Giuseppe Gracia. Das therapeutische Kalifat. Fontis-Verlag.

Veranstaltungen:

Am Montag, 22. Oktober, Pfalzkeller St. Gallen, Podium mit Giuseppe Gracia, Satiriker Andreas Thiel, CVP-Politikerin Marianne Binder-Keller und Publizist Alain Pichard.

Am Mittwoch, 28. November, im Auditorium der «Luzerner Zeitung», Podium mit Andreas Thiel, Kabarettist und Satiriker, sowie Regula Stämpfli, Politologin und Publizistin.

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