Neuer Kapitän auf altem Kahn

Der Schaffhauser Hanspeter Kern ist neuer Präsident der Schweizer Milchproduzenten. Ob der Wechsel auch zu einem Kurswechsel im angeschlagenen Verband führt, muss sich noch weisen.

Eveline Dudda
Drucken
Hanspeter Kern (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Hanspeter Kern (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Hanspeter Kern ist in der Milchszene kein Unbekannter. Zwar betreibt er, wie fast alle Schaffhauser Bauern, auf seinem 30 Hektar grossen Betrieb in Buchen auch Rebbau. Doch sein Herz schlägt für die Milchwirtschaft. In diesem Bereich ist er seit Jahren engagiert. Seit 2006 amtet Kern als Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO). Diese Genossenschaft vereint 7000 aktive Milchproduzenten aus elf Kantonen der Ost- und Zentralschweiz, was beinahe einem Drittel aller Schweizer Milchbauern entspricht. Davor war Kern Vorstandsmitglied des Milchverbandes Winterthur und Präsident des Schaffhauser Bauernverbandes. Seit 2008 hat Kern im zwanzigköpfigen Vorstand des SMP Einsitz, und seit letztem Jahr vertritt er den SMP zusätzlich in der Branchenorganisation Milch, der BOM.

Breites Engagement

Kern hat nicht nur Verbandserfahrung, er ist auch mit dem Milchmarkt vertraut. Als Verwaltungsrat bei der grössten Vermarktungsorganisation der Ostschweiz, der Nordostmilch AG, kennt er die Tücken des Milchmarktes. Diesen Posten wird er allerdings bald einmal abgeben, genau wie das VMMO-Präsidium. Denn als oberster Schweizer Milchbauer kann es sich Kern nicht leisten, sich dem Vorwurf des Interessenkonflikts auszusetzen. Bei den beiden anderen Ämtern, die er noch innehat, ist das weniger problematisch: Dass er Präsident des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbands Schaffhausen und Gemeindepräsident von Buchen ist, wird seine Arbeit als SMP-Präsident kaum beeinflussen.

Zerrüttete Standesvertretung

Kerns Widersacher Fritz Glauser kannten die Milchproduzenten vor allem als Präsident der Getreideproduzenten und als Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbandes, er trat jedoch weniger als Interessenvertreter der Milchbauern in Erscheinung. Das mag mit dazu beigetragen haben, dass er nicht gewählt wurde. Kern erhielt gleich im ersten Wahlgang 95 von 172 Stimmen. Sein Westschweizer Gegenkandidat kam auf 77 Stimmen.

Der 59jährige Meisterlandwirt Kern tritt die Nachfolge von Peter Gfeller an. Gfeller hatte die nicht gerade einfache Aufgabe, das Verbandsschiff auf hoher See durch so manches Gewitter zu lenken. In den neun Jahren unter Gfellers Präsidentschaft wurde zuerst der Käsehandel mit der EU vollständig liberalisiert und anschliessend die Milchkontingentierung abgeschafft. Der Umbruch im ehemals geordneten Milchmarkt hat zu zahlreichen Turbulenzen geführt. Die Konkurrenzverhältnisse am Markt säten Neid und Missgunst unter den Bauern.

Das ging am Dachverband nicht spurlos vorbei. Als sich abzeichnete, dass sich die Wogen im Milchsee glätten und die Zeiten der gröbsten Milchschwemme vorüber sind, gab Gfeller gleichzeitig mit SMP-Direktor Albert Rösti das Steuer ab. Ob der Wechsel auch zu einem Kurswechsel führt, ist unklar. Kern hat sich zwar vor Jahren für einen gemeinsamen Milchpool stark gemacht. Doch von diesem Engagement ist heute nichts mehr zu spüren. Es ist deshalb genauso gut möglich, dass sich der Verband in Zukunft nur noch im ruhigen Uferbereich bewegen wird und sich auf Marketingaktivitäten und Marktbeobachtung beschränkt.

Herkunft – Chance oder Risiko?

Kerns Wahl bietet sowohl Chancen als auch Risiken: Chancen insofern, als gerade die Ostschweizer Milchbauern am meisten zur Uneinigkeit unter den Milchbauern beigetragen haben. Dass der neue Präsident in engem Kontakt zu dieser Region steht, könnte deshalb von Vorteil sein. Genau darin besteht aber auch das Risiko: Kern wird beweisen müssen, dass er unabhängig von den Ostschweizer Grabenkämpfern agieren kann. Das gilt auch für Kerns militärische Führungserfahrung: Sie ist von Vorteil, wenn es ihm gelingt, den Verband straff zu führen. Und von Nachteil, wenn er sich damit Feinde schafft. So oder so steht fest: Auf Kern wartet keine leichte Aufgabe.