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Neuer Anlauf für Tierversuch-Stop

Tiere sollen nicht mehr für die Forschung eingesetzt werden. Ein Ostschweizer Komitee hat eine entsprechende Initiative geplant. Es erntet allerdings Kritik – nicht nur aus der Pharmabranche, sondern sogar aus dem eigenen Lager.
Eveline Rutz
600 000 Tiere werden hierzulande jährlich für Versuche eingesetzt. (Bild: ky/Michael Kupferschmidt)

600 000 Tiere werden hierzulande jährlich für Versuche eingesetzt. (Bild: ky/Michael Kupferschmidt)

In der Schweiz sollen Tierversuche strikt verboten werden. «Sie sind ethisch falsch, wissenschaftlich nicht nötig und oft auch irreführend», sagt die St. Galler Künstlerin Irene Varga, die mit Gleichgesinnten daran ist, eine Tierversuchsverbots-Initiative zu lancieren. Noch steht der geplante Gesetzestext nicht bis aufs letzte Komma fest. Das Ziel ist jedoch klar: Tiere sollen nicht mehr für die Forschung genutzt werden dürfen; der Export und der Import von neuen Produkten, die auf Tierversuchen basieren, sollen untersagt werden. «Es gibt bessere Wege, um zu Wissen zu gelangen», sagt Varga, die an der ETH Naturwissenschaften studiert hat. Tierversuche sind ihrer Ansicht nach nicht aussagekräftig. «Menschen reagieren auf die getesteten Substanzen anders als Tiere.»

«Zu wenig ausgereift»

Jeden Monat machen sich die Tierfreunde in einer anderen Stadt auf die Suche nach Verbündeten, die dereinst Unterschriften sammeln. Über 400 haben sie bereits gefunden. Varga ist überzeugt, dass das Anliegen an der Urne gute Chancen hätte. Der Bevölkerung sei das Tierwohl wichtig, sagt sie.

Christopher Anderegg, der den Verein zur Abschaffung der Tierversuche in Zürich leitet und zurzeit ganzseitige Inserate in Tageszeitungen geschaltet hat, ist weniger zuversichtlich. Vergangene Abstimmungen hätten gezeigt, dass es äusserst schwierig sei, gegen die starke Lobby der Pharmabranche sowie der Hochschulen etwas auszurichten. Tatsächlich lehnten 1993 72,2 Prozent ein Verbot ab; ein Jahr zuvor hatte eine moderatere Vorlage etwas besser abgeschnitten. Anderegg bemängelt zudem, dass im Komitee namhafte Fachleute fehlten.

Julika Fitzi, Expertin für Tierversuchsfragen beim Schweizer Tierschutz (STS), äussert ebenfalls Kritik. «Der Initiativtext ist zu wenig ausgereift», sagt sie. So würden auch wenig belastende, diagnostische Untersuchungen untersagt, wie sie unter anderem in der veterinärmedizinischen Ausbildung gemacht würden. «Man muss bereit sein, zu differenzieren.» Mittel bis stark belastende Experimente lehnt der STS entschieden ab. Er kritisiert zudem, dass die Haltung von Versuchstieren weniger streng geregelt ist als jene von Haustieren.

Ein Problem für Universitäten

«Ein Verbot wäre eine Katastrophe für den Forschungsstandort Schweiz», sagt Sara Käch, Kommunikationschefin von Interpharma, dem Verband der Pharmaindustrie. Am gravierendsten wären die Auswirkungen laut Käch für die biomedizinische Forschung an den Hochschulen und an den Universitäten. «Denn im Gegensatz zur Pharmaindustrie, die ihre Forschungszentren ins Ausland verlagern könnte, haben sie keine Alternative.» Käch warnt zudem vor Nachteilen für die Patientinnen und Patienten, die auf innovativen Behandlungsmethoden, Impfstoffe sowie Medikamente verzichten müssten. «Tierversuche sind unerlässlich, um festzustellen, ob Arzneimittel zuverlässig, sicher und wirksam sind.»

Hochburg der Tierversuche

Gemäss Gesetz müssen alle Tierversuche von einer kantonalen Kommission bewilligt werden. Forscher müssen nachweisen, dass es keine Alternative gibt und der Nutzen für die Gesellschaft grösser ist als das Leiden der Tiere. Tierversuchsgegner Anderegg räumt ein, dass die Schweizer Gesetzgebung im internationalen Vergleich ziemlich streng ist. 2013 seien allerdings 98 Prozent der beantragten Versuche bewilligt worden.

STS-Vertreterin Fitzi führt dies unter anderem auf die Komplexität der Experimente zurück. Die Kommissionen billigten den Forschern ein höheres Know-how zu. Sie machten zuweilen Auflagen, lehnten aber kaum Projekte ab. «Sie dürften ruhig etwas mutiger sein.» In der Schweiz werden relativ viele Tiere für Forschungszwecke genutzt: Pro Jahr sind es rund 600 000, in allen EU-Staaten etwa 12 Millionen.

Das Verbot als Chance

Der Grundsatz «Kontrolle statt Verbote» habe sich in der Schweizer Forschungspolitik bewährt, sagt Sara Käch von Interpharma. Er sei in breiten Bevölkerungskreisen akzeptiert. Gemäss einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts gfs.bern akzeptieren 58 Prozent der Befragten Tierversuche als «notwendiges Übel», wenn sie unerlässlich sind. Rund 34 Prozent lehnen Tierversuche hingegen grundsätzlich ab. Tierfreundin Varga findet, dass die Zeit reif ist, um das Stimmvolk erneut nach seiner Meinung zu befragen. Sie spricht von einer Chance. «Die Schweiz könnte zum globalen Zentrum für eine vegane Medizin und Forschung werden.»

Irene Varga Tierschützerin (Bild: pd)

Irene Varga Tierschützerin (Bild: pd)

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