Kommentar

In der heutigen Landwirtschaft sind neue Konzepte gefragt

Die heutige Landwirtschaft ist zu überdenken. Sicher geglaubte Grundsätze müssen hinterfragt werden.

Raphael Bühlmann
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Raphael Bühlmann

Raphael Bühlmann

Passen Bio und Gentech zusammen? Ein mehr als bemerkenswerter Gedanke. Zumindest an einer der renommiertesten Forschungsanstalten im Biolandbau zeigt man sich dem gegenüber nicht verschlossen. Dieser Positionsbezug führt einem vor Augen, dass eine sichere Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln zu den grössten Herausforderungen kommender Generationen zählt. Die stetige Zunahme der Erdbevölkerung, schwindende Agrarflächen und dazu steigende Ansprüche in Bezug auf die Produktion – die heutige Landwirtschaft hat in vielen Bereichen ihre Kapazitätsgrenze erreicht oder sogar überschritten.

Neue Konzepte sind gefragt. In der Auslotung der Landwirtschaft der Zukunft sind deshalb alle zur Verfügung stehenden Mittel in die Waagschale zu werfen. Auch auf den ersten Blick abwegige Ansätze können sich bei näherer Betrachtung als vielversprechend erweisen. Eine Verteufelung moderner Methoden wie der Gentechnik wird der Komplexität der Problematik ebenso wenig gerecht wie die isolierte Betrachtung einzelner Elemente des Ernährungssystems.

Auch Fragen wie «Pestizide Ja oder Nein» oder «Massentierhaltung Ja oder Nein» greifen zu kurz. Kritiker sagen, dass mit der Zulassung von Gentechnologie speziell im Biolandbau eine ethische Barriere durchbrochen würde. Ist es aber aus gleicher Warte zu verantworten, dass mit Bio eine Produktionsform gefördert wird, die nicht in der Lage ist, die Welt ohne massive Einschränkungen zu ernähren? Es ist deshalb begrüssenswert, dass sicher geglaubte Grundsätze hinterfragt werden. Dazu gehört auch der vermeintliche Gegensatz von Bio und Gentech. Aber immer in Abwägung von Risiken und Nutzen.