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Neue Idee fürs Rentenalter

Nicht nur Frauen, auch Männer sollen ein Jahr länger arbeiten als heute: Mit diesem Vorschlag sorgt der Arbeitgeberverband auch unter Wirtschaftsvertretern für Kopfschütteln.
Eva Novak
Ein Mitarbeiter überprüft eine Maschine in einer Textildruckerei. Bild: Christian Beutler/Keystone (15. Juli 2014)

Ein Mitarbeiter überprüft eine Maschine in einer Textildruckerei.
Bild: Christian Beutler/Keystone (15. Juli 2014)

Rentenalter 67 für alle: Als dies vor 15 Jahren der damalige FDP-Innenminister Pascal Couchepin vorschlug, setzte es für seine Partei eine Wahlniederlage sondergleichen ab. Seitdem ist Rentenalter 65 das erklärte Ziel, an dem Couchepin ebenso wie seine Nachfolger bisher gescheitert sind. Dass beide Geschlechter gleich lang arbeiten sollen, war bisher von bürgerlicher Seite unbestritten. Mit diesem Prinzip bricht nun der Arbeitgeberverband, indem er eine Erhöhung des Rentenalters auf 65/66 vorschlägt. Nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer müssten demnach ein Jahr länger arbeiten als heute.

Damit reagieren die Arbeitgeber auf die Verknüpfung der Steuerreform mit der AHV. Sie präsentierten den Vorschlag just einen Tag bevor die Wirtschaftskommission des Ständerats diese Woche ihr viel beachtetes Paket fertig geschnürt hat. Der Deal zur Rettung der Steuerreform sieht eine Erhöhung der Lohnbeiträge zu Gunsten der AHV vor. Gewerbeverband und Economiesuisse haben daran zwar keine Freude, willigen aber zähneknirschend ein: «Wir nehmen es in Kauf, weil wir die Steuervorlage 17 als für den Wirtschaftsstandort Schweiz zentral erachten», formuliert es Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler.

«Wie auf dem türkischen Basar»

Der Arbeitgeberverband möchte gemäss Präsident Valentin Vogt «verhindern, dass die Revision der AHV auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird». Diese Gefahr bestünde, wenn das Sozialwerk den von der Ständeratskommission vorgeschlagenen Zustupf erhält. Deshalb müsse man, wenn man schon Steuerreform mit der AHV-Finanzierung verknüpfe, gleichzeitig zwingend das Rentenalter erhöhen – und zwar für beide Geschlechter. Diese Lösung hätte nach Vogt zusätzlich den Vorteil, dass die zusätzlichen Ausgaben nicht nötig wären, mit welchen der Bundesrat das höhere Rentenalter für Frauen sozial abfedern möchte, schliesslich müssten die Männer auch ein Jahr länger arbeiten. Damit könnten Zusatzausgaben von zwischen 400 Millionen und 1,1 Milliarden Franken entfallen.

Was so bestechend tönt, löst bei den anderen Wirtschaftsverbänden wenig Begeisterung aus. Gewerbeverbandsdirektor Bigler nimmt kein Blatt vor den Mund: Rentenalter 65/66 sei völlig aus der Luft gegriffen, sagt er, und fügt bei: «Ich kann das sachlich nicht nachvollziehen, ausser man stellt sich beim Arbeitgeber­verband auf den Standpunkt, in der Wirtschaftskommission des Ständerats gehe es zu wie auf dem türkischen Basar.»

Konstrukt droht zusammenzufallen

Kopfschütteln gibt es von der Politik. Der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, einer der Architekten des von der Kommission entwickelten Deals, drückt sich noch zurückhaltend aus. Das AHV-Alter gehöre nicht in diese Vorlage, erklärt, er, denn es gehe da nicht um eine AHV-Reform, sondern lediglich um eine Teil­finanzierung der AHV. Und er warnt: «Wenn das Rentenalter 65/66 hineinkommt, fällt das ganze Konstrukt zusammen.»

Deutlicher wird die Berner GLP-Nationalrätin Kathrin Ber­tschy, Co-Präsidentin des Frauendachverbands Alliance F. Damit würde die systematische Ungleichbehandlung der Frauen für die nächsten 15 Jahre in Stein gemeisselt, sagt sie. Das Frauen-Rentenalter müsse angehoben, aber kompensiert werden. «Das ist ein Gebot der Fairness, nachdem die Frauen systematisch benachteiligt wurden», erklärt sie unter Hinweis auf den Koordinationsabzug in der zweiten Säule, der dazu führt, dass kleine Einkommen leer ausgehen.

Nur staunen kann die ehemalige Aargauer FDP-Ständerätin Chris­tine Egerszegi, welche die Debatte um die AHV über zwei Jahrzehnte mitgeprägt hat. Rentenalter 65/66 habe in all der Zeit nie jemand vorgeschlagen, sagt sie. Mit gutem Grund: Damit gebe man zu, dass man die Gleichstellung der Geschlechter gar nicht wolle, was mehr als 20 Jahre nach Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes schon seltsam anmute. Und der Arbeitgeberverband habe immer erklärt, es brauche das Frauenrentenalter 65, da es keinen Grund gebe, warum Frauen früher in die Pension sollten. «Jetzt gibt er sein eigenes Argument preis.»

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