Kommentar
Nehmt die Jungen in die Pflicht

Die Gemeinden und Parteien gefordert: Sie müssen die Jungen ansprechen, sie an der Hand – und damit in die Pflicht – nehmen.

Dominic Wirth
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Dominic Wirth.

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Es ist ein Lied, das gerne gesungen wird, seit längerem schon und immer öfter: Das von den Jungen, die nur noch an sich selber interessiert seien, auf den eigenen Vorteil bedacht und sonst gar nichts. Und bestimmt nicht bereit, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Etwa Teil des angeschlagenen Schweizer Milizsystems zu werden, als Gemeinderat zum Beispiel. Nun muss dieses Lied ein wenig umgeschrieben werden. Denn ganz so egoistisch und desinteressiert scheint die U35-Generation doch nicht zu sein. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie. Laut ihr können sich 20 Prozent der jungen Deutschschweizer vorstellen, in ihrer Gemeinde ein Amt zu übernehmen.

Das ist, zuerst einmal, eine gute Nachricht für die Gemeinden. Sie haben Mühe, ihre Exekutiven zu besetzen, und besonders schwer fällt es ihnen, junge Leute zu rekrutieren: 70 Prozent der Gemeinden geben an, dass es an politischem Nachwuchs mangelt. Das spiegelt sich auch im Anteil der unter 35-Jährigen in den Gemeinderäten. Er beträgt nur knapp sechs Prozent. Ein guter Altersmix sieht anders aus. Dabei wäre die Stimme der Jungen in der Politik, wo die Weichen für die Zukunft gestellt werden, besonders wichtig.

Die Studie legt nahe, dass der Anteil der unter 35-Jährigen deutlich höher sein könnte. Natürlich: Von der Absichtserklärung bis zum Amtsantritt ist es ein weiter Weg. Und doch verpufft hier derzeit einiges Rekrutierungspotenzial. Deshalb sind Gemeinden und Parteien gefordert: Sie müssen die Jungen ansprechen, sie an der Hand – und damit in die Pflicht – nehmen. Und so die schönen Absichtserklärungen einem Realitätscheck unterziehen. Seite 4

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