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NATUR: Letzte Chance für neuen Nationalpark

Im Locarnese soll auf einer Fläche von 218 Quadratkilometern ein neuer Nationalpark entstehen. Die Bevölkerung in acht Tessiner Gemeinden wird im nächsten Sommer abstimmen. Das Naturreservat soll Arbeitsplätze schaffen und die Abwanderung stoppen.
Gerhard Lob, Locarno
Der Nationalpark soll auch Lebensraum der Tessiner Bevölkerung sein. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone (Vergeletto, 29. April 2014))

Der Nationalpark soll auch Lebensraum der Tessiner Bevölkerung sein. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone (Vergeletto, 29. April 2014))

Italien hat 24 Nationalparks, Deutschland 16. In der Schweiz hingegen gibt es einen einzigen: den 1914 eingerichteten Schweizerischen Nationalpark im Engadin. Ob sich an dieser Situation etwas ändert, hängt an den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern von acht Gemeinden im Locarnese. Im Juni 2018 werden sie über die Park-Charta abstimmen. Das voluminöse Dokument ist der zentrale Management-Plan für den Nationalpark.

In diesen Tagen gaben die Präsidenten der Gemeinden Onsernone, Ascona, Bosco Gurin, Brissago, Centovalli, Losone, Ronco sopra Ascona und Terre di Pedemonte mit der Publikation der Charta den Startschuss zur entscheidenden Phase vor der Abstimmung. Die Behördenvertreter sehen im Nationalpark-Label eine einmalige Chance, das Gebiet zu schützen, aufzuwerten und die Abwanderung in den Randgebieten zu bremsen. «Wir wollen den Park, damit man auch in Zukunft in unseren Tälern leben kann», sagt Cristiano Terribilini, Gemeindepräsident von Onsernone.

Im Gegensatz zum bestehenden Nationalpark, einem echten Naturreservat, geht es im Locarnese um einen Nationalpark der neuen Generation, der aus einer Kernzone und einer Umgebungszone besteht. Der Parkperimeter verläuft über mehrere Klimazonen von den Brissago-Inseln im Lago Maggiore auf 200 Metern über Meer bis zu den Alpengipfeln bei Bosco Gurin auf 3000 Metern Höhe. Die schwach besiedelten Täler Onsernone und Centovalli stellen die zentralen Gebiete dar. Das Projekt wird nicht nur von den acht Gemeinden, sondern auch von zwölf Bürgergemeinden unterstützt, ausserdem vom Kanton Tessin und von der Eidgenossenschaft. Die Charta wurde von diesen Institutionen bereits gutgeheissen. Die Bevölkerung kann bis 11. Dezember Stellungnahmen abgeben.

Kernzonen machen 28 Prozent der Fläche aus

Die Charta regelt insbesondere die Perimeter der Kern- und Umgebungszonen. Für die diversen Kernzonen, deren Summe 28 Prozent der Gesamtfläche von 218 Quadratkilometern ausmacht, gibt es gesetzliche Restriktionen, damit sich die Natur dort frei entfalten kann. Schon jetzt werden diese Zonen vom Menschen praktisch nicht mehr genutzt. Allerdings sind auch eine Reihe von Ausnahmen vorgesehen, damit gewachsene Strukturen und Traditionen erhalten werden können. So kann die Kernzone zwar nur auf vorgeschriebenen Wegen durchwandert werden, Hunde können aber mitgeführt werden, sofern sie an der Leine sind. Selbst die Belieferung von Berghütten mit Helikoptern bleibt erlaubt, oder Rettungseinsätze durch die Rega. Die Jagd ist grundsätzlich verboten.

In der Umgebungszone des Nationalparks sind keine Einschränkungen vorgesehen. Die Zone ist der Lebens- und Wirtschaftsraum der ansässigen Bevölkerung. Die Aufgabe besteht darin, einen schützenden Puffer um die Kernzone und die darin befindliche Natur zu bilden. In der Umgebungszone sollen beispielsweise Infrastrukturen für einen sanften Tourismus geschaffen werden.

Im Jahr 2000 lancierte Pro Natura die Kampagne «Gründen wir einen neuen Nationalpark!». Bisher konnte jedoch kein Projekt umgesetzt werden. Ende 2016 scheiterte das aussichtsreiche Projekt Parc Adula an der Urne.

Im Locarnese war ein erstes Projekt durch das Ausscheiden der Gemeinde Cevio in die Brüche gegangen. Danach wurde der Parkperimeter neu gefasst. Auch jetzt gibt es Gegner des Nationalparkprojekts Locarnese. Einige Spruchbänder hängen an Häusern: «Unnütz, schädlich, teuer: Nein zum Nationalpark» ist dort zu lesen. Doch die Zustimmung und der Enthusiasmus scheinen klar zu überwiegen. Das spiegelt sich bereits in der offiziellen Haltung der Gemeinden und Bürgergemeinden. «Das Projekt ist weniger kompliziert als beim Parc Adula – und alle Gemeinden stehen dahinter», sagt der kantonale Umweltminister Claudio Zali (Lega). Er zeigt sich zuversichtlich. Aber mahnt: «Wenn es im Locarnese nicht klappt, wird es keinen neuen Nationalpark geben.»

Bei einem Ja an der Urne vorerst für zehn Jahre

Stimmt die Bevölkerung zu, wird der Nationalpark für zehn Jahre eingerichtet. Danach wird erneut abgestimmt. Die jährlichen Subventionen der öffentlichen Hand belaufen sich auf 5,2 Millionen Franken; 60 Prozent erbringt der Bund, 20 Prozent der Kanton, 17 Prozent Stiftungen. Die Gemeinden müssen nur drei Prozent oder umgerechnet 160000 Franken aufbringen. Circa 20 Stellen werden direkt geschaffen, zwischen 250 und 300 Arbeitsplätze dürften indirekt entstehen. Die jährliche Wertschöpfung wird auf 20 Millionen geschätzt. «Es ist eine goldene Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen», sagt Ottavio Guerra, Gemeindepräsident von Centovalli.

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