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NATIONALRAT: So tickt der Nachfolger von Yannick Buttet

Benjamin Roduit hat gestern den Platz von Yannick Buttet im Nationalrat eingenommen, nachdem dieser wegen Belästigungsvorwürfen hatte zurücktreten müssen. Der Walliser hat ein Jahr voller prägender Eindrücke hinter sich.
Tobias Bär
Benjamin Roduit am Tag seiner Vereidigung in Bern. (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Benjamin Roduit am Tag seiner Vereidigung in Bern. (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Eigentlich war Benjamin Roduit drauf und dran, mit der Politik abzuschliessen. Im November 2017 gab er das Co-Präsidium der Unterwalliser CVP ab, wollte sich fortan ganz auf seine Arbeit als Gymnasiallehrer sowie auf sein Teilzeitpensum im Walliser Bildungsdepartement konzentrieren. Doch dann kochte die Affäre um CVP-Nationalrat Yannick Buttet hoch. Buttet sah sich nach Bekanntwerden von Belästigungsvorwürfen und der Eröffnung eines Strafverfahrens wegen des Verdachts auf Nötigung zum Rücktritt gezwungen. So öffnete sich für Roduit unverhofft die Türe zum Bundeshaus, war er doch bei den Wahlen 2015 auf dem ersten Ersatzplatz gelandet.

Roduit brauchte ein paar Tage, bevor er sich entschied, das Mandat anzutreten. Ein Grund für das Zögern war das mediale Sperrfeuer, dem Buttet ausgesetzt war. Roduit fragte sich, ob er sich tatsächlich den Mechanismen des Berner Politbetriebs ausliefern solle. Schliesslich war es der Zuspruch seiner Frau, der die Zweifel zerstreute. Der 55-Jährige sieht keinen Grund, sich von «seinem Freund» Buttet zu distanzieren. «Ich setze mich für dieselben Werte ein wie er», sagt Roduit im Gespräch. Während er bei wirtschaftspolitischen Fragen wohl etwas liberaler politisiere als das Gros der CVP-Fraktion, stehe er in der Gesellschaftspolitik rechts der Mitte. Der vierfache Vater weibelt für die Anliegen der traditionellen Familie, fühlt sich dem C im Parteinamen «sehr verbunden».

Die konservative Ansichten Roduits sorgten verschiedentlich für Diskussionen. Im Oktober 2014 beschrieben Schüler und Lehrer die Stimmung am Sittener Kollegium des Creusets, dem der Katholik bis 2016 während 13 Jahren als Rektor vorstand, in der Westschweizer Zeitung «Le Courrier» als von «christlichem Bekehrungseifer» und «Homophobie» geprägt. Neue Nahrung erhielten die Vorwürfe, als Roduit einen Workshop zum Thema Homophobie an seiner Schule untersagte. «Ich war der Meinung, dass das Thema Homosexualität breiter hätte thematisiert werden müssen», sagt er heute dazu.

Roduit will am Kollegium weiterhin in einem 50-Prozent-Pensum unterrichten, während der Sessionen springt ein Aushilfslehrer ein. Der frankofone Neu-Nationalrat hat sein Leben ganz in den Dienst der Bildung gestellt, wie er auf seiner Webseite schreibt. Ob Roduit seiner Berufung entsprechend in der Bildungskommission Einsitz nehmen kann, entscheidet sich heute.

Energie für die neue Aufgabe hat der Unterwalliser, der seit seiner Geburt in der Gemeinde Saillon zwischen Martigny und Sitten lebt, reichlich getankt: Ab Sommer 2016 gönnte er sich eine einjährige Auszeit. Mit seiner Frau legte er unter anderem 2000 Kilometer auf dem Jakobsweg zurück. In Haiti packte das Paar in einer Klinik für Arme mit an. Ein einschneidendes Erlebnis für Roduit: Ein 13-jähriger Junge sei in seinen Armen gestorben. «Das relativiert vieles.»

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