NATIONALRAT: Für solche Sendungen wollen wir keine Gebühren zahlen

Was gehört zu den Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Senders wie der SRG? Heute ist der Service-public-Bericht des Bundesrates Thema im Nationalrat. Wir zeigen, für welche Sendungen sich unserer Meinung nach Gebühren lohnen - und für welche nicht.

Christof Krapf
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Service-public oder nicht, das ist die Frage. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Service-public oder nicht, das ist die Frage. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Die SRG hat schon einfachere Zeiten erlebt. Die No-Billag-Initiative will die Gebührengelder abschaffen. Und immer wieder diskutieren SRG-Kritiker darüber, was wirklich zum Service-public gehört und was nicht. Der Bundesrat spricht in seinem Bericht davon, die SRG müsse einen "umfassenden Service-public" anbieten. Im Nationalrat regt sich Widerstand gegen diese Idee. Wir haben deshalb zwei Listen mit je fünf Sendungen zusammengestellt, die zum Service-public gehören - oder eben nicht.

Sendungen, für die sich Gebühren lohnen:

1) "10vor10"
Schon 27 Jahre lang liefert dieses Format jeden Abend unter der Woche Hintergründe zu den News des Tages sowie eigenen Recherchen. Mit dem Fokus auf Hintergründe hebt sich "10vor10" von einer reinen Nachrichtensendung ab und hat deshalb seinen Platz in einem öffentlich-rechtlichen Sender verdient.

2) Sportübertragungen
Fussball-Länderspiele, Ski-WM,Tennis oder Olympische Spiele: Sportveranstaltungen stiften Identität und gehören deshalb zum Serivce-public. Bei der Übertragung einiger Sportarten ist die SRG gar Weltklasse: Die Tennisberichterstattung von Stefan Bürer und Heinz Günthardt geniesst Kultstatus. Und die TV-Übertragungen von Skirennen unter der Regie des Toggenburgers Beni Giger gehören zu den besten auf der Welt. Das rief gar das Internationale Olympische Komitee auf den Plan: Die SRG war an den Spielen 2014 in Sotschi für das weltweite TV-Signal aller Skirennen verantwortlich. Und wem läuft es bei solchen TV-Highlights nicht kalt den Rücken hinunter:


3) Rundschau
Man muss Moderator Sandro Brotz und sein Auftreten in Interviews nicht mögen. Fakt ist aber, dass die Rundschau wie kein anderes SRG-Format den Finger auf die Wunde legt - sei es im In- oder Ausland. Zudem beweist die Sendung immer wieder, dass man auch als gebührenfinanziertes Medium kritisch über inländische Politik berichten kann. Deshalb gehört die Rundschau zum Service-public.

4) Dok
Mit den Dokumentations-Formaten deckt die SRG ein grosses Spektrum an Interessen ab. "Mache die populären Programm gut. Und mache die guten Programme populär", lautet das Motto der britischen BBC. Diese Maxime setzt die SRG mit ihren Dok-Sendungen um. Formate wie "Netz Natur" mit dem Biologen Andreas Moser sind Kult und geben obendrein interessante Einblicke in Flora und Fauna.



5) "SRF bi de Lüt"
Eine öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft soll auch identitätsstiftend wirken. Dazu gehört einerseits, dass die SRG alle Sprachregionen abdeckt. Andererseits gibt die SRG mit der TV-Sendungen "SRF bi de Lüt" interessante Einblicke in den Alltag der Schweizerinnen und Schweizer. Geschichten aus Alphütten, Porträts über Skilehrer oder der Besuch in verschiedenen Dörfern bewegen das Publikum und haben deshalb den Platz im Service-public verdient.

Sendungen, für die sich die Gebühren nicht lohnen:

1) "I schänke dir es Lied"
Das SRF drückt mit diesem Format auf die Tränendrüse. Ein Lied verschenken und auch noch live gesungen - welch romantische Vorstellung. Obendrein schlägt die SRG mit diesem Format zwei Fliegen mit einer Klappe. Marc Sway, Florian Ast, Ritschi und Baschi treten in der Sendung auf - wer denn sonst. Mit dem Engagement dieser mehr oder weniger erfolgreichen Musiker subventioniert die SRG gleich noch Schweizer Sänger. Das kann nicht Teil des Service-public sein - vor allem nicht in epischer Länge von zweieinhalb Stunden.


2) Eurovision Song Contest
Im Musikbereich fehlt dem SRF eine zeitgemässe Sendung. Wer ausser Sven Epiney braucht noch einen Eurovision Song Contest? Niemand. Die dargebotenen Playbacksongs sind allerhöchstens durchschnittlich und die Schweiz gewinnt sowieso nie. Ein so überholtes Format gehört nicht zum Service-public.

3) Die grössten Schweizer Talente
Wer hat die vergangenen drei Austragungen der grössten Schweizer Talente gewonnen? Daran kann sich kein Mensch erinnern. Für die Siegerinnen und Sieger dieses Castingformates gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie verschwinden wieder in der Versenkung - oder sie landen in Sendungen wie "I schänke dir es Lied".

4) Formel 1
Laute Autos, die im Kreis fahren und dabei die Luft verpesten. Welchen Sinn soll das bitteschön haben? Erst recht sinnlos ist es, diese Sportart live zu übertragen und für die TV-Rechte viel Geld auszugeben - vor allem, seit das Schweizer Sauber Team der Konkurrenz hinterher fährt.

5) Schawinski
Ein alternder TV-Pionier nutzt ein Talkformat nicht, um seinen Gast vorzustellen, sondern um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Solchen Narzissmus braucht der Service-public nicht, sondern gehört in private TV-Stationen. Mit der Gründung ebensolcher hat Roger Schawinski ja breite Erfahrung.