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Nathalie Wappler kehrt als SRF-Direktorin zurück

Die 50-Jährige wird nach einem Abstecher nach Deutschland neue SRF-Chefin. Sie setzte sich gegen 39 Mitbewerber durch.
Christian Mensch
Nathalie Wappler tritt ab März die Nachfolge von Rudolf Matter an. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Nathalie Wappler tritt ab März die Nachfolge von Rudolf Matter an. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Zwei Gründe kann es geben, dass eine Personenwahl einstimmig über die Bühne geht. Entweder lässt der Personenkult keine Auswahl zu oder die Auswahl ist so, dass die Wahl zur Formsache wird.

Bei Nathalie Wappler galt Zweites: Einstimmig hat der SRG-Verwaltungsrat dem Vorschlag der Trägerschaft Deutschschweiz zugestimmt, die 50-jährige Thurgauerin zur neuen Direktorin SRF zu wählen. Als Nachfolgerin von Rudolf Matter wird sie ab März zuständig sein für 2100 Mitarbeitende, für drei TV- und sechs Radioprogramme sowie für verschiedene Onlineauftritte.

Obwohl sich die Wahl als naheliegend präsentiert: Die SRG-Gremien haben ein aufwendiges Ausschreibungs- und Auswahlverfahren aufgezogen, um zu ihrem Resultat zu kommen.

Die Stelle war im März öffentlich ausgeschrieben und ein Headhunter auf mögliche Kandidaten angesetzt, die sich nicht selbst melden mochten. Auf einer Longlist standen schliesslich vierzig Namen von Personen, die sich den Job zutrauten, und entsprechende Dossiers, die dies nicht zwingend nahelegten. Ein Nominationsausschuss unter dem Präsidium von Andreas Schefer, dem Präsidenten der Deutschschweizer SRG-Trägerschaft, destillierte daraus eine Achter-Liste. Mit diesen Personen wurden Gespräche geführt, drei blieben übrig. Mit diesen wiederum wurden weitere Gespräche vereinbart. Um sich keinem Vorwurf der Kungelei auszusetzen, mussten sich die Schlusskandidaten einem Assessment unterziehen, dem Stresstest für Spitzenanwärter. Dann kam es, wie es kommen musste: Wappler schwang obenaus und konnte gestern artig sagen «Ich freue mich riesig.»

Hohe Hürden für Quereinsteiger

Die Ausschreibung verlangte eine führungs- und medienerfahrene, technologieaffine, politisch ausgefuchste, kostenbewusste, kommunikativ verhandlungsstarke sowie empathische und mehrsprachige Person. In Anbetracht des damit verbundenen Subtextes war die Hürde für ambitionierte Quereinsteiger damit unüberwindbar. Ein SRG-Hintergrund war beinahe Voraussetzung, ein Abstecher in eine andere Medienwelt geradezu ideal. Ob geplant oder nicht: Mit ihrer Karriere hat sich Nathalie Wappler förmlich aufgedrängt, Matter zu beerben.

Bevor Wappler bei SRF Karriere innerhalb der Kulturabteilung machte, schnupperte sie deutsche Fernsehluft. Sie arbeitete für die «Kulturzeit» (3 sat), die Talksendungen «Gauck» (ARD) und «Maybritt Illner» (ZDF) sowie für das Kulturmagazin «aspekte» (ZDF). Von 2005 bis 2016 folgte der nicht verdächtig steile, aber doch stetige Aufstieg von der Produzentin des «Kulturplatz» bis zur Kulturchefin von Radio und Fernsehen mit 260 Mitarbeitenden.

Von ihren Chefs war sie schon früh für höhere Weihen ausersehen. Roger de Weck hielt als SRG-Generaldirektor ebenso grosse Stücke auf sie wie Rudolf Matter. Wohl kein Zufall, dass sowohl Wappler als auch Hansruedi Schoch, ihr letzter Mitbewerber, Teil jener Task-Force waren, die mit Matter die Konvergenz von Radio- und Fernsehen in der Deutschschweiz organisierte. Zuerst wurde Matter mit dem Chefposten belohnt, nun Wappler.

Anders als Schoch, der an Matters Seite verharrte, blieb Wappler beweglich. Vor fünf Jahren machte sie in Stanford eine Managementausbildung, vor drei Jahren nahm sie den Job der Programmleiterin beim Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) an. Sie schuf sich eine Situation, aus der sie nur als Siegerin hervorgehen konnte: Die ausländische Station im Curriculum qualifizierte sie zusätzlich zum Führungsjob – und wäre sie aufgrund von unberechenbaren Umständen bei der Wahl doch übergangen worden, wäre dies ihr fernab nicht zum Nachteil gereicht.

Erwartete Anfeindungen

Ihren Job in der deutschen Provinz gibt Wappler leicht auf. Dort herrsche, wie sie sagt, «eine politisch sehr zugespitzte Landschaft». Erwartete Angriffe etwa der «Weltwoche», die vorweg schon mit dem Finger auf ihren «linken» Ehemann gewiesen hat, werden ihr wie ein laues Lüftchen erscheinen. Sie sagt, «Wir wollen alle zu Wort kommen lassen, auch jene, die uns gerade beschimpfen». Was auch zeigt: Die Herausforderungen an die neue SRF-Direktorin sind überschaubar.

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