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NANCY HOLTEN: Eine Aargauerin, die partout nichts auslässt

Die gebürtige Holländerin kämpfte gegen Kirchen- und Kuhglocken, erstritt sich den Schweizer Pass und will nun bei den Grünen politische Karriere machen.
Balz Bruder

Woher nur nimmt sie die Energie, sich stets von neuem mit polarisierenden Aussagen und Aktionen der Öffentlichkeit gleichsam zum Frass vorzuwerfen? Sie, Nancy Holten, 43-jährig, lässt keine Debatte aus, sei es real oder viral. Ohne Rücksicht auf Verluste – auch wenn sie Werbeaufträge verliert und sie die Migros nun nicht einmal mehr auf ihren digitalen Kanälen sehen will.

Doch der Reihe nach. In die Schweiz verschlug es sie in den frühen 1980er-Jahren, weil ihre Mutter der Liebe wegen aus Holland hierher zog. In der Rückschau erstaunlich: Es dauerte zwei Jahrzehnte, bis Nancy Holten, zwischenzeitlich dreifache geschiedene Mutter, öffentlich bekannt wurde. Kurz vor Weihnachten 2014 war es, als sie sich in ihrer Wohngemeinde im aargauischen Fricktal über das frühmorgendliche Glockengeläut ärgerte und kurzerhand eine Lärmklage einreichte. Die Glocken liessen sie nicht los. Tage später waren es dann jene, die statt im Kirchturm um die Hälse der Kühe hingen. Gegen das Tierwohl sei das, monierte sie. Und schaffte es prompt bis in die Nachrichten des amerikanischen Fernsehsenders CNN.

Dass das Einbürgerungsverfahren für die zwischen couragierter Furchtlosigkeit und ostentativer Provokation zum Spiessrutenlauf geraten würde – wen wundert’s. Jedenfalls erteilten die enragierten Gipf-Oberfricker der überfliegenden Holländerin zweimal eine deutliche Absage, ehe die Aargauer Regierung einschreiten musste und Nancy Holten zu ihrem Recht verhalf. «Ich bin happy, happy, happy», sagte sie dem «Blick» nach überstandenem Kampf um den roten Pass Ende Juli. Die Einladung in den «Club» des Schweizer Fernsehens folgte alsogleich.

Anzeichen dafür, dass die vegane Tierschützerin, die sich auf Twitter als «TV-Moderatorin, Sensibilisatorin, Youtuberin, freie Journalistin, Schauspielerin und Model» bezeichnet, mit dem roten Pass in der Tasche ruhigere Gewässer ansteuern könnte, gibt es demnach nicht. Im Gegenteil, auf Twitter posierte Holten jüngst mit dem grünen Aargauer Nationalrat Jonas Fricker. Die Ansage ist unmissverständlich: Bei den nächsten Wahlen möchte sie zum Sprung ins kantonale, vielleicht sogar ins nationale Parlament ansetzen. Sie habe sich bei den Grünen «sofort pudelwohl» gefühlt, gestand sie kürzlich der Pendlerzeitung «20 Minuten». Worauf Fricker zwar nicht replizierte, die Grünen seien eine Kuschelpartei, aber eine «Partei der Vielfalt».

Ob die Grünen mit Nancy Holten dereinst ihr blaues Wunder erleben werden? SVP-Nationalrat Maximilian Reimann, in der gleichen Wohngemeinde zu Hause wie die Kuhglockengegnerin, sagte es dem Regionalfernsehen gegenüber so: «Wenn Frau Holten auf ihren kuriosen politischen Vorstellungen beharrt, wird sie eine Einzelmaske ohne jegliche Durchschlagskraft sein und bleiben.» Kommt darauf an, ob auf politischem oder anderem Parkett.

Zurück zur eingangs gestellten Frage nach der Energie dieser Frau. Nancy Holten scheint von der Sorte unerschrockener Optimistinnen zu sein, die ihre Kraft aus ihren Überzeugungen und der Öffentlichkeit, die sie daraus herstellt, schöpft. Und aus einer dichten Schutzhülle, die aus diesem Material gewoben ist: «Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, nichts persönlich zu nehmen», sagte sie der «Aargauer Zeitung» einst. Dafür wird sie selber umso persönlicher genommen, wäre abschliessend anzufügen.

Balz Bruder

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