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«Nahtoderfahrung»: Vor zehn Jahren ging die UBS fast unter

Der Konflikt mit den USA und Milliardenverluste bringen die Grossbank 2008 ins Schlingern. Dann greift ihr der Staat unter die Arme. Zeitzeugen wie der damalige UBS-Präsident Peter Kurer erzählen, wie sie die dramatische Zeit erlebt haben.
Felix E. Müller
Riskante Geschäfte und das systematische Anwerben von amerikanischen Steuersündern bringen die Bank an den Rand des Ruins. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Zürich, 15. November 2008))
104 Millionen Dollar Entschädigung: Whistleblower Bradley Birkenfeld. (Bild: Kaster/AP)
Couchepin und Widmer-Schlumpf verkünden den Rettungsplan. (Bild: KEY (16.10.2008))
Die UBS schreibt im Jahr 2008 Milliardenverluste wegen Ramschpapieren. (Bild: KEY)
Hans-Rudolf Merz: «Die Welt beisst sich am Bankgeheimnis die Zähne aus.» (Bild: KEY)
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«Nahtoderfahrung»: Vor zehn Jahren ging die UBS fast unter

Die erste Meldung erschien in der «Financial Times» im Frühling 2008: In Miami sei am 21. April ein hochgestellter Banker der UBS verhaftet worden. Der Grund: mögliche Verstösse gegen die amerikanische Steuergesetzgebung. Nach einigen Tagen sickerte der Name durch. Es handelte sich um Martin Liechti, Chef des in der Genfer UBS-Filiale angesiedelten USA-Geschäfts.

So nahm vor zehn Jahren die Schweiz zum ersten Mal Kenntnis von einem juristischen Streit mit den USA um Steuerflucht und Bankgeheimnis, der rasch eskalierte. Doch das sich anbahnende Drama fand anfänglich in der Schweiz eher wenig Resonanz, weil es stark im Schatten einer anderen drohenden Katastrophe stand: dem Taumeln der UBS, der grössten Schweizer Bank, die 2008 in den Strudel der Finanzkrise geraten war und massive Verluste verzeichnete.

Für Liechti sah es jedoch bald wieder besser aus: Er durfte nach einer Nacht im Gefängnis mit elektronischen Fussfesseln in ein Hotelzimmer umziehen und lebte dort mehrere Monate lang unter Hausarrest, wo er von US-Strafverfolgern befragt wurde. Bei der Grossbank gab es einige wenige, die ahnten, welches die Hintergründe dieses Zugriffs der amerikanischen Behörden waren. Zu diesen gehörte Peter Kurer, damals Chefjurist und Mitglied der Konzernleitung. Denn einer der Mitarbeiter von Liechti, der Amerikaner Bradley Birkenfeld, war intern aufgefallen mit Kritik an den Methoden, mit denen die USA-Abteilung in Genf arbeitete. Diese förderte mit aggressiven Methoden das Geschäft mit amerikanischem Schwarzgeld, das – wie sich Kurer erinnert – einen Umfang von gegen 20 Milliarden erreicht hatte. Einige Wochen später erwies sich, dass Birkenfeld Auslöser der Verhaftung von Liechti war, weil er im Herbst des Vorjahres die amerikanischen Behörden auf die Geschäftspraktiken aufmerksam gemacht hatte.

Die Schweiz empfindet das Vorgehen als Cowboy-Methode

Allerdings war Birkenfeld – ein charakterlich problematischer Zeitgenosse mit einem grossen Ego – selbst stark in solche Aktivitäten involviert gewesen. Vermutlich erhielt er aber kalte Füsse und versuchte mit seinem Vorgehen Straffreiheit zu sichern. Nur verkalkulierte er sich – zumindest vorerst. Denn er fand in den USA zwar offene Türen für seine Insider-Informationen, gleichzeitig aber klagte ihn die Justiz an. Am 19. Juni 2008 wurde er in Florida der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gesprochen. Er kam hinter Gitter, erhielt kurz nach seiner Freilassung aber eine Whistleblower-Entschädigung von sagenhaften 104 Millionen Dollar.

Praktisch gleichzeitig mit der Verurteilung Birkenfelds traf in Bern die Forderung ein, dass die Schweiz den USA die Daten tausender amerikanischer UBS-Kunden übergeben solle. Jetzt begann der Steuerstreit in der Schweiz Schlagzeilen zu machen. Die für Amtshilfeverfahren zuständige Verwaltungsstelle dachte jedoch nicht daran, ihr normales Arbeitstempo wegen der Forderungen aus Übersee zu beschleunigen; sie stellte eine Antwort auf das Begehren auf Frühling 2009 in Aussicht. Das war den Amerikanern entschieden zu langsam. Sie zogen deshalb die Schraube an. Im August kam Liechti wieder frei, nachdem er einen Deal mit der US-Justiz geschlossen hatte: Er erklärte sich bereit, gegen seinen Chef Raoul Weil – dem er alle Schuld in die Schuhe geschoben hatte – im Fall eines Prozesses auszusagen. Nun wurde Weil angeklagt; für das gesamte UBS-Topmanagement wurde die Situation ungemütlicher. Schliesslich setzten die USA der Schweiz einen Termin: Spätestens Anfang 2009 sollten die verlangten Kundendaten in Washington eintreffen, andernfalls drohe der Bank eine Anklage wegen «Verschwörung mit US-Steuerzahlern zwecks Schädigung der Vereinigten Staaten». Die Schweiz empfand dieses Vorgehen als Cowboy-Methode. Der Ärger war umso grösser, als man sich mit den USA eigentlich freundschaftlich verbunden fühlte.

Bundesrat will mit allen Mitteln eine Anklage verhindern

In der Bank selbst waren die Sorgen konkreter. Man habe sich rasch ein Urteil gebildet, was eine Anklage bedeuten würde, sagt Peter Kurer: «Unsere Analysen ergaben, dass mit einer Anklage die Existenz der Bank gefährdet gewesen wäre.» Nun wurde auch der Bundesrat unruhig. «Dieser wollte unter allen Umständen eine Anklage verhindern», erinnert sich der damalige Bundesratssprecher Oswald Sigg. Um Neujahr 2009 nahm die Nervosität zu. Die Verwaltung hatte erst knapp drei Dutzend Dossiers materiell bearbeitet, ein Bruchteil der geforderten Zahl. Und so kam es schliesslich zu einer Hauruck-Übung im Februar 2009. Der Bundesrat wies nach einer Sondersitzung die Finanzmarktaufsicht an, gestützt auf ein juristisches Notkonstrukt den USA ausserhalb des ordentlichen Amtshilfeverfahrens rund 250 Kundendossiers auszuliefern. Zudem zahlte die Bank 780 Millionen Dollar für «ungerechtfertigte Gewinne».

Zur grossen Verblüffung aller Beteiligten auf Schweizer Seite reichte die amerikanische Steuerbehörde (IRS) am gleichen 18. Februar 2009 aber ein neues Gesuch ein, das die UBS zur Herausgabe von nicht weniger als 52000 zusätzlicher Kundendossiers zwingen wollte. Damit liess sich erahnen, dass die USA entschlossen waren, Transparenz über die Vermögen ihrer Bürger auf allen Schweizer Banken zu erzwingen. «Im Juni 2009 suchte deshalb der Bundesrat den Kontakt mit den USA, um eine Verhandlungslösung zu suchen», erinnert sich Michael Ambühl, der damals Staatssekretär im EDA war. Noch im gleichen Monat reiste er für eine erste Verhandlungsrunde in die US-Hauptstadt. Er sei von seinem Gegenpart, Steve Miller, mit den Worten begrüsst worden: «Michael, hier gibt es nichts zu verhandeln.» Schon am 31. Juli 2009 lag eine Grundsatzvereinbarung vor, die am 19. August unterzeichnet wurde: Auf der Basis der bestehenden Schweizer Gesetze lieferte die UBS rund 4450 Steuerdossiers an den IRS, weniger als zehn Prozent der ursprünglich geforderten Zahl.

Zu diesem Zeitpunkt war für die UBS dieser Konflikt fast nur noch wie die Erinnerung an einen Albtraum. Dafür kämpfte sie immer noch mit den Folgen des andern grossen Dramas von 2008: der Finanzkrise. Diese brach in den USA im Sommer 2007 los. In der Schweiz nahm man anfänglich an, es handle sich da um ein Problem der andern, weil man von der Solidität der eigenen Grossbanken überzeugt war. Doch schon gegen Jahresende kamen Zweifel auf, musste die UBS doch bekanntgeben, Kapital zu benötigen. Die wahren Dimensionen des Problems begannen sich Ende Januar 2008 abzuzeichnen: Die UBS wies für das zurückliegende Geschäftsjahr einen Verlust von 4,4 Milliarden aus, weil sie 21 Milliarden wegen problematischer Hypotheken in den USA abschreiben musste. Die Kapitalerhöhung, von den Aktionären Ende Februar genehmigt, belief sich auf 13 Milliarden Franken. Wenig überraschend nahm die Kritik am damaligen Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel zu. Dieser sah sich aber «nicht als Teil des Problems, sondern der Lösung». Einen Monat später war er dennoch weg, auf Druck der Finma, die ihn doch eher als Problem einstufte. Darüber wundern konnte sich nach den am 1. April publizierten Quartalszahlen niemand wirklich: 12 Milliarden Verlust, nachdem sie wiederum fast 20 Milliarden auf US-Ramschpapieren abschrieb. Nun übernahm Peter Kurer als Präsident das Zepter. Erneut war eine Kapitalspritze notwendig. Die Schweizer Öffentlichkeit begann an der Überlebensfähigkeit der Bank zu zweifeln, der Abzug von Kundengeldern beschleunigte sich. Peter Kurer sagt: «Für das ganze Jahr belief sich die Summe der Abflüsse auf rund 100 Milliarden Franken.»

Nach dem Lehman-Kollaps kommt es zum grossen Knall

Noch vor den Sommerferien sei der Bundesrat«in den Krisenmodus übergegangen», sagt der damalige Bundesratssprecher Oswald Sigg. «Die Bank war nun ein fixes Traktandum an jeder Sitzung.» Vertreter der Nationalbank und der Finanzverwaltung begannen über Krisenszenarien und Rettungsmassnahmen nachzudenken. Dann kam der grosse Knall: Die Investmentbank Lehman Brothers erklärte am 15. September ihre Insolvenz. Jetzt breitete sich auf den internationalen Finanzmärkten Panik aus. «Ganz kurz nach dem Lehman-Kollaps kam die Nationalbank auf uns zu mit der Aufforderung, über Massnahmen für die Stabilisierung der Bank zu diskutieren», erinnert sich Kurer.

Eine erste Sitzung im kleinsten Kreis wurde für den Sonntag, 21. September, in Bern anberaumt. Daran nahmen auch Philipp Hildebrand und Thomas Jordan von der Nationalbank, Finma-Chef Eugen Haltiner sowie Vertreter von UBS und Finanzverwaltung teil. «Während der Sitzung erhielt Hildebrand einen dringenden Telefonanruf. Er kam zurück ins Sitzungszimmer und sagte, dass Bundesrat Merz einen Herzinfarkt erlitten habe und im Spital liege.» Zu dieser Zeit war Bundespräsident Pascal Couchepin gerade auf dem Weg an die UNO-Generalversammlung in New York, als er ebenfalls die Nachricht vom Herzinfarkt seines Kollegen erhielt. «Da habe ich rechtsumkehrt gemacht und bin nach Bern zurückgekehrt, um mit Eveline Widmer-Schlumpf das Dossier Rettung UBS zu übernehmen», erinnert sich Couchepin. Er lobt auch heute noch die «ausgezeichnete Zusammenarbeit» mit der Stellvertreterin des Finanzministers.

Für das Krisentreffen rückte die UBS-Spitze mit eigenen Szenarien für eine Rettung der Bank an: «Wir sahen vier Varianten: die Fusion mit einer andern Bank, den Verkauf, einen Teilverkauf und schliesslich ein Durchwursteln.» Doch Nationalbank und Finanzverwaltung brachten ein eigenes Konzept mit; es handelte sich um das Resultat der Planspiele der zurückliegenden Wochen und bestand in einer Rettung durch den Staat. Kurer kontaktierte nach der Sitzung seinen Verwaltungsrat und plädierte für diese Lösung. Er sagte, er sehe keine Alternative. Sonst würden alle im Fall des Scheiterns einer anderen Lösung im Gefängnis enden.

Nun wurde an den Details dieses Konzepts gearbeitet – im Bundesrat unter allergrösster Geheimhaltung. «Zuweilen wurde für dieses Traktandum gar der Sitzungsraum gewechselt», sagt Oswald Sigg. «Und dann ordnete Couchepin aus Furcht vor Indiskretionen an, für dieses Thema kein Protokoll mehr zu erstellen. Ich war ziemlich perplex und habe dann jeweils nach der Sitzung ein Gedächtnisprotokoll erstellt. Die Bundeskanzlerin tat übrigens dasselbe.»

Einen knappen Monat nach der ersten Krisensitzung kam es am 16. Oktober 2008 zur historischen Medienkonferenz: Bund und die Nationalbank gaben bekannt, mit bis zu 60 Milliarden Dollar der UBS unter die Arme zu greifen. Von dieser Summe waren 54 Milliarden dafür bestimmt, der Bank US-Ramschpapiere abzunehmen und auf die Bücher der Nationalbank zu überführen. Die restlichen sechs Milliarden waren eine zusätzliche Finanzspritze der Eidgenossenschaft in Form einer Pflichtwandelanleihe. Für die Öffentlichkeit war diese Rettung ein Schock. Man hätte sich nie träumen lassen, dass eine Schweizer Grossbank derart in Schieflage geraten könnte und vom Staat gestützt werden musste. Die Bank dagegen konnte auf­atmen. «Für sie war mit dem Rettungspaket die Subprime-Krise im engeren Sinn ausgestanden», sagt Kurer. Die UBS fand mit dieser Rettungsweste und der Einigung im Steuerstreit wieder Boden unter den Füssen. Sie steht heute sehr solide da.

Die Mitschuld von Marcel Ospel

Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob die beiden Krisen, die eine «Nahtod-Erfahrung» gewesen seien (so der heutige UBS-CEO Sergio Ermotti), einen Zusammenhang haben. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht der Fall zu sein scheint, so sprechen doch zwei Gründe dafür. Intern dürfte der aggressive Kurs, den die UBS unter Führung von Marcel Ospel eingeschlagen hatte, eine wichtige Rolle gespielt haben. Ospel wollte die Bank zur Weltmarktleaderin, zum grössten und stärksten globalen Finanzinstitut machen. Damit impfte er seinen Untergebenen eine Risikobereitschaft ein, die in gewagten Geschäften im US-Immobilienmarkt resultierte. Und in der Vermögensverwaltung förderte er mit hohen Boni die Versuchung, im legalen Graubereich oder auch im ganz Dunkeln zu fischen. Das mündete schliesslich in das Debakel in den USA.

An externen Gründen steht für den an der Universität Zürich unterrichtenden Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann die Weltfinanzkrise im Vordergrund. Die stark steigenden Defizite der Staaten hätten «das Verständnis für Steuerhinterziehung praktisch über Nacht zum Verschwinden gebracht», meint er. Doch das «annus horribilis» der UBS von 2008 hatte Konsequenzen weit über die Bank hinaus. Straumann sagt, dass die Bevölkerung damals den «Respekt vor den Bankmanagern vollkommen verloren» hatte. Die Zustimmung zur Minder-Initiative mit ihrem Versuch, der «Abzockerei» der Manager einen Riegel zu schieben, ist eine direkte Konsequenz davon. Eine andere ist der starke Regulierungsschub für die Banken nach der Finanzkrise. Die Politik, die jahrzehntelang ein enges Verhältnis zur Finanzbranche gepflegt hatte, ging nach 2008 auf Distanz. Die Banken bekundeten in den folgenden Jahren im Bundeshaus sowie in der Öffentlichkeit Mühe, sich Gehör für ihre Argumente zu verschaffen. Die Kritik des bekannten Rechtsanwalts und Bankenspezialisten Peter Nobel ist sicher zutreffend: «Der Bundesrat rührte danach keinen Finger mehr für gefährdete Banken.» Aber der Bundesrat passte sich damit nur der vorherrschenden Stimmung im Lande an.

Sodann markiert 2008 auch den Anfang vom Ende des Bankgeheimnisses. Michael Ambühl, der als Staatssekretär alle kritischen Verhandlungen mit den USA geführt hat, betont zwar, dass sämtliche Verträge mit den USA «auf der Basis der bestehenden Gesetze abgeschlossen wurden, es keine neuen Gesetze brauchte und somit das Bankgeheimnis nicht verletzt wurde». Doch psychologisch wurde damals eine erste Bresche geschlagen. Soeben hatte Finanzminister Hans-Rudolf Merz noch pathetisch erklärt, am Bankgeheimnis werde sich die Welt «die Zähne ausbeissen». Und dann erfolgte vor den Augen eben dieser Welt die hastige Übergabe von einigen tausend Bankkundendaten an die USA. Statiker wissen, dass ein Damm nicht mehr lange hält, wenn durch einen Riss das Wasser zu strömen beginnt. Die klammen europäischen Staaten folgten dem Vorbild der USA und setzten ihrerseits die Schweiz unter Druck, weil sie auf dringend gesuchte zusätzliche Einnahmen aus bisher unversteuerten Vermögen hofften. Es dauerte nur noch knapp fünf Jahre, bis Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Dezember 2013 ziemlich unzeremoniell der EU den automatischen Informationsaustausch anbot und damit das Bankgeheimnis, dieses einstige Markenzeichen des Finanzplatzes, zu Grabe trug. Ein Gerücht besagt, ihr Bündner Schulkamerad Pierin Vinzenz, oberste Chef der Raiffeisenbank und erklärter Gegner des Bankgeheimnisses, habe sie in dieser Absicht bestärkt. Die Freude darüber war bei der Linken gross, bei der Rechten herrschte Empörung. Und die vorherrschende Meinung auf dem Finanzplatz war so, wie es Peter Kurer im Rückblick formuliert: «Das Steuerfluchtmodell war nicht mehr länger zu halten.»

Der Schweizer Finanzplatz leidet bis heute

Dem Finanzplatz insgesamt hat das Jahr 2008 aber langfristig geschadet, meint Straumann. «Er hat in den letzten zehn Jahren stark gelitten.» Sein Anteil am Bruttosozialprodukt der Schweiz ist geschrumpft, die Rentabilität hat abgenommen, und die Zahl der Beschäftigten stagniert. Peter Kurer zieht hier eine Verbindung zum Steuerstreit: «Es war immer ein Ziel der USA gewesen, die europäische Konkurrenz zu schwächen. Das ist erfolgreich gelungen.» Vielleicht hängt noch eine andere Entwicklung mit dem «annus horribilis» von 2008 zusammen: Nicht nur ist die Öffentlichkeit damals zu Banken und Managern auf Distanz gegangen. Die erfolgreiche, von Verwaltung und Nationalbank mit kühler Professionalität abgewickelte UBS-Rettung habe «das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Kompetenz» staatlicher Instanzen gefördert, sagt Straumann. Das würde erklären, warum es liberale Lösungen für wirtschaftliche und anderen Probleme heute eher schwer haben.

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