Nachrichtendienst überwacht 90 Gefährder

Anna Kappeler
Merken
Drucken
Teilen

Risikopersonen Die Arbeit des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) habe an Relevanz gewonnen, sagte gestern Direktor Markus Seiler an der Jahresmedienkonferenz. «Nicht, weil wir das wollen, sondern weil die Welt so ist, wie sie ist.» Verteidigungs­minister Guy Parmelin doppelte nach: «Sagen wir es deutlich: Auch die Schweiz ist bedroht!»

Im Bereich Terrorbekämpfung hat sich Seiler erstmals zu den dschihadistischen Risiko­personen, den sogenannten Gefährdern, geäussert: Rund 90 hat der NDB auf dem Radar. «Nicht von allen geht eine Anschlag­gefahr aus, aber einige bedrohen die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz», sagte Seiler. Der NDB kenne deren genaue Anzahl, kommuniziere sie aber nicht. Sie liegt laut Seiler «zwischen 85 und 94». Das Spektrum sei breit: «Darunter finden sich Migranten, Schweizer Konver­titen, mehr Junge als Alte und mehr Männer als Frauen.» Die Risikopersonen stammten aus ­allen Teilen der Schweiz, «von Genf bis Rorschach und von Basel bis ins Tessin». Meist lebten sie in Agglomerationen, in denen die Anonymität gegeben sei und die Wohnungen bezahlbar. Sie hätten sich durch radikale Äusserungen verdächtig gemacht oder weil sie Schlüsselfiguren an auffälligen Orten wie der An’Nur-Moschee in Winterthur seien.

Seit 2001 hat der NDB laut Seiler zudem 88 Dschihad-Reisende im Visier. Seit 2016 habe es keine neuen Ab- und Rück­reisen gegeben. Es gäbe einen «Trend zur Stabilisierung». Dazu sagte Merz: «Der IS ist in Syrien und im Irak militärisch stark unter Druck geraten und ruft nicht länger dazu auf, ins Konfliktgebiet zu reisen, sondern stattdessen Anschläge im Westen zu verüben.» Zudem würden inzwischen nationale und internationale Massnahmen greifen, die Dschihad-Reisen verhindern sollen. «In Bezug auf Rückkreisen muss allerdings beachtet werden, dass ein totaler Kollaps des IS in Zukunft zu einer Zunahme an Dschihad-Rückkehrern führen könnte, auch in der Schweiz.»

Anna Kappeler