NACHGEFRAGT

«Raumplanung ist Sache des Volkes» In der Siedlungs- und Raumentwicklung spielen die Gemeinden eine wichtige Rolle. Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass sie dabei zuweilen finanzielle Interesse in den Vordergrund stellen.

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Ulrich König Direktor Schweizerischer Gemeindeverband (Bild: Quelle)

Ulrich König Direktor Schweizerischer Gemeindeverband (Bild: Quelle)

«Raumplanung ist Sache des Volkes»

In der Siedlungs- und Raumentwicklung spielen die Gemeinden eine wichtige Rolle. Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass sie dabei zuweilen finanzielle Interesse in den Vordergrund stellen.

Im Wettbewerb um attraktive Steuerzahler machen manche Gemeinden in der Raumplanung Zugeständnisse. Ist das nicht problematisch?

Das würde ich so generell nicht sagen. Man kann darüber diskutieren, ob der Steuerwettbewerb sinnvoll ist oder nicht. Tatsache ist, dass es ihn gibt. Letztlich entscheiden die Bürger auf demokratischem Weg, wie sich ihre Gemeinde entwickeln soll. In den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden. Eine nachhaltige Gemeindeentwicklung ist heute in den meisten Gemeinden ebenso wichtig wie die Steuerpolitik. Das hat auch die Abstimmung über die Zweitwohnungs-Initiative gezeigt.

An den besten Lagen stehen Villen auf dem freien Feld. Derartige Beispiele gibt es zahlreiche.

In der Vergangenheit sind sicher Sünden begangen worden. Die Zersiedlung ist fortgeschritten. Man sollte sich jedoch nicht an den Fehlern der Vergangenheit, sondern an den Chancen der Zukunft orientieren. Das neue Raumkonzept Schweiz legt für Bund, Kantone und Gemeinden gewisse Grundsätze fest. Ziel sind gemeinsame Strategien.

Manche Fachleute fordern sogar, dass man die Raumplanung den Gemeinden entziehen soll.

Dagegen würden wir uns selbstverständlich wehren. Es sind nicht die Planer, die den Raum gestalten, sondern das Volk. Die Gemeinden spielen eine wichtige Rolle, indem sie ihre Räume innerhalb der kantonalen Richtpläne gestalten. Diese Gemeindeautonomie darf nicht angetastet werden.

Es steht immer weniger Boden

zur Verfügung. Welche An-

strengungen unternehmen die Gemeinden beispielsweise, um den Siedlungsraum zu verdichten?

Sie bauen vor allem dort, wo bereits Land eingezont ist. Verdichten ist jedoch kein Allheilmittel. In die Höhe zu bauen, beisst sich häufig mit dem Landschaftsschutz. Umso wichtiger ist, dass Industriebrachen und leerstehende Gewerberäume umgenutzt werden. Die Gemeinden sollten zudem in ein lebendiges Dorfzentrum investieren. (eru)