Nach Intervention des Lehrerverbands: SBB verschenken 5000 Gutscheine an Lehrer

Der oberste Schweizer Lehrer hat SBB-Chef Andreas Meyer einen Brief geschrieben und tiefere Preise für Schulklassen gefordert. Nun reagieren die SBB mit einer Werbe-Aktion: Am Freitag verschicken sie einen Gutschein an 5000 Lehrerinnen und Lehrer. Weitere Massnahmen sollen folgen.

Maja Briner
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Eine Lehrerin sammelt ihre Schülerinnen und Schüler auf dem Perron im Bahnhof Olten (Bild: Keystone)

Eine Lehrerin sammelt ihre Schülerinnen und Schüler auf dem Perron im Bahnhof Olten (Bild: Keystone)

Bald beginnt die Schulreisen-Zeit und Zehntausende Schülerinnen und Schüler steigen schweizweit in Zug, Bus oder aufs Schiff. Dieses Jahr profitieren einige Klassen von einer Sonderaktion: Die SBB verschicken am Freitag einen Gutschein an 5000 Deutschschweizer Lehrerinnen und Lehrer, wie ein Sprecher bestätigt.

Sie erhalten 150 Franken Rabatt auf bestimmte Angebote für Schulen sowie auf Gruppenbillette für eine Fahrt in ein Nachbarland. Die Gutscheine gehen laut SBB an Lehrpersonen, die in den letzten zwei Jahren eine Gruppenreise gebucht haben und an einer Sekundarschule, einem Gymnasium, einer Berufsschule, einer Hochschule oder einer Universität tätig sind.

Es handle sich um eine Marketing-Aktion, wie sie die SBB regelmässig für unterschiedliche Kundengruppen durchführten, schreibt SBB-Sprecher Raffael Hirt – und fügt an: «Wir reagieren damit aber auch ein wenig auf die aktuelle Lage bei den Schulreisen.» Von Januar bis April registrierten die SBB in etwa gleich viele Buchungen durch Schulklassen wie im Vorjahr, im Mai lagen die Zahlen hingegen tiefer. Die SBB führen dies unter anderem auf das schlechte Wetter zurück.

Oberster Lehrer interveniert bei SBB-Chef

Die Aktion der SBB dürfte indes noch einen anderen Hintergrund haben: Der Lehrerverband LCH macht Druck auf die SBB, die Preise für Schulklassen zu senken. LCH-Präsident Beat W. Zemp hat SBB-Chef Andreas Meyer deswegen einen Brief geschrieben. «Die Preispolitik der SBB führt dazu, dass immer mehr Lehrer und Lehrerinnen auf Car-Betriebe ausweichen», sagt Zemp. «Das ist ein Problem.» Darauf habe er im Brief an die SBB hingewiesen.

Die Gutschein-Aktion begrüsst Zemp. Er spricht von einer «Goodwill-Kampagne». Seiner Ansicht nach braucht es aber mehr. «Bildung ist eine öffentliche Aufgabe wie das Militär», sagt er. Deshalb seien günstigere Tarife angebracht. Bereits Anfang Jahr kritisierte Zemp gegenüber dieser Zeitung, der Gruppenrabatt reiche nicht aus. Die SBB gewähren Gruppen ab zehn Personen einen Rabatt von 20 Prozent auf die Zugfahrt. Zudem reist jede zehnte Person gratis mit.

Das sei immer noch zu teuer, sagt der Lehrerpräsident, der Zug damit nicht konkurrenzfähig gegenüber dem Bus. «Es darf nicht sein, dass sich Schulklassen nur wegen des Preises gegen den ÖV entscheiden», sagt der Lehrerpräsident. «Es gibt Schülerinnen und Schüler, die privat nie den Zug nutzen. Es gehört daher dazu, dass man in der Schule auch einmal den öffentlichen Verkehr nutzt.»

Jugendliche steigen in Airolo aus dem Zug. (Bild: Keystone)

Jugendliche steigen in Airolo aus dem Zug. (Bild: Keystone)

Auslöser seiner Intervention bei den SBB seien Rückmeldungen gewesen, die er unter anderem von Lehrpersonen und Schulleitungen erhalten habe, sagt Zemp. Eine Rolle gespielt habe auch das Bundesgerichtsurteil von Ende 2017, das die Elternbeiträge für Lager, Schulreisen und Exkursionen begrenzte. An der Präsidentenkonferenz des LCH vergangenen November wurde schliesslich entschieden, dass Zemp bei den SBB intervenieren soll – auch im Namen anderer Verbände wie etwa der Westschweizer Lehrer-Gewerkschaft SER.

SBB prüfen neue Angebote

Die SBB bestätigen, es habe ein Briefwechsel stattgefunden. In ihrer Antwort hätten die SBB auf bestehende Angebote hingewiesen, etwa auf die «Go snow»-Schneesportinitiative für Wintersportlager.

Die SBB wollen den Schulen aber weiter entgegenkommen: «Wir prüfen momentan, wie wir das Angebot für Schulen noch weiter ausbauen können – insbesondere mit Anreizen für Reisen in schwach ausgelasteten Zügen», so Sprecher Hirt. Das Angebot solle ähnlich funktionieren wie Spartageskarten und -billette. «Diesbezüglich werden wir uns im Sommer nochmals beim Lehrerverband melden», verspricht Hirt.

Bei Zemp kam die Antwort gut an. Er sei bei den SBB auf Verständnis gestossen, sagt er: «Die SBB haben gut reagiert und das Problem anerkannt. Nun warten wir auf die Kommunikation der Massnahmen.» 

Kinder winken aus einem Zug. (Bild: Keystone)

Kinder winken aus einem Zug. (Bild: Keystone)