St.Gallen

Nach Geiselhaft: Lorenzo Vinciguerras schwieriger Weg zurück ins Leben

Lorenzo Vinciguerra war drei Jahre in den Händen der Terrorgruppe Abu Sayyaf, kurz vor Weihnachten gelang ihm die Flucht. Jetzt arbeitet er wieder als Tierpräparator und freut sich am Familienleben. Ein Augenschein an seinem Arbeitsplatz.

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Drei Monate nach seiner Flucht aus der Geiselhaft der Terrorgruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen ist Lorenzo Vinciguerra im Alltag angekommen.

Sichtlich gezeichnet, abgemagert und mit einer zehn Zentimeter langen Narbe auf der linken Gesichtshälfte erzählte der 49-jährige Ostschweizer am Donnerstag, wie es ihm seit seiner Rückkehr ergangen ist.

Qualvolle drei Jahre lang harrte Lorenzo Vinciguerra aus, dann befreite er sich kurz vor Weihnachten 2014 aus den Fängen der Terroristen: Der Schweizer Vogelkundler tötete seine Bewacher mit einem Buschmesser und floh aus dem Dschungelversteck auf den Philippinen.

Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
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Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
Lorenzo V. vor seiner Entführung im Februar 2012
Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.
Nach zwei Jahren in Gefangenschaft entkam Lorenzo V. den Abu Sayyaf Rebellen

Lorenzo V. tötete seinen Bewacher mit einer Machete und entkam so den Abu Sayyaf-Rebellen.

Keystone

Seit Mitte Januar arbeitet das ehemalige Entführungsopfer wieder als Tierpräparator bei seinem Arbeitgeber, dem Naturmuseum St.Gallen. Der Weg zurück in die Normalität ist kein einfacher. Dabei ist seine Familie der wichtigste Halt für Vinciguerra. Er freut sich an den kleinen Dingen: «Wenn ich am Abend meine Kinder ins Bett bringe und ihnen eine Geschichte vorlese, bin ich so froh, dass ich das wieder machen kann, dass ich alles Negative vergesse», sagt er an der Medienkonferenz am Donnerstag in St.Gallen.

«So froh, dass das Museum die Stelle frei gehalten hat»

Die Arbeit hat er während seiner Gefangenschaft auf den Philippinen regelrecht vermisst. «Der Beruf ist ein wichtiger Teil meines Lebens, deshalb wollte ich so schnell wie möglich wieder in die Arbeitswelt einsteigen», sagt er. «Ich bin so froh, dass das Museum die Stelle für mich freigehalten hat und konnte es kaum erwarten.» Arbeit und Familie sind für Vinciguerra die beste Therapie zur Trauma-Bewältigung. Externe psychologische Hilfe habe deshalb bisher nicht in Anspruch genommen.

Lorenzo Vinciguerra war mit einem Kollegen Anfang Februar 2012 in die abgelegene philippinische Provinz Tawi-Tawi gereist, um seltene Vögel zu fotografieren. Dabei wurden die beiden von Bewaffneten entführt und später den Abu-Sayyaf-Rebellen übergeben. Vinciguerra arbeitete vor seiner Gefangenschaft unter anderem für das Naturama in Aarau.