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Nach den Kühen, nun die Ziegen: Motion fordert Enthornungsverbot – Züchterverband ist dagegen

Was die Hornkuh-Initiative für Kühe nicht forderte, verlangt nun eine Motion bei Ziegen: ein Enthornungsverbot. Der Schweizerische Züchterverband hält aber nicht viel davon.
Peter Jaeggi
Die Hörner schützen die Tiere vor allem bei Rangkämpfen. (Bild: Urs Bucher)

Die Hörner schützen die Tiere vor allem bei Rangkämpfen. (Bild: Urs Bucher)

«Für mich ist es eine Frage der Würde eines Lebewesens, aber auch eine Frage des Anstandes.» Mit diesen Worten begründet die Grünen-Nationalrätin Irène Kälin ihre Motion für ein Enthornungsverbot von Ziegen.

Die 31-jährige Aargauerin fordert darin den Bundesrat auf, die entsprechende Verordnung des Tierschutzgesetzes zu ändern. Diese erlaubt heute ein Enthornen ausdrücklich. Die Anwältinnen der «Stiftung Tier im Recht» sehen im Ausbrennen der Hornansätze «eine krasse Verletzung der Grundsätze des Tierschutzgesetzes».

Kein harter Schädel

Ähnlich der Debatte zur Hornkuh-Initiative führen Tierhalter die verminderte Unfallgefahr ins Feld, wenn sie das Enthornen verteidigen. Kälin entgegnet, es sei wissenschaftlich belegt, dass eine solche bei Ziegen wesentlich kleiner ist. «Es gibt eher Unfälle mit enthornten Ziegen.» Als Beispiel nennt sie Rangkämpfe: Ziegen stellen sich auf die Hinterbeine, lassen sich nach vorne fallen und prallen mit den Köpfen aufeinander. Die Hörner fangen den Aufprall ab. Gemäss dem Institut für Tierhaltung und Tierschutz an der veterinärmedizinischen Universität Wien steigt die Verletzungsgefahr ohne Hörner. «Die Köpfe sind nicht dazu gemacht, häufig aufeinanderzuprallen», erklärt Susanne Waiblinger. Bei Kitzen sei der Eingriff noch viel belastender als bei Kälbern. Ziegenschädel seien dünn. Beim Ausbrennen mit dem 600 Grad heissen Thermokauter komme man deshalb schnell auf den Knochen bis ins Gehirn. Das könne tödlich enden. Der Schweizer Tierschutz STS fordert deshalb seit Jahren ein Ziegen-Enthornungsverbot.

Wenn sie einen vorgeschriebenen Kurs besucht haben, dürfen Ziegenhaltende heute selber enthornen. Ein Team der Uni Bern hat 2018 die Enthornungspraxis untersucht. Das Resultat fiel für Tierschützer erschreckend aus. Beinahe zwei Drittel der Tiere waren nicht angemessen betäubt, ein Grossteil zeigte Schmerzreaktionen.

Doch Halter können auf ein Enthornen verzichten: Wie Kühe werden Ziegen vermehrt hornlos gezüchtet. Laut Forschern kann dies aber problematische Folgen haben. «Bei Ziegen hängt Hornlosigkeit oft zusammen mit Unfruchtbarkeit. Hornlos wird der Ziegennachwuchs, wenn er die Hornlos-Gene von Vater und Mutter bekommt», sagt Anet Spengler-Neff, Nutztierwissenschafterin am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick. Die späteren männlichen Nachkommen seien dann meist unfruchtbar, die weiblichen fast immer Zwitter. Die natürliche Genetik der Ziegen verlange also geradezu Hörner, weil die Tiere sonst nicht mehr fortpflanzungsfähig sind. «Man muss in hornlose Herden immer wieder Behornte einkreuzen, sonst werden sie steril», so Spengler-Neff.

Der Schweizerische Ziegenzuchtverband (SZZV) mag sich trotz diesen Argumenten nicht für ein Verbot einsetzen. Der Verbandspräsident, der Bündner Stefan Geissmann, meint: «Die Sache ist komplex und man kann sie nicht in wenigen Worten erklären.» Im Gespräch wird aber klar, dass dem SZZV ein Verbot nicht gefallen würde. «Der SZZV überlässt es den Haltern, ob sie behornte Ziegen halten wollen oder nicht», sagt Geissmann. Er verspricht der von der Uni Bern aufgedeckten Mängel bei der Enthornung: «Ganz klar, es muss besser werden.»

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