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Airbnb den Riegel schieben: Nach 60 Tagen ist Schluss

In touristisch geprägten Städten geht die Angst um, dass sich Einheimische ihre Wohnung bald nicht mehr leisten können. Nun gehen Bern und Genf gegen Airbnb vor. Luzern und Zürich könnten folgen.
Roger Braun
Immer mehr Städte regulieren das Geschäft mit Liegenschaftsvermietungen über die Plattform Airbnb. Bild: Jens Kalaene/DPA

Immer mehr Städte regulieren das Geschäft mit Liegenschaftsvermietungen über die Plattform Airbnb. Bild: Jens Kalaene/DPA

Es geht um Wohnhäuser wie jenes an der Rathausgasse 57. Idyllisch in der Berner Altstadt gelegen, bietet das vierstöckige Sandsteingebäude Platz für zehn Wohnungen. Wer dort wohnt, weiss niemand. Statt Namensschildern ist am Eingang ein Bildschirm angebracht, mit dem man die Wohnungen ansteuern kann. Die Mieter heissen 10, 11 oder 12. Es sind befristete Wohnungen für eine betuchte Kundschaft. Pro Monat kosten die 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen 1750 bis 4500 Franken.

«Die Business Apartments vermieten wir geschmackvoll und komplett möbliert», bewirbt eine Luzerner Firma die Räumlichkeiten, ähnlich wie sie dies in fünf weiteren Städten tut. Das Angebot richtet sich an internationale Kundschaft, die für geschäftliche Zwecke einige Wochen in Bern verbringt und dann wieder in die Ferne entschwindet.

Genf geht gegen kommerzielle Anbieter vor

Es sind Angebote wie diese, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Die Berner Stadtregierung hat kürzlich angekündigt, dass die Mieter in der Berner Altstadt ihre Zweitwohnungen nicht mehr temporär vermieten dürfen, um die Mietpreise nicht anzuheizen. Betroffen wäre auch Airbnb. Auf der Plattform des Webgiganten können Mieter ihre Zimmer unkompliziert an Reisende untervermieten. Handelt es sich um eine Zweitwohnung, wird dies künftig in der Altstadt nicht mehr möglich sein.

Zum ersten Mal unternehme eine Stadt etwas, um gegen die Verdrängung einheimischer Mieter vorzugehen, hiess es im Anschluss in vielen Deutschschweizer Medien. Was sie dabei übersahen: Genf ist bereits viel weiter. Während in Bern Parlament und Volk die Vorlage noch zu beurteilen haben, hat der Kanton Genf bereits gehandelt. Seit April dürfen Mieter ihre Wohnung noch während maximal 60 Tagen pro Jahr über Plattformen wie Airbnb untervermieten. Überschreitet jemand diese Limite, gehen die Behörden davon aus, dass es sich um ein kommerzielles Angebot handelt, und verbieten die Vermietung. In Zeiten der Wohnungsnot gehe es nicht an, dass kommerzielle Anbieter mit der temporären Vermietung Geld verdienten, sagt der zuständige Regierungsrat Antonio Hodgers.

Wie in Bern ist auch in Genf die Kontrolle der grosse Haken. Während die Berner Stadtregierung freimütig zugibt, dass das Verbot vor allem «präventiven Charakter» habe und nicht lückenlos durchgesetzt werden könne, setzt Genf auf die Kooperation mit Airbnb. Ziel ist es, dieselbe Lösung zu finden wie in Amsterdam. Dort sperrt Airbnb ein Angebot für den Rest des Jahres, sobald die Wohnung während 60 Tagen vermietet wurde. Die Gespräche mit Airbnb laufen. Weitere Regionen der Schweiz liebäugeln mit Einschränkungen für Vermittlungsplattformen. Der Zürcher Mieterverband hat kürzlich eine Studie erstellen lassen, um das Ausmass des Problems zu erfassen. «Die Resultate zeigen, dass die Verdrängung einheimischer Mieter nicht nur in Barcelona, Mallorca oder Paris eine Realität ist, sondern zunehmend auch in der Schweiz», sagt Mediensprecher Walter Angst. Demnach breiten sich die kommerziellen Anbieter hierzulande rasch aus.

Rund 15 Prozent der Vermieter bieten auf Airbnb mehr als ein Objekt an und machen inzwischen ein Drittel des Angebots aus. Mehrheitlich handelt es sich dabei nicht um einzelne Zimmer, sondern um ganze Wohnungen. «Das romantische Bild eines Studenten, der während seiner Ferien seine Wohnung untervermietet, ist in vielen Fällen offensichtlich falsch», sagt Angst. Vor allem in den Trendquartieren in der Innenstadt sieht er Handlungsbedarf. «Hier sind die Renditemöglichkeiten über die temporäre Vermietung so hoch, dass sich die ansässige Bevölkerung die Miete bald nicht mehr leisten kann.» Angst erwähnt das Beispiel eines Wohnhauses, wo einst Familien wohnten, bis es umgebaut wurde. «Daraus sind nun Business Apartments geworden, die für wahnwitzige Preise temporär vermietet werden.» Auf Druck des Parlaments wird die Stadtregierung in den nächsten Wochen mögliche Gegenmassnahmen aufzeigen müssen.

Auf Kooperation von Airbnb angewiesen

Auch der Kanton Luzern arbeitet an einer Auslegeordnung zur möglichen Verdrängung einheimischer Mieter. SP-Kantonsrat David Roth hatte gefordert, dass Wohnungen künftig nur noch während maximal dreier Monate pro Jahr untervermietet werden dürfen. Unterschrieben haben den Vorstoss auch bürgerliche Vertreter, die der Tourismusindustrie nahestehen. «Für eine Touristenstadt wie Luzern ist der Rückhalt der Bevölkerung für den Reiseverkehr eminent wichtig», sagt Roth. «Doch wenn immer mehr Einheimische die Innenstadt verlassen müssen, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können, bröckelt dieser Rückhalt.» Roths Pläne richten sich weniger gegen Gelegenheitsvermieter, sondern gegen kommerzielle Anbieter. «Tun wir jetzt nichts, wird die Forderung nach einem Totalverbot kommen, das will ich verhindern», sagt der ehemalige Juso-Präsident.

Airbnb signalisiert Gesprächsbereitschaft. «Airbnb unterstützt Regelungen, die zwischen Home-Sharing und unerwünschten Beherbergungsformen differenzieren, und arbeitet hierzu mit den Städten zusammen», sagt Sprecherin Isabelle Klot. Ob dies die Regelung in Genf tut, bezweifelt Airbnb allerdings. «Leider berücksichtigt die aktuelle 60-Tage-Grenze nicht, dass Genferinnen und Genfer ihre selbst bewohnte Wohnung auch 61 Tage oder mehr an Gäste vermieten wollen, zum Beispiel wenn sie im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind», so Klot.

Keinen Handlungsbedarf sieht der Bundesrat. In seinem Digitalisierungsbericht 2017 bekundete er den Willen, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zu vertrauen: Steige die Nachfrage in einem Quartier, nehme langfristig auch das Angebot zu, schreibt er. Es gebe deshalb «keinen regulatorischen Bedarf».

Kurtaxen: Steuerkonflikt entspannt sich

Die Popularität von Airbnb weckt nicht nur Verdrängungsängste der Bevölkerung, sondern hat auch hiesige Hoteliers aufgeschreckt. Sie fühlen sich benachteiligt, weil nur wenige Airbnb-Gastgeber die fällige Kurtaxe abliefern. Doch während die Verdrängungsdebatte noch am Anfang steht, finden die Kantone in der Steuerfrage zunehmend einvernehmliche Lösungen. In den Kantonen Zug, Baselland und Zürich zieht Airbnb die Kurtaxe von einigen Franken pro Übernachtung zentral ein und übergibt sie den zuständigen kantonalen Stellen. Weitere Gespräche laufen in Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Luzern, Tessin und Wallis. Eine Herausforderung ist der Föderalismus, da vielerorts Gemeinden über die Höhe der Taxe entscheiden. (rob)

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