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Geld, weil die Kuh ihre Hörner behalten durfte? Ein Pro & Contra

Sollen Landwirte, die ihre Tiere nicht enthornen, künftig finanziell unterstützt werden? Die St. Galler SP-Nationalrätin Claudia Friedl und der St. Galler CVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter sind sich bei dieser Frage uneins.

Pro

Claudia Friedl, Nationalrätin SP/SG

Claudia Friedl, Nationalrätin SP/SG

Die Kuh mit ihren eigenwilligen Hörnern ist die Werbeträgerin Nummer 1 für die Schweiz. Nur, die meisten Kühe hierzulande haben gar keine Hörner mehr. Rund 200'000 Kälbern werden jedes Jahr in den ersten Lebenswochen die Hornansätze mit glühenden Eisen ausgebrannt, damit die Hörner gar nie zu wachsen beginnen. Dass die Tiere darunter leiden, ist wohl klar, 40 Prozent erwiesenermassen noch nach drei Monaten. Die Hörner müssen weg, damit das Tier einfacher zu halten ist. Dabei geht vergessen, dass es sich bei den Hörnern nicht einfach um totes Material handelt wie etwa beim Geweih der Hirsche. Das Innere des Horns ist durchblutet und mit Nervenfasern durchzogen. Das Horn reagiert empfindlich auf Berührungen und dient als Wärmeregulator. Landwirte mit behornten Tieren wissen das. An der Temperatur des Horns lässt sich der Gesundheitszustand der Kuh erkennen. Besonders wichtig sind die Hörner für das Sozialverhalten, die Kommunikation und die Rangordnung der Tiere. Eine neue Studie von Agroscope belegt, dass es in Herden mit behornten Kühen weniger Verletzungen gibt, weil bereits ein Zeichen mit den Hörnern genügt, um zu zeigen, wer die Chefin ist.

Das gilt auch für Tiere in Freilaufställen. Über die Anzahl Unfälle mit Menschen gibt es keine Statistik. Aber unbestritten braucht es einen aufmerksamen Umgang mit den Tieren. Behornte Tiere bereiten mehr Aufwand und brauchen mehr Platz. Die Initiative will, dass dies abgegolten wird. Sie setzt auf Freiwilligkeit und will ein Anreizsystem schaffen, damit Halter von behornten Kühen und Ziegen für den Mehraufwand entschädigt werden. Es ist mit 20 Millionen Franken jährlich zu rechnen, die im Landwirtschaftsbudget umverteilt würden. Oft wird die Frage gestellt, ob ein solches Anliegen denn in die Verfassung gehöre. Ich finde Ja. Wenn nach jahrelangen Bemühungen weder die Verwaltung noch der Bundesrat noch das Parlament bereit sind, den Mehraufwand für die Respektierung der Unversehrtheit des Tiers abzugelten, dann muss dies eben über die Bevölkerung in die Verfassung. Deshalb ein Ja für die Tierwürde.

Contra

Markus Ritter, Nationalrat CVP/SG, Präsident Bauernverband

Markus Ritter, Nationalrat CVP/SG, Präsident Bauernverband

Am 25. November stimmen wir über die sogenannte Hornkuh-Initiative ab. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Kühe und Ziegen Hörner haben sollen, sondern nur darum, ob für diese Tiere ein Bundesbeitrag ausbezahlt werden soll. Nun steht aber bereits heute in der Bundesverfassung in Artikel 104 Absatz 3 Bst. b genau jene Bestimmung, die einen solchen Beitrag ermöglichen würde. Das Parlament hat aber im Jahre 2013 bei der letzten Agrarreform entschieden, keinen Hörnerbeitrag auszurichten. Es bestand die Meinung, dass für die Produkte von behornten Tieren, wie Milch und Fleisch, auch ein Mehrwert am Markt erzielt werden kann.

Der Urnäscher Hornkuhkäse ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie solch emotionale Werte erfolgreich am Markt platziert werden können und dabei eine gute Wertschöpfung erzielen. Dieser Käse gewann im Jahr 2016 gar den Vizeweltmeistertitel. Sollte das Parlament in Bern zur Überzeugung kommen, dass es ergänzend einen zu­sätzlichen Direktzahlungsbeitrag für behornte Kühe und Ziegen braucht, wäre dazu im Rahmen der nächsten Agrarreform die Gelegenheit. Die Beratung dazu erfolgt in den Jahren 2020 und 2021 im Parlament. Dazu braucht es aber keinen neuen Verfassungsartikel.

Es ist das gute Recht des Ini­tianten, diese Volksinitiative zur Abstimmung zu bringen. Wir sollten aber die Bundes­ver­fassung als oberste recht­liche und politische Grundlage unseres Landes nicht mit Artikeln anreichern, die bestenfalls auf Gesetzes- und Verordnungsstufe zu regeln sind. Ob Kühe Hörner tragen sollen oder nicht, ist schlussendlich auch ein unterneh­merischer Entscheid des Bauern und hängt stark von seinem Aufstallungssystem ab. Dabei ist die höhere Unfallgefahr mit behornten Tieren eine Tatsache und daher ein wichtiges Kriterium für den Entscheid. Daran würde auch der Verfassungsartikel nichts ändern.

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