Moslems demonstrieren auch in Bern

Konservative Moslems verurteilen das Mohammed-kritische Video aus den USA. Sie machen ihrem Ärger heute an einer bewilligten Kundgebung in Bern Luft. Nicht alle haben dafür Verständnis – auch nicht alle Moslems in der Schweiz.

Eveline Rutz
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BERN. Ein provozierender Film über das Leben des Propheten Mohammed sorgt nicht nur in der arabischen Welt für heftige Reaktionen. Auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) ärgert sich darüber. Heute führt er daher auf dem Berner Helvetiaplatz eine Kundgebung durch.

«Wir wehren uns dagegen, dass der Islam auf eine derart primitive Weise verunglimpft wird», sagt Nora Illi, Frauenbeauftragte des IZRS. Ihre Forderungen gingen jedoch über den aktuellen Anlass hinaus. Immer wieder würden Moslems provoziert, sagt Illi und erwähnt den Karikaturenstreit von 2005. Zum Schutz religiöser Gefühle brauche es daher Normen, die etwa mit dem Anti-Rassismus-Gesetz vergleichbar seien. Der Islamische Zentralrat, in dem Konvertiten eine zentrale Rolle spielen, ist bekannt für seine radikalen Positionen.

Grosse Verbände dagegen

Die Islamischen Nationalverbände FIDS (Föderation Islamischer Nationalverbände der Schweiz) und KIOS (Koordination Islamischer Organisationen Schweiz) distanzieren sich von der geplanten Demonstration. Diese setze ein missverständliches Zeichen, finden sie. Die Moslems in der Schweiz lebten in einer pluralistischen Gesellschaft und respektierten deren Gepflogenheiten.

Der IZRS wollte ursprünglich am Bundeshaus sowie der US-Botschaft vorbeiziehen. Weil die Gewerkschaft Unia zeitgleich auf dem Bundesplatz demonstriert, erhielt er allerdings bloss eine Bewilligung für den abgelegeneren Helvetiaplatz. Eine gewisse Distanz zur Botschaft sei sicher nicht schlecht, liess der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) in den Medien verlauten. Nora Illi bezeichnet den Entscheid aufgrund der Unia-Kundgebung als nachvollziehbar und betont, dass der Protest friedlich ablaufen soll. Dass die Demonstration nicht in der Innenstadt stattfinde, sei ein Vorteil, sagt die Berner SVP-Nationalrätin und Polizistin Andrea Geissbühler. Die Polizei könne die Situation so leichter im Auge behalten. Ob es zu Störaktionen kommen werde, sei schwierig abzuschätzen.

«Aufschrei ist übertrieben»

«Die Gefahr von Ausschreitungen ist da», sagt Lukas Reimann, SVP-Nationalrat (SG) und Auns- Vorstandsmitglied. Angesichts der Gewalt in verschiedenen moslemischen Staaten könne man zu keinem anderen Schluss kommen. Für die Macher des Videos hat er «null Verständnis», den Aufschrei der Schweizer Moslems hält er jedoch für übertrieben: «Wenn alle Religionen so reagieren würden, gäbe es dauernd Kriege.» Weniger tolerant gibt sich das Egerkinger-Komitee um die SVP-Politiker Walter Wobmann und Ulrich Schlüer, welches vor drei Jahren für ein Minarett-Verbot gekämpft hatte: «Einen in Übersee durch irgendeinen Idioten produzierten Film als Anlass zu einer Islam-Manifestation zu nehmen, ist nichts anderes als eine rein machtpolitisch motivierte Provokation an die Adresse der Schweiz.»