MOSLEM-DEKRET: Forscherin verklagt Trump

Die Iranerin Samira Asgari darf nicht in die USA einreisen. Die ETH-Bioinformatikerin geht nun gerichtlich gegen den amerikanischen Präsidenten vor.

Richard Clavadetscher
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Forscherin Samira Asgari: Ihr wurde die Einreise in die USA verweigert. (Bild: Youtube)

Forscherin Samira Asgari: Ihr wurde die Einreise in die USA verweigert. (Bild: Youtube)

Richard Clavadetscher

Nicht jede Klage, die beim «United States District Court For The District Of Massachusetts» eingereicht wird, macht gleich ­weltweit Schlagzeilen. Diese aber schon: Am 1. Februar hat «Dr. ­Samira Asgari» bei diesem Gericht Klage eingereicht gegen «Donald Trump, President of the United States, John Kelly, Secretary of the Department of Homeland Security» sowie zwei weitere Herren, die für den Grenzschutz zuständig sind.

Die Klägerin macht in der 38AABB22Seiten umfassenden Klageschrift im Wesentlichen geltend, ihr werde trotz gültigem Visum die Einreise in die USA verwehrt. Indem ihr aber die Möglichkeit genommen werde, in Boston dieAABB22USA zu betreten, würden die ­Beklagten ihr «unwiderrufliche Schäden» zufügen.

Bei der Klägerin Samira Asgari handelt es sich um eine 30-jährige Iranerin, die an der ETH Lausanne forscht. Hintergrund der verweigerten Einreise ist das Trump-Dekret, das Bürgerinnen und Bürgern von Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, Sudan und Jemen die Einreise in die USA verbietet. Am 28. Januar wurde die Wissenschafterin deshalb am Flughafen Frankfurt an der Weiterreise nach Boston gehindert, nachdem sie den Flug von Genf nach Frankfurt problemlos hatte absolvieren können. Asgari versuchte es am Dienstag erneut – diesmal ab Zürich. Die amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde erlaubte jedoch Flug und Einreise erneut nicht, und dies, obwohl gerichtliche Entscheide den präsidialen Erlass inzwischen auf­geweicht haben.

Samira Asgari will nicht zum Vergnügen in die USA. Trotz ihres jungen Alters besitzt die Bioinformatikerin, die sich auf seltene Krankheiten spezialisiert hat, ­bereits einen beeindruckenden wissenschaftlichen Leistungsausweis – inklusive renommierte Auszeichnungen und Preise für ihre Arbeit. Nach dem Bachelor und dem Master in Biotechno­logie an der Universität Teheran wechselte die junge Frau 2011 für ihre Doktorarbeit an die ETH Lausanne. Sie dissertierte im letzten Jahr.

Hoffen auf schnelle und faire Lösung

Ihr wissenschaftlicher Leistungsausweis ist der Grund, weshalb Asgari nun an der berühmten ­Medical School der Harvard-Universität forschen darf – eigentlich. Doch die verweigerte Einreise verunmöglicht dies bis anhin. Die Klage soll dies nun ändern.

Die Wissenschafterin hat die Hoffnung noch nicht verloren, dass sich die für sie schwierige ­Situation zum Guten wendet, wie sie der Uni-Zeitung «The Harvard Crimson» sagte: «Ich hoffe, dass sich schon bald eine faire und menschliche Lösung ergibt.» Wie Asgari zudem in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte, will man sich auch in Harvard für die begabte Wissenschafterin einsetzen. Man habe sie sofort angerufen und ihr versichert, man werde sich für sie engagieren. Bis es allenfalls so weit ist, wohnen Asgari und ihr Freund, der seinen Job gekündigt hat und sie in die USA begleiten will, in Lausanne bei Freunden, denn ihre Wohnung haben sie wegen des geplanten Umzugs in die USA aufgegeben. Emotional lässt Asgari das bisher Erlebte alles andere als kalt: Der Journalistin von «Harvard Crimson» vertraute sie an, dass sie die auf dem Flughafen Frankfurt erlebte Situation, als sie aus der Warteschlange herausgenommen und ihr das Einreiseverbot eröffnet wurde, Tag für Tag bis in den Schlaf hinein verfolge.