Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Moritz Leuenberger verrät, warum er das Bundesratslexikon nicht einstampfen liess

Der Streit um den mit Fehlern versehenen Beitrag zum ehemaligen Verkehrsminister Moritz Leuenberger im neuen Bundesratslexikon ist beigelegt. Der Verlag NZZ Libro, Herausgeber Urs Altermatt und Autor Felix E. Müller haben sich geeinigt. Das Buch ist ab Mittwoch wieder lieferbar.
Henry Habegger
Hat sich im Streit ums Bundesratslexikon durchgesetzt: Moritz Leuenberger, ehemaliger Bundesrat, hier in einem Archivbild aus dem Jahr 2005. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Hat sich im Streit ums Bundesratslexikon durchgesetzt: Moritz Leuenberger, ehemaliger Bundesrat, hier in einem Archivbild aus dem Jahr 2005. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Moritz Leuenberger, ehemaliger Verkehrsminister, ist erleichtert. «Die Sache ist rechtlich erledigt», sagt er.

«Die Sache», das ist der zähe Streit um das neue Bundesratslexikon und den Beitrag darin, den der Journalist Felix E. Müller über Leuenberger verfasst hatte. «Kreuzfalsch», so sagte der ehemalige Bundesrat Leuenberger im Juni gegenüber CH Media, sei einiges in diesem mehrseitigen Artikel. Müller, ehemals Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» und seit jeher kein Freund des SP-Politikers, habe auch gar nie mit ihm gesprochen, als er den biografischen Artikel verfasste.

Leuenberger intervenierte beim Verlag und beim Herausgeber und Erfinder des Buches, dem emeritierten Freiburger Professor Urs Altermatt. Mit Autor Müller, der sich auf Kreuzfahrt im Nordatlantik befand, hatte Leuenberger lange keinen Kontakt, er galt als unerreichbar. Dem «Tages-Anzeiger» aber sagte Müller von hoher See aus: «Vom Nordatlantik aus betrachtet, sieht die Welt anders aus.» Er wolle zuerst eine sorgfältige Analyse vornehmen, bevor er sich äussere.

Gegenüber CH Media gab Leuenberger zurück: «Wenn Herr Müller vom Nordatlantik die Welt nun anders sieht, wäre er besser schon früher dorthin gegangen – er hätte auch bleiben dürfen. Dann wäre mir der ganze Mais erspart geblieben.»

Der Streit drohte zu eskalieren, und der Vertrieb des Buches wurde zwischenzeitlich gestoppt. Der gelernte Anwalt aus Zürich, der von 1995 bis 2010 als Bundesrat wirkte, überlegte sich gar, das Buch per Gerichtsbeschluss einstampfen zu lassen.

Die Fehler, die korrigiert worden sind

Es folgten zähe Verhandlungen, und jetzt vermeldet der ehemalige Bundesrat den Durchbruch. «Vier falsche Textpassagen werden nun berichtigt», hält er fest.

Berichtigt werde, führt Leuenberger aus, …

  • … dass es nie einen Entzug des Dossiers Verhandlungen mit Deutschland über das Anflugverfahren nach Zürich gab. Im Buch stand, der Bundesrat habe Leuenberger das Dossier Flughafen Zürich entzogen.
  • … dass kein Gesetz erlassen wurde, das einem Mitglied des Bundesrates die Wahl in einen Verwaltungsrat verbietet. Im Buch stand, dass es wegen Leuenberger ein Gesetz gebe, das eine Karenzfrist für Übernahme von Mandaten vorschreibe. Aber so weit kam es nie. Tatsächlich gab es rote Köpfe, als Leuenberger kurz nach seinem Rücktritt Verwaltungsrat beim Bauriesen Implenia wurde. Eine «Lex Leuenberger», die ein zweijähriges Mandatsverbot für ehemalige Bundesräte vorsah, wurde auf den Weg gebracht. Aber sie scheiterte 2014 am Widerstand des Ständerats, der keine derartige Regelung wollte.
  • … eine Reihe von falschen Darstellungen der familiären Verhältnisse des ehemaligen Bundesrats.
  • … bei dieser Gelegenheit: Von Adolf Ogi habe er nicht das Departement UVEK, sondern das EVED übernommen. Also das Verkehrs- und Energiedepartement. Das UVEK gab es 1995 noch gar nicht, es entstand erst später durch Übernahme von Umwelt, Raumplanung und Strassenverkehr.

Diese Berichtigungen werde, wie Leuenberger vermeldet, «auf einem Einlageblatt in der bereits gedruckten Ausgabe festgehalten, und es werden alle Bibliotheken und kantonalen Staatskanzleien mit diesem Einlageblatt bedient.»

Damit sei die Sache für ihn erledigt, sagt der langjährige Bundesrat, der heute als Moderator und Kabarettist im Zürcher Bernhard Theater aktiv ist.

Der Umweltschützer ...

Dass er schlussendlich nicht auf dem Einstampfen des Lexikons bestand, begründet der ehemalige Umweltminister trocken mit den Auswirkungen auf das Klima: «Dadurch wäre sehr viel CO2 freigesetzt worden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.