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MOBILITÄT: Das Veloentwicklungsland schaltet einen Gang höher

Nach dem Ständerat dürfte sich heute auch der Nationalrat für den bundesrätlichen Gegenvorschlag zur Velo-Initiative aussprechen. Das Wichtigste zur Initiative – und zum Veloland Schweiz.
Dominic Wirth

Was will die Velo-Initiative?

Das Velo soll in die Verfassung, das haben sich die Initianten von Pro Velo zum Ziel gesetzt. Schon heute steht dort, dass der Bund den Bau und die Erhaltung der Fuss- und Wanderwegnetze koordinieren und unterstützen kann. Im Artikel sollen nun auch noch die Velowege aufgeführt werden. Pro Velo verspricht sich davon in erster Linie einen Schub für das Velowegnetz – und davon wiederum eine steigende Zahl von Velofahrern. Das würde sich in ihren Augen etwa positiv auf die Umwelt und die Volksgesundheit auswirken.

Welche Chancen hat das Anliegen?

Der Bundesrat hat einen direkten Gegenvorschlag ausgearbeitet. Er stellt sich hinter das Ansinnen der Initianten, auch die Velowegnetze in der Verfassung zu verankern. Bei der Frage, inwieweit er die Massnahmen von Kantonen und Dritten beim Anlegen eines Velowegnetzes fördern soll, spricht er sich aber für eine abgeschwächte Variante aus. Er will keine Förderpflicht für den Bund, sondern bei der heutigen Kann-Formulierung bleiben. Der Ständerat hat sich deutlich für diese Variante ausgesprochen. Der Nationalrat dürfte sich heute anschliessen. Und es ist gut möglich, dass die Initianten ihre Volksinitiative danach zurückziehen. Laut SP-Nationalrat Matthias Aebischer, dem Präsidenten des Trägervereins der Velo-Initiative, will man das heutige Ergebnis und die Bestätigung in der Schlussabstimmung abwarten.

Wie halten es die Schweizer mit dem Velo, wie viele besitzen eines?

In rund zwei Dritteln der Schweizer Haushalte steht ein Velo zur Verfügung. Ins Auge sticht dabei der Unterschied zwischen der lateinischen und der Deutschschweiz. Während in Winterthur 75 Prozent der Haushalte über ein Velo oder ein E-Bike verfügen, sind die Luganesi Velomuffel: Dort besitzen nur 40 Prozent der Haushalte eines, in Lausanne sind es 49 Prozent, in Genf 59. Luzern kommt auf 67 und St. Gallen auf 68 Prozent.

Mindestens ein Velo in zwei Dritteln der Haushalte – sind wir ein Land der Velofahrer?

Nein. Das zeigt sich etwa daran, dass die Zahl der Haushalte mit Velos seit 2000 um sieben Prozent abgenommen hat. Von den rund 37 Kilometern, die ein Schweizer im Durchschnitt täglich zurücklegt, entfallen nur 0,8 auf das Velo. In den Städten variiert der Anteil des Verkehrsmittels Velo zwischen 4 (St. Gallen) und 17 (Basel) Prozent. Zum Vergleich: Die Vorreiter im dänischen Kopenhagen stehen bei 62 Prozent. Dazu kommt, dass das Velo bei den Jüngsten massiv an Bedeutung verloren hat. 1994 bewältigten die 15- bis 17-Jährigen noch 19 Prozent ihrer Wege per Velo. 2015 waren es nur noch 6 Prozent.

Woran liegt das?

Ein Grund könnten Sicherheitsbedenken sein. 2016 starb auf Schweizer Strassen jede zweite Woche ein Velofahrer, wobei die Zahlen in den letzten Jahren mehr oder weniger stabil blieben – genau wie jene der Schwerverletzten. Dagegen schlägt sich der E-Bike-Trend negativ in den Unfallstatistiken nieder. Die Zahl der Schwerverletzten ist markant angestiegen.

Der Bundesrat will den Lead beim Ausbau des Velowegnetzes weiterhin den Kantonen und Städten überlassen. Was tut sich heute?

Verschiedene Städte haben sich eine Velooffensive zumindest auf die Fahne geschrieben. Bern will den Veloanteil am Gesamtverkehr bis 2030 auf 20 Prozent verdoppeln, Zürich 120 Millionen Franken in den Ausbau der Veloinfrastruktur investieren. Verschiedene Städte, auch Luzern und St. Gallen, haben zudem Versuche mit Velostrassen gemacht, wie es sie in anderen Ländern schon lange gibt.

Dominic Wirth

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