Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mit Thomas Süssli wird ein Quereinsteiger neuer Armeechef

Bis vor vier Jahren war Thomas Süssli noch Milizoffizier. Ab Anfang 2020 steht er an der Spitze der Armee. Der neue Armeechef sei kompetent, müsse sich aber erst Akzeptanz verschaffen, so der Tenor.
Tobias Bär
Thomas Süssli am Mittwoch an der Medienkonferenz nach der Ernennung zum neuen Armeechef. (Bild: Keystone, Peter Klaunzer)

Thomas Süssli am Mittwoch an der Medienkonferenz nach der Ernennung zum neuen Armeechef. (Bild: Keystone, Peter Klaunzer)

Es war zuletzt oft die Rede vom Kulturwandel, den die Schweizer Armee nötig habe. Der Militärdienst müsse attraktiver werden – insbesondere für Frauen. Dass Verteidigungsministerin Viola Amherd durchaus bereit ist, neue Wege zu gehen, zeigt die Ernennung des neuen Armeechefs: Auf Amherds Vorschlag hin hat sich der Bundesrat am Mittwoch für Thomas Süssli entschieden.

Für einen Mann also, der bis vor vier Jahren noch Milizoffizier war. Hauptberuflich arbeitete Süssli bis dahin in der Finanzbranche, für Vontobel und die Credit Suisse. Seit Anfang 2018 ist der Deutschschweizer, der mit seiner Familie im Kanton Luzern wohnt, im Grad eines Divisionärs verantwortlich für die Führungsfähigkeit der Armee. Amherd bezeichnet Süssli als «dynamisch und vorwärtsgewandt».

Der 52-Jährige galt zwar als möglicher Nachfolger von Armeechef Philippe Rebord, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen per Ende Jahr abgibt. Ihm wurden aber nur Aussenseiterchancen eingeräumt. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) bezeichnete die Wahl in einer ersten Reaktion denn auch als gut, aber «unerwartet».

Gemäss Amherd setzte sich Süssli am Ende gegen drei Mitbewerber durch. Unter diesen befand sich mit Germaine Seewer auch eine Frau. Ebenfalls in der Endausmarchung sollen die beiden meistgenannten Favoriten gestanden haben: Divisionär Claude Meier und Divisionär Hans-Peter Walser.

Präsident der Offiziersgesellschaft: «Er muss sich erst Akzeptanz verschaffen»

Für die SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf ist es kein Nachteil, dass ab 2020 ein Quereinsteiger mit Erfahrungen aus der Privatwirtschaft der Armee vorsteht: «Das VBS ist durchzogen von alten Seilschaften. Da tut einer gut, der von aussen kommt.» Gemäss Seiler Graf muss der neue Armeechef nach den Spesenexzessen der Vergangenheit die Glaubwürdigkeit wiederherstellen und die internationale Zusammenarbeit stärken.

Für SOG-Präsident Stefan Holenstein hat der Umstand, dass Süssli ein relativer Neuling im Kreis der höheren Stabsoffiziere ist, sowohl Vor- wie auch Nachteile: «Einerseits kennt er die Bedürfnisse der Miliz und der Privatwirtschaft. Auf der anderen Seite muss er sich erst Akzeptanz verschaffen, das dürfte nicht einfach werden.»

Süssli zählte am Mittwoch die Grossprojekte auf, die auf ihn warten: Die Armeereform müsse erfolgreich abgeschlossen, der Schutz des Luftraums erneuert, die Bodentruppen modernisiert und die Cyber-Abwehr gestärkt werden. Mit der Cyber-Defence kennt sich der designierte Armeechef aus, fällt diese doch schon heute in seine Zuständigkeit.

Aufgabe von Süssli wird es auch sein, die Armeebestände zu sichern. In einem Bericht von Anfang Juni hielt der Bundesrat fest, dass der angestrebte Effektivbestand von 140 000 Armeeangehörigen ohne Korrekturmassnahmen unterschritten werde. Für SOG-Präsident Holenstein handelt es sich dabei um das «Problem Nummer eins für die Zukunft der Armee».

Als Massnahme gegen das Personalproblem schlägt die Offiziersgesellschaft unter anderem einen Ausbau der differenzierten Tauglichkeit vor – die Dienstpflichtigen sollen also vermehrt mit Einschränkungen in die Armee eingeteilt anstatt für dienstuntauglich erklärt werden.

Weiter fordert die Offiziersgesellschaft höhere Hürden für den Zivildienst. Eine Forderung, die vom Bundesrat aufgenommen wurde und über die sich in der Herbstsession der Ständerat beugt. Im Gegensatz zu Vorgänger Rebord fuhr Süssli bei seiner Antrittsmedienkonferenz keine Attacke gegen den Zivildienst. SP-Politikerin Seiler Graf schöpft daraus die Hoffnung, dass der Ersatzdienst nicht mehr so oft als «Sündenbock» herhalten muss.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.