Mit seinem Vorpreschen verärgert Pierre Alain Schnegg die Sportverbände. Wer ist der SVP-Regierungsrat?

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen hat sich der Berner Gesundheitsdirektor schnell nach oben gekämpft. Er sei gerne der alleinige Entscheidungsträger sagen andere über Pierre Alain Schnegg. Ein Portrait.

Klaus Zaugg
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Pierre Alain Schnegg, SVP-Regierungsrat.

Pierre Alain Schnegg, SVP-Regierungsrat.

Keystone

Sein Name reizt im Bernbiet zu Wortspielen. «Schnegg» steht in der Berner Mundart für «Schnecke». Was ganz und gar nicht zum Gesundheitsdirektor passt. Im Berner Regierungsapparat ist Pierre Alain Schnegg ein Turbo.

Schneggs Aufstieg zum Regierungsrat

Er stammt nicht aus einer der einflussreichen Berner Familien. Er ist ein Aufsteiger aus einfachsten Verhältnissen im ehemaligen Untertanengebiet Jura. Aufgewachsen in Bévilard, hoch über dem Vallée de Tavannnes, wo das Klima rau ist, lebt er heute in der Nachbargemeinde Champoz. Ein Jurassier also. Mit französischer Muttersprache, aber durchaus des Berndeutschen mächtig. Der Vater arbeitete in einer Maschinenfabrik. Die Mutter zog die drei Buben gross. Dann der rasche Aufstieg: KV-Lehre. Studium zum Informatikingenieur. Firmengründer. 2004 als «Entrepreneur of the Year» geadelt. 2014 verkauft er seine IT-Firma Solvaxis an Investoren, wendet sich im Alter von 52 Jahren der Politik zu und wird in den Grossen Rat gewählt. Zwei Jahre später sitzt er in der Regierung. Seine Gegner murren: ein SVP-Karrierist.

Entscheid für 1000er-Regel alleine gefällt

Dass er jetzt vorgeprescht ist und vor allen anderen Kantonen dem publikumswirksamen Profisport sozusagen den Stecker gezogen hat, entspricht seiner Art, Politik zu machen. Er sagte einmal, den Wechsel von der Chefetage einer Firma in die Gesundheits- und Fürsorgedirektion habe er als Kulturschock empfunden. Aber er hat sich schnell zurechtgefunden. Kein Wunder wird geklagt, wenn es nach Schnegg gehe, solle möglichst niemand mitreden, der anderer Meinung ist.

Er entscheidet gerne alleine: Pierre Alain Schnegg.

Er entscheidet gerne alleine: Pierre Alain Schnegg.

Keystone

Unvergessen sein Dreinfahren in der Sozialpolitik. Die Revision der Sozialhilfe hat sein Vorgänger in den Schubladen versenkt. Schnegg holt sie hervor und wagt den Tabubruch: Streichung des Grundbedarfs bei der Sozialhilfe im Bernbiet um zehn Prozent – das Parlament bewilligt ihm acht Prozent. Nun hat sich der Macher dem Sport zugewandt. Ab sofort dürfen keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauer stattfinden. Punkt. Den Entscheid konnte der Gesundheitsdirektor alleine fällen – er habe seine Regierungskollegen aber konsultiert.

Jovial, aber undurchschaubar

Wer ist der Mensch im Politiker, der den Bernern den Spass am Hockey und Fussball verdirbt? Die WOZ hat ihn einmal bitterbös so beschrieben:

«Er ist unscheinbar: klein gewachsen. Die Augen des Gegenübers fixiert er unnachgiebig, trotzig – und doch emotionslos.»

Einer, der mit ihm schon oft die Klingen gekreuzt hat, sagt es gnädiger: «Er ist sehr jovial, aber du kannst ihn nicht durchschauen. Du weisst nie, was er vorhat.» Pierre Alain Schnegg sagt von sich auf der Website der Berner Regierung: «Verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern widme ich den grössten Teil meiner Freizeit meiner Familie. Seit kurzem bin ich auch stolzer Grossvater. Ein feines Essen, ein Skitag, ein spannender Roman oder ein Streifzug in der Natur mit meiner Kamera helfen mir, mich zu erholen.»

Sport stört die Sonntagsruhe

Was er nicht sagt, aber seine Gegner noch so gerne erzählen: Er ist aktives Mitglied der Freikirche Gemeinde für Christus, bis 2009 als Evangelischer Brüderverein bekannt. Diese Glaubensgemeinschaft ist im Bernbiet politisch und wirtschaftlich erstaunlich gut vernetzt und beinahe eine heimliche Macht. Die Sonntagsruhe ist in diesen Kreisen heilig. Dass der Sport, der diese Sonntagsruhe oft zu stören pflegt, nun etwas kürzer treten muss, werden die Glaubensbrüder Pierre Alain Schnegg gewiss nicht übel nehmen.