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Mit ihm soll die SVP Zürich wieder siegen

Der Newcomer Patrick Walder soll die SVP Zürich aus der Krise führen. Wie er mit dem Rahmenabkommen mobilisieren will, zeigt die neue SVP-Strategie.
Doris Kleck
Der neue Parteipräsident Patrick Walder, rechts, begrüsst die Mitglieder der Delegiertenversammlung der SVP des Kantons Zürich. (Bild: Ennio Leanza, Zürich, 2. April 2019

Der neue Parteipräsident Patrick Walder, rechts, begrüsst die Mitglieder der Delegiertenversammlung der SVP des Kantons Zürich. (Bild: Ennio Leanza, Zürich, 2. April 2019

27 Jahre lang führte Christoph Blocher die Zürcher SVP. Von Zürich aus eroberte die gemächliche Bauernpartei das Land. Eine Krise in Zürich strahlt deshalb besonders stark ab. Und in einer Krise steckt die Zürcher SVP. Bei den kantonalen Wahlen verlor sie neun Sitze. Blocher selbst griff durch: Am Freitag gab die Zürcher Parteileitung ihren Rücktritt bekannt. Bereits drei Tage später war klar, wer die Partei in die nationalen Wahlen führen soll: Patrick Walder, 31-Jährig, Treuhänder, Gemeinderat in Dübendorf, Spitzname: «Pudi».

Eine Überraschung. Über das Wochenende kursierten andere Namen. Diejenigen von Blochers alten Weggefährten wie Autoimporteur Walter Frey, Alt-Nationalrat Hans Fehr oder Swisslife-Chef Rolf Dörig. Und nun setzt Blocher auf einen Newcomer für dieses «Himmelfahrtskommando» (NZZ). Als wollte er all jene Lügen strafen, die der Partei ein Nachwuchsproblem unterstellen.

Ein Chrampfer

Gestern Abend winkten die Delegierten die Wahl von Walder durch. In den Stunden zuvor erzählte er den Journalisten routiniert, wer er ist. Ein politisch Frühberufener: Mit 14 Jahren gründete er in Dübendorf den Jugendrat mit, aus Interesse für das Geschehen in seiner Gemeinde. So kam er zur Politik und entdeckte die Junge SVP, weil sie sich seiner Themen annahm, zum Beispiel der Ausländerfrage. In der Sekundarschule war der Ausländeranteil hoch, es sei zu «Konflikten auf dem Pausenplatz» gekommen, erzählt der neue Parteipräsident.

Mit 18 Jahren dann die Wahl ins Dübendorfer Gemeindeparlament. Man habe schnell gemerkt, dass man Walder «brauchen könne», sagt Orlando Wyss, Kantonsrat und langjähriger Präsident der Dübendorfer SVP. Walder sei ein «Chrampfer». Und dann folgt ein ganzer Schwall lobender Worte: ein guter Stratege und Kampagnenmacher, verantwortungsvoll, zielstrebig, fähig. «Eine logische Wahl», sagt Wyss. Innerhalb der Partei sei der 31-Jährige bekannt. Er war Präsident des Zürcher Komitees für die Zuwanderungsinitiative und Leiter der Ständeratskampagne von Hans-Ueli Vogt 2015. Die Wahl in den Kantonsrat verpasste er nur knapp. Und was kann man von ihm erwarten? «Wir von der SVP Dübendorf sind dafür bekannt, dass wir die Parteilinie fadengerade durchziehen», sagt Wyss.

Wie Martullo

Walder selbst wiegelt ab, spricht von einem «spannenden Projekt». 202 Tage verbbleiben ihm, um die SVP Zürich wieder auf die Siegerstrasse zuführen. Jetzt müsse man erst einmal analysieren und eine Strategie festlegen. Die Themen aber würden die gleichen bleiben – Europa und niedrige Steuern und Gebühren. Das erstaunt. Der abtretende Parteipräsident Konrad Langhart hatte nach der Wahlschlappe die Themen der SVP «zu verkopft» genannt. Er meinte damit das Rahmenabkommen. «Wir stossen auf ein gewisses Desinteresse bei unserer Basis.»

Anders gesagt: Die SVP-Themen ziehen nicht. Walder will deshalb die Kommunikation ändern. Einfacher und verständlicher soll sie werden. «Wir müssen erklären, was das Rahmenabkommen für die Landwirte, die Arbeitnehmer oder auch die Mehrwertsteuer heisst.» Walder tönt in diesem Moment wie Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher. Sie hielt am Samstag an der Delegiertenversammlung der SVP ein Referat. Der Titel: «Die Folgen für den Alltag der Bürger aus einem Rahmenabkommen.» Das dürfte kein Zufall sein. Die SVP redet im Zusammenhang mit dem Rahmenabkommen nicht mehr über fremde Richter, sondern lieber über staatliche Beihilfen. Der mögliche Wegfall von Subventionen tangiert den Bürger mehr als juristische Haarspalterei.

Schon einmal setzte Christoph Blocher auf die Jugend. Mit 33 Jahren machte er Toni Brunner zum Präsidenten der SVP Schweiz. «Man kann uns nicht vergleichen», sagt Walder. Brunner sei ein Ausnahmetalent. Sein politischer Instinkt einmalig. Walder verlässt sich weniger auf sein Bauchgefühl, sondern auf seine analytischen Fähigkeiten. Und seine Energie. Nur etwas fehle ihm für die neue Aufgabe, gibt Walder zu: «Lebenserfahrung». Deshalb werden ihm drei Vizepräsidenten zur Seite gestellt. Darunter Alt-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Ganz ohne Blochers alte Weggefährten geht es dann doch nicht.

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