Mit Hochgeschwindigkeit Konkurrenz überholen

Sie versuchen neue Marktsegmente zu erschliessen und produzieren für Berlin erstmals zwei Metro-Fahrzeuge. Was erhoffen Sie sich von diesem Markt? Peter Spuhler: Die Verschuldungssituation und die Währungsverwerfungen haben unser Unternehmen sehr hart getroffen.

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Sie versuchen neue Marktsegmente zu erschliessen und produzieren für Berlin erstmals zwei Metro-Fahrzeuge. Was erhoffen Sie sich von diesem Markt?

Peter Spuhler: Die Verschuldungssituation und die Währungsverwerfungen haben unser Unternehmen sehr hart getroffen. Wir haben deshalb das Produkteportfolio erweitert. Zum einen mit der Metro, wo die Ausschreibung in Berlin für 36 Züge gewonnen werden konnte. Auf der anderen Seite haben wir einen Hochgeschwindigkeitszug entwickelt. Hier haben wir letzten Freitag den SBB ein Angebot unterbreitet. Neben diesen neuen Produkten sollen auch neue Märkte ausserhalb Europas erschlossen werden.

Was bieten Sie den SBB bei den Hochgeschwindigkeitszügen für den Verkehr nach Deutschland und Italien an?

Spuhler: Das ist ein laufendes Ausschreibungsverfahren, deshalb will ich nicht die Vorteile in der Presse preisgeben. Aber ich denke, dass wir ein gutes Angebot abgegeben haben. Und ich hoffe natürlich sehr stark, dass wir uns nach der Niederlage beim SBB-Rekordauftrag diesmal durchsetzen können.

In Ihren Werken in der Schweiz drohen Auftragslücken. Wie wichtig ist für Stadler der Gewinn dieser Ausschreibung?

Spuhler: Wir sind 2012/2013 sehr gut ausgelastet, ab 2014 in Bussnang aber noch nicht einmal zu 50 Prozent. Es ist wichtig, dass neue Aufträge hereinkommen. Auch aus der Schweiz, denn der Heimmarkt spielt eine grosse Rolle als Referenz, um in den Export zu gehen.

Züge für den Verkehr nach Italien gelten als sehr komplex. Viele Unternehmen hatten da schon Probleme. Übernehmen Sie sich nicht?

Spuhler: Nein. Stadler hat schon über 100 Züge nach Italien geliefert, an diverse Kunden. Wir fühlen uns sehr wohl in Italien, hatten auch noch nie Probleme mit den Zulassungsprozessen und sind da sehr entspannt.

Und die neuen Märkte?

Spuhler: Ein Schwergewicht liegt in den ehemaligen GUS-Staaten. Für die Verbindungs-S-Bahn der drei Moskauer Flughäfen bieten wir jetzt Züge an, wir sind aber auch in Aserbaidschan und in Kasachstan unterwegs. Und wir verfolgen im arabischen Raum ein grosses Metro-Projekt. Auf diesem Weg sollen die nötigen Aufträge für Stadler gewonnen werden, um die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten zu können. (ck/tga)