Mit fremdem Erbe eigene Schuld getilgt

Alt Nationalrat Bruno Zuppiger ist zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 1500 Franken verurteilt worden. Der ehemalige Zürcher SVP-Politiker hat eine Erbschaft veruntreut.

Eveline Rutz
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Bruno Zuppiger (Bild: ky)

Bruno Zuppiger (Bild: ky)

ZÜRICH. «Dazu gibt es nichts mehr zu sagen», meint alt Nationalrat Bruno Zuppiger, als er den Saal 31 des Zürcher Bezirksgerichts verlässt. Er eilt durch die Sicherheitsschleuse auf den Vorplatz – mitten in eine Menge wartender Fotografen, Kameramänner und Journalisten. Schnellen Schrittes versucht er diese loszuwerden; er eilt erst in die eine, dann in die andere Richtung. Von einem Passanten wird er als «Gauner» beschimpft, hektisch zückt er das Handy. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit fährt ein Wagen vor, Zuppiger steigt ein und entflieht der misslichen Situation.

Vom Bundesratskandidaten zum Gejagten: Bruno Zuppiger hat einen in der Schweizer Politik einmalig tiefen Fall erlebt. Gestern ist der Zürcher SVP-Politiker der mehrfachen Veruntreuung für schuldig befunden worden. In einem abgekürzten Verfahren ist er zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie einer Busse in der Höhe von 1500 Franken verurteilt worden. Zuppiger muss zudem die Verfahrenskosten und eine Gerichtsgebühr von 2500 Franken übernehmen. Das Gericht ist damit dem von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ausgehandelten Urteilsvorschlag gefolgt. Zuppiger hatte gestanden.

Hotelrechnungen bezahlt

Im Jahr 2000 hatte seine Firma Zuppiger & Partner AG den Auftrag erhalten, den letzten Willen einer verstorbenen Mitarbeiterin zu vollziehen. Doch statt die rund 240 600 Franken der Krebsliga und der Pro Senectute zukommen zu lassen, nutzte er das Erbe für seine eigenen Zwecke. Er überbrückte damit Liquiditätsprobleme seines Unternehmens, bezahlte ausstehende Steuern und beglich unter anderem Hotelrechnungen. Erst als ihn die gemeinnützigen Organisationen verklagten, zahlte er das Geld zurück.

Vor den Bundesratswahlen 2011 machte die «Weltwoche» die dunklen Flecken in Zuppigers Lebenslauf publik. Einem seiner Mitarbeiter sei ein Fehler unterlaufen, liess der frischgekürte Kandidat die Medien wissen. Die Sache sei bereinigt. Die negativen Schlagzeilen setzten dem Hinwiler allerdings zu. Er zog seine Kandidatur zurück, demissionierte als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) und räumte seinen Nationalratsstuhl. Der Staatsanwaltschaft gegenüber räumte er ein, die missbräuchlichen Transaktionen mit seinem Angestellten gemeinsam geplant und veranlasst zu haben.

«Besonders verwerflich»

Zuppigers Verschulden wiege «nicht mehr leicht», befand das Gericht. Die Deliktsumme sei beträchtlich. Als besonders verwerflich taxierte es, dass Zuppiger den Willen einer Verstorbenen über Jahre ignoriert hatte. Bei einem Nationalrat sei das besonders stossend, so der Vorsitzende. Positiv bewertet wurde, dass Zuppiger die Verfehlungen gestanden und den Schaden beglichen hatte.

«Menschen machen Fehler», sagt Ständerat Peter Föhn (SVP/Schwyz), auf den Fall angesprochen. Zuppiger sei davon ausgegangen, dass die Sache bereinigt sei. Es habe daher keinen Grund gegeben, ihn nicht für den Bundesrat zu nominieren. «Wenn jemand lügt, kann man nicht viel machen», sagt Nationalrat Lukas Reimann (SVP/St. Gallen). Als einfaches Parteimitglied habe er von den Vorfällen nichts gewusst.

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