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Mit Cattaneo zurück zum Erfolg

Rocco Catteneo ist der neue Präsident der Tessiner FDP. Der Unternehmer und frühere Radprofi soll die Liberalen aus der Krise führen und ihnen neues Selbstbewusstsein geben.
Gerhard Lob
Rocco Cattaneo: Der einstige Radprofi hat zwei Radweltmeisterschaften im Tessin organisiert. (Bild: ky/Karl Mathis)

Rocco Cattaneo: Der einstige Radprofi hat zwei Radweltmeisterschaften im Tessin organisiert. (Bild: ky/Karl Mathis)

LUGANO. Die Kantonswahlen vom April 2011 haben bei den Tessiner Freisinnigen ein Trauma hinterlassen. Damals verloren sie nach jahrzehntelanger Dominanz ihren Primat als Partei der relativen Mehrheit in der Kantonsregierung an die populistische Lega. Die machtverwöhnte Tessiner FDP mit nur einem von fünf Staatsräten – dieser Schlag sass.

Einen Teil des freisinnigen Misserfolgs musste der wenig charismatische Präsident Walter Gianora aus dem Bleniotal auf seine Kappe nehmen. Doch erst vor kurzem wählte der Parteikongress mit Rocco Cattaneo den neuen Mann, der der kriselnden Partei neues Selbstbewusstsein einflössen soll.

Outsider am Ruder

Die FDP hat mit dieser Wahl neue Wege beschritten und auch ein Risiko in Kauf genommen. Denn mit Cattaneo hat ein parteipolitischer Outsider die Führung der Partei übernommen. Abgesehen von drei Legislaturperioden im Gemeinderat von Bironico verfügt er über keinerlei politisch-praktische Erfahrung. Er sitzt nicht im Grossen Rat, was für einen FDP-Kantonalpräsidenten ungewöhnlich ist. Er kandidierte im Herbst 2011 erfolglos für den Nationalrat.

Ganz offensichtlich vertrauen die Freisinnigen auf die Fähigkeiten von Cattaneo als Unternehmer und seinen hohen Sympathiewert dank seines sportlichen Engagements. Der einstige Radprofi hat zwei Radweltmeisterschaften im Tessin organisiert. Dank seines asketischen Körpers und regelmässigen Trainings erreicht er trotz fortgeschrittenen Alters immer noch aussergewöhnliche Resultate.

Beruflich hat sich Cattaneo als Betriebswirtschafter längst in der Familienfirma City Carburoil SA installiert, die von seinem verstorbenen Vater Egidio aufgebaut wurde. Rund 300 Angestellte gehören zu diesem Mineralölunternehmen mit Sitz im Dorf Rivera am Monte Ceneri, das unter anderem die Agip-Tankstellen mitsamt Snackbars sowie die Autobahnraststätte in Quinto betreibt.

Gigantischer Wasserpark

Der Tourismus ist ein weiteres Standbein der Familie Cattaneo, im besonderen die Monte-Tamaro-Bahnen. Rocco Cattaneo ist die treibende Kraft für den neuen gigantischen Wasserpark Splash & Spa Tamaro SA, der neben der Talstation entsteht und 2013 eröffnet wird – ein 90-Millionen-Franken-Projekt.

Cattaneo ist Liberaler, was ihm die Unterstützung des wirtschaftsliberalen Flügels brachte, bekennt sich aber gleichzeitig zu seiner katholischen Konfession. Er führt damit die Familientradition fort. Sein Vater Egidio hatte auf der Alpe Foppa am Tamaro von Mario Botta die Kapelle Santa Maria degli Angeli für seine verstorbene Ehefrau bauen lassen. «Der frühe Verlust der Mutter hat unsere Familie zusammengeschweisst», sagt Rocco Cattaneo, der selbst verheiratet ist und drei Töchter hat.

Dass mit ihm ein neuer Wind in der Partei weht, hat Cattaneo umgehend unter Beweis gestellt. Nachdem der Staatsrat unlängst das Kantonsbudget 2013 mit einem Defizit von fast 200 Millionen Franken präsentiert hatte, lud er die Präsidenten der anderen Regierungsparteien in ein Grotto ein, um am Steintisch und bei einem Gläschen Wein weitere Kürzungen von 50 Millionen Franken zu beschliessen.

Ultimatum an Regierung

Der Regierung stellte man ein Ultimatum, das Defizit auf 150 Millionen zu beschränken. Andernfalls werde das Budget nicht verabschiedet. Während die SP erst gar nicht am Mini-Gipfel auftauchte, fiel Cattaneo mit dieser Hauruckmethode sogar seiner eigenen FDP-Finanzministerin Laura Sadis in den Rücken, die gute Miene zum bösen Spiel machte. Fazit: Die Entschlossenheit von Cattaneo tut der Partei sicherlich gut, aber wahrscheinlich muss er noch lernen, dass ein Staatswesen nicht nach rein unternehmerischen Grundsätzen funktioniert.

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