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Mit 16 ein Star am WEF: Klima-Wunderkind Greta Thunberg liest Managern die Leviten

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat dem diesjährige WEF den Stempel aufgedrückt. Der Auftritt der 16-Jährigen hinterlässt allerdings auch Zweifel.
Von Raphael Bühlmann
Die Schwedin Gera Thunberg setzte in Davos ihren Klima-Streik fort. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Die Schwedin Gera Thunberg setzte in Davos ihren Klima-Streik fort. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Galionsfigur, Klima-Ikone, Öko-Pippi. Die WEF-Presse hat ihren «Superstar» erkoren. Nach dem Hype um US-Präsident Donald Trump im Vorjahr, avanciert heuer eine 16-jährige Schwedin zum Highlight des 49. Weltwirtschaftsforums.

Ein zierlich wirkendes Mädchen, das dem starken «Davos Man» die Leviten liest – ein Stoff für Heldengeschichten. Trotz drehbuchreifer Ausgangslage: Wer Greta Thunbergs in Davos erlebt hat, weiss, sie meint es ernst. Kein Lachen, keine Freude – Thunberg sagt, sie leide in Anbetracht des Klimawandels und dass niemand etwas dagegen unternehme. «Ich bekam Depressionen deswegen», sagt sie. Und deswegen schwänzt sie jeden Freitag die Schule, um vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren.

Gerade wegen solch ungeschönter Aussagen beeindruckt Thunberg. Bei ihren Auftritten am WEF sprach sie stets mit leiser Stimme, wirkte schüchtern und doch war ihre Botschaft unüberhörbar. «Ich rede nicht gerne mit Menschen. Ich würde nichts sagen, wenn es nicht um das Klima ginge», sagte sie am Freitag in der von ihr anberaumten Pressekonferenz. Sie appellierte an die Top-Manager und Spitzenpolitiker, sofortige Massnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. In Davos aber gehe es – wie überall – nur ums Geld. «Es hat den Anschein, dass Geld und Wachstum unsere einzige Sinnerfüllung sind», so Thunberg. Noch aber gebe es eine Lösungsmöglichkeit, «so einfach, dass selbst ein kleines Kind sie versteht: Wir müssen den Ausstoss von Treibhausgasen stoppen». Aber jeder müsse sich entscheiden. «Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht», betonte Thunberg.

Die junge Aktivisten reagiert auch auf kritische Einwände erstaunlich souverän. Auf die Frage eines Journalisten, wieso sie so viel Aufmerksamkeit bekomme, sagte die 16-Jährige: «Weil ich ein Kind bin und die Erwachsenen kriegen ein schlechtes Gewissen, weil sie wissen, dass sie das Klima auf die Kosten meiner Generation schädigen». Im Anschluss an die Pressekonferenz setzte Thunberg ihren Klima-Schulstreik auf der Davoser Strasse fort – umringt von zahlreichen Kameras und Mikrofonen.

Besuch professionell orchestriert

Zurück im Presselokal blieb einzig die schwedische Journalistin Gunilla von Hall. Sie schreibt für die Stockholmer Tageszeitung «Svenska Dagbladet» und verfolgt das Phänomen Thungerg seit den Anfängen. «Die Geschichte ist komplexer als es den Anschein macht», sagt von Hall. Von einer Klimaschutzorganisation die im Hintergrund auf Spendenfang geht, sei die Rede. Auch dass Gretas Mutter – einstige Opernsängerin und Vertreterin am Eurovision Song Contest 2009 – jüngst ein Buch veröffentlicht habe, und dabei von der Aufmerksamkeit ihrer Tochter profitiert haben soll, werfe ein anderes Licht auf die Geschichte, sagt von Hall weiter.

Tatsächlich scheint auch ihr Besuch in Davos besser orchestriert gewesen zu sein, als dass dies den Anschein machen sollte. So waren etwa die Tweets ihrer 24-Stunden-Zugfahrt ins Bündnerland wohldosiert – mit entsprechendem Erfolg. Journalisten rissen sich um Thunberg noch bevor sie ankam. Am WEF folgte dann ein Termin dem anderen. Es kam gar zu einemn Treffen mit Gründer Klaus Schwab. Ein Programm, das man jemandem mit der Diagnose Autismus nicht einfach zumuten sollte, meint Journalistin von Hall.

Greta Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus. «Was die Aufmerksamkeit der Weltpresse mit dem Mädchen anstellen wird, wird sich zeigen». Gretas Vater Svante Thunberg stand am Freitag für Fragen nicht zur Verfügung. Und auch Greta Thunberg blieb die Antwort schuldig, welche konkreten Massnahmen denn ihrer Meinung nach ergriffen werden müssten.

Ein Erfolg auch fürs WEF

Der Besuch in Davos ist für Greta Thunberg und das WEF aber gleichermassen als Erfolg zu werten. Sie hat erreicht, dass diese Woche über 40 000 Schüler auf die Strasse gingen und gegen die Untätigkeit der Politik im Kampf gegen den Klimawandel demonstrierten. Und das Forum hat einmal mehr einen Kritiker erfolgreich in die Veranstaltung eingebunden und damit letzten Endes für seine Zwecke genutzt.

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