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Missbrauchsopfer dürfen hoffen

Im Streit um die Ausrichtung von Genugtuungsbeiträgen musste der Präsident der Bischofskonferenz eingreifen. Doch an finanziellen Mitteln für die Opfer dürfte es auch künftig nicht mangeln.
Balz Bruder
Das Verfahren für Genugtuungsbeiträge für Opfer sexueller Übergriffe im kichlichen Umfeld soll vereinfacht werden. Symbolbild: Christof Schuerpf/Keystone

Das Verfahren für Genugtuungsbeiträge für Opfer sexueller Übergriffe im kichlichen Umfeld soll vereinfacht werden. Symbolbild: Christof Schuerpf/Keystone

Der Haussegen hing schief. Ziemlich sogar. Schliesslich brauchte es eine von der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) und ihrem Präsidenten Charles Morerod organisierte Aussprache zwischen der Genugtuungskommission, dem Fachgremium Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld und der Westschweizer Missbrauchskommission Cecar (Commission d’Ecoute, de Conciliation, d’Arbitrage et de Réparation). Stein des Anstosses: Cecar monierte die fehlende Unabhängigkeit ihrer Arbeit von der Katholischen Kirche – und sistierte die Bearbeitung der bei ihr eingegangenen Anträge von Opfern verjährter sexueller Übergriffe im Frühling (Ausgabe vom 21. Juni).

Vorläufiger Stand der Dinge: Die Rechtsgrundlagen für die Ausrichtung von Genugtuungsbeiträgen werden überarbeitet – die Verfahren sollen vereinfacht, die ausgerichteten Beiträge pauschaliert werden. Dies, nachdem bisher je nach Schwere des Missbrauchsfalls Genugtuungssummen von 5000 bis 20000 Franken ausbezahlt worden sind. Was just einer der strittigen Punkte zwischen der von der SBK eingesetzten Genugtuungskommission und Cecar war: Letztere kritisierte die «Pingeligkeit» der Kommission bei der Herabstufung von einzelnen Opferansprüchen. Von einer «Hierarchie der Schädigung der Opfer» war sogar die Rede. Absenderin des Vorwurfs war keine Geringere als Präsidentin Sylvie Perrinjaquet, ehemalige SP-Nationalrätin.

Kommission verweist auf die geltenden Richtlinien

Nicht in der gleichen Währung auf die Vorhaltungen reagieren mag Liliane Gross, Präsidentin der Genugtuungskommission: «Wir führen unsere Arbeit wie bis anhin fort», sagt die stellvertretende Generalsekretärin der Katholischen Kirche Zürich, «sobald die überarbeiteten Rechtsgrundlagen vorliegen, werden wir uns an diesen orientieren.» Im Übrigen arbeite die Genugtuungskommission wie mit allen anderen Gremien zusammen, die Anträge an sie richteten – nämlich gar nicht. Vielmehr überprüfe sie die eingehenden Begehren anhand der Richtlinien der SBK und der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz, wie sie seit Mitte 2016 in Kraft sind. Und zwar, um die Gleichbehandlung der Anträge sicherzustellen.

Die Zahlen sind eindrücklich: Allein im vergangenen Jahr wurden 44 Anträge von Missbrauchsopfern behandelt, deren 39 positiv entschieden. Bis zu 5000 Franken erhielten 6 Antragsteller, zwischen 5000 und 10000 Franken deren 20, zwischen 10000 und 20000 Franken deren 13. Macht in der Summe 435000 Franken. Mit der Folge, dass der ursprünglich mit einer halben Million Franken geäufnete Fonds 2017 erstmals nachalimentiert werden musste. Es flossen weitere 450000 Franken.

Und es wird dabei nicht bleiben. Eine neuerliche Äufnung werde derzeit diskutiert, erklärt Gross, wobei es auch um die Frage gehe, den Genugtuungsfonds regelmässig zusätzlich auszustatten. Denn für die Präsidentin der Kommission ist klar: «Solange uns Fälle gemeldet werden, werden wir unsere Arbeit weiterführen.» Dass dies weiterhin so sein dürfte, beweisen die Zahlen des ersten Halbjahres: 2018 wurden Beiträge im Umfang von 285000 Franken gesprochen. Sie gingen an insgesamt 22 Opfer; die Anträge von weiteren 5 Betroffenen sind noch pendent.

Bisherige Zahlungen werden nicht angerührt

Übrigens: Auch wenn die Genugtuungsbeiträge künftig pauschaliert werden, müssen die bisherigen Empfänger von Zahlungen nicht um ihren Beitrag fürchten. Offen bleibt allerdings die Frage, ob durch die Vereinheitlichung des Systems tatsächlich «noch besser auf die Situation der Opfer» eingegangen werden kann, wie die SBK verlauten liess. Und ein Fragezeichen ist auch hinter die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Gremien zu setzen, die sich mit den Anträgen von Opfern sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld befassen. Giorgio Prestele, Präsident des Fachgremiums Sexuelle Übergriffe, sprach in Bezug auf das Vorgehen der Cecar immerhin von einer «Erpressung». Einer erfolgreichen zumal.

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