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Millionen für Kampagnen und Werbung – so bringt der Bund seine Botschaften unters Volk

Der Bund zahlt privaten Agenturen Millionen für die Umsetzung von Kampagnen. Eine Liste enthüllt nun die teuersten PR-Aktionen der Eidgenossenschaft in diesem Jahr.
Sven Altermatt
Die Kampagne Energy Challenge war die teuerste: Der Bund zahlte dafür 4,2 Millionen. Bild: BfE/PD

Die Kampagne Energy Challenge war die teuerste: Der Bund zahlte dafür 4,2 Millionen. Bild: BfE/PD

Events, um die Energiewende ­anzukurbeln. Broschüren, um für die Schweizer Luftwaffe zu werben. Aktionspläne, um Herrn und Frau Schweizer das heimische Holz schmackhaft zu machen. Wenn der Bund seine Botschaften unters Volk bringen will, setzt er gerne auf externe Profis. Solche Agenturen sind kostspielig. Wie kostspielig, zeigt eine neue Liste: Kampagnen im Umfang von rund 20 Millionen Franken lassen die Behörden der Eidgenossenschaft allein dieses Jahr von Privaten umsetzen – eingerechnet sind allerdings nur die 25 teuersten Mandate.

Das enthüllt eine Übersicht, die der Bundesrat nach einem Vorstoss des Aargauer SVP-­Nationalrats Hansjörg Knecht erstmals veröffentlicht hat. Zu den Gesamtausgaben für extern vergebene Kampagnen im Jahr 2018 macht die Regierung keine Angaben, und auch interne Kosten sind nicht eingerechnet. Die neue Liste liefert aber zumindest detaillierte Anhaltspunkte.

Energieamt ist Umsatztreiber

Um sein Image zu pflegen und die Bevölkerung über seine Arbeit zu informieren, lässt der Bund gerne die Kasse klingeln. Für Öffentlichkeitsarbeit haben die Behörden 2017 insgesamt 78,6 Millionen Franken ausgegeben, wie der Staatsrechnung zu entnehmen ist. Die Personalkosten machen dabei rund zwei Drittel der Gesamtkosten aus. 307 Vollzeitstellen sind mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut. Die staatlichen ­Öffentlichkeitsarbeiter lancieren einerseits Kampagnen, andererseits schreiben sie Medienmitteilungen, beantworten Anfragen oder bewirtschaften Websites. Am meisten Geld für PR und ­Information gibt das Innendepartement von Bundesrat Alain Berset aus, 15,3 Millionen Franken waren es 2017. Mit Ausgaben von jeweils rund 10 Millionen Franken folgen das Verteidigungs­departement, das Finanzdepartement sowie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.

Dass das Innendepartement an der Spitze steht, überrascht nicht. In dessen Wirkungsbereich fallen die Kampagnen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), das fünf der 25 teuersten Kommunikationsaufträge unterhält. Das Auftragsvolumen dafür beträgt total 6,5 Millionen Franken. Im laufenden Jahr überweist das BAG unter anderem 2 Millionen Franken für die bekannte «Love Life»-Kampagne gegen sexuell übertragbare Krankheiten an die Agentur Rod, wie der Liste des Bundesrats zu entnehmen ist. Für die Organspende-Kampagne fliessen 1,4 Millionen Franken an die Agentur YJOO in St. Gallen.

Ein noch grösserer Umsatztreiber für private Agenturen ist das Bundesamt für Energie (BFE). Es zeichnet sich für sieben grosse Kampagnen im Umfang von 6,9 Millionen Franken verantwortlich. Eine Aktion des BFS veranlasste SVP-Nationalrat Knecht überhaupt erst dazu, sich mit einem Vorstoss an den Bundesrat zu wenden: die Energy Challenge (siehe Kasten). Allein im aktuellen Jahr überweist das BFE einen Zustupf von 4,2 Millionen Franken für die Energy Challenge an die Zürcher Agentur Aroma. Keine andere Kampagne kostet den Steuerzahler aktuell mehr Geld.

Damit die Menschen landauf und landab lernen, wie sie Energie sparen können, lässt sich das BFE einiges einfallen. 925926 Franken gehen für die Aktion «CO2-Tieferlegen» an Quade & Zurfluh in Zürich, damit die Agentur energieeffiziente Fahrzeuge promotet. 600000 Franken bekommt Burson-Marsteller für die Gemeinde-Kampagne von «Energie Schweiz» und 550000 Franken werden an Wirz Brand Relations überwiesen, um das Gebäudeprogramm 2018 zu bewerben. Auch eine Kampagne mit dem Ziel, leer stehende Ferienwohnungen weniger zu beheizen, gehört zum Portfolio des BFE – die Agentur Franz & René kassiert dafür 400000 Franken.

Staats-PR unter Beschuss

Parlamentarier kritisieren die Ausgaben für PR und Information regelmässig. «Kommunikation in der Bundesverwaltung – ein Fass ohne Boden?», lautete vor zwei Jahren der sinnbildliche Titel eines Vorstosses von FDP-Präsidentin Petra Gössi. Manche bezeichnen die Kampagnen des Bundes als «überflüssige Staatspropaganda», andere erachten sie als unabdingbar, um die Bevölkerung für dies oder jenes zu sensibilisieren. Die SVP verlangt in fast jeder Budgetdebatte eine Kürzung der entsprechenden Ausgaben. Ihr Nationalrat Hansjörg Knecht sagt: ««Ich werde die neue Liste nun ganz genau anschauen und prüfen, ob die Mittel sinnvoll eingesetzt werden.»

So oder so bleibt die Öffentlichkeitsarbeit des Bundes auf der politischen Agenda. Die GPK des Nationalrats hat eine vertiefte Untersuchung angeordnet. Man prüfe, ob die Kommunikation der Bundesverwaltung «zweckmässig und wirtschaftlich organisiert ist», heisst es bei der zuständigen Verwaltungskontrolle des Parlaments dazu. Die Resultate sollen nächstes Jahr vorgelegt werden.

Hinweis: Hier gehts zur Liste.

Subventionen auf dem Prüfstand

Das Bundesamt für Energie (BFE) wendet viel Geld auf, um für die Energiewende zu werben. Zu der staatlichen Aufklärung gehört auch die Aktion Energy Challenge, die mit aufwendig inszenierten Ständen durchs Land tourt. Frühere Recherchen dieser Zeitung offenbarten einen fragwürdigen Umgang mit Steuergeldern: 2016 orchestrierte die Zürcher Kreativagentur Aroma Productions im Auftrag des BFE die Energy Challenge. Die Kampagne war ursprünglich auf ein Jahr befristet, ohne Option auf Verlängerung. Das Mandat wurde vorschrifts­gemäss in einer öffentlichen Ausschreibung vergeben, das Auftragsvolumen belief sich auf 2,2 Millionen Franken. Doch die Energy Challenge läuft noch immer. Einem Wettbewerb für den Auftrag musste sich die Agentur nicht mehr stellen. Der Trick: Das BFE überwies ihr die Millionenbeträge – viermal mehr als in der Ausschreibung seinerzeit vorgesehen – 2017 und 2018 in der Form von Subventionen. Das BFE stützt sich auf den Standpunkt: Die Agentur habe selbst um die Subventionen gebeten. Demnach ist die Energy Challenge nun formell ein Projekt der Firma. Die SVP-Nationalräte Hansjörg Knecht (AG) und Christian Imark (SO) haben sich wegen der Aktion mit Vorstössen an den Bundesrat gewandt. Dessen Antwort ist nun zu entnehmen, dass die Unterstützung für die Energy Challenge «schrittweise zurückgefahren» werde. Für 2020 sei «keine weitere Unterstützung des aktuellen Energy-Challenge-Konzeptes» mehr vorgesehen. (sva)

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