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MILITÄR: Neue Kampfmontur der Armee: Nur Unterwäsche ist nicht unisex

Der Bundesrat will die Ausrüstung der Schweizer Armee für insgesamt zwei Milliarden Franken modernisieren. Die Soldaten erhalten auch eine neue Kampfmontur.
Henry Habegger
Eine Puppe trägt das modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem (MBAS). (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Eine Puppe trägt das modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem (MBAS). (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Henry Habegger

In Halle P auf dem Waffenplatz Thun konnte der VBS-Funktionär gestern nicht ohne Stolz vermelden: «Wir haben es getestet. Sie passen hinein.» Mit «sie» waren die weiblichen Armeeangehörigen gemeint. Das «hinein» bezog sich auf die neue Kampfbekleidung der Schweizer Armee.

Die Montur ist demnach zwar auf Männer ausgelegt, denn diese stellen immerhin noch über 99 Prozent der Truppe. Aber in das «modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem» können sich also auch weibliche Armeeangehörige zwängen. Das Teil, kurz MBAS genannt und in der Vollpackung bis zu 27 Kilo schwer, soll ab 2022 die Kampfbekleidung 90/06 ersetzen. Das MBAS ist Teil der Armeebotschaft 2018, die das Verteidigungsdepartement (VBS) in Thun den Medienleuten vorführte.

Körperschutz wirft Fragen auf

Total unisex ist das MBAS aber doch nicht. Ein Teil der Ausrüstung ist auf den weiblichen Teil der Truppe abgestimmt. Frauen erhalten eine eigene Version der Unterwäsche. Diese besteht wie bei den Männern in je einer Ausführung für den Sommer und den Winter. Der Soldat und die Soldatin erhalten künftig eine Unmenge an Material ausgehändigt. Den «Kämpfer» in einer Sommer- und Winterversion, Wind-, Regen- und Kälteschutz. Dazu Tragsysteme mit verschiedenen Vorrichtungen, unterschiedlich grossen Rucksäcken und einem Satz Taschen. Dann den kugelsicheren Körperschutz, der je nach Einsatzart unterschiedlich ausgestaltet werden kann. Dass der Körperschutz alleine 200 Millionen kostet, brachte gestern die Sicherheitskommission (SIK) des Ständerats auf den Plan: Sie will vom Bundesrat nähere Erklärungen haben.

Zum MBAS gehört ein gut 10 Millionen teures Trinksystem, das aus «Wasserbeutel, Trinkschläuchen und verschiedenen Adaptern für PET-Flaschen» besteht. Die Kampfanzüge erhalten ein neues Tarnmuster; sie werden immer bleicher. Vom «Vierfruchtpyjama» ist nicht viel übrig: Das Rot fiel schon vor Jahren weg, und in der neusten Version fehlt auch das Schwarz. Grund laut dem Berufssoldaten, der die Kleidung vorführte: Schwarz machte vor allem zur Tarnung im Wald Sinn, aber der moderne Einsatz findet kaum mehr dort statt, ­sondern eher in urbaner Umgebung. Das neue Design nennt sich Multiumfeldtarnmuster 16.

Das MBAS wurde von Parmelins Mannen selbst erfunden, jedenfalls sind sie geistiges Eigentum des VBS-Rüstungsarms Armasuisse. Stolze 377 Millionen Franken soll die Modulare Bekleidung und Ausrüstung kosten, gemäss Armeeangaben etwa «3000 Franken pro Person». Beschafft werden 115000 Sets. Genug für die künftig noch 100000 Mann (und Frau) starke Truppe sowie die Umlaufreserve.

Die Aufträge zur Fabrikation des MBAS werden WTO-konform ausgeschrieben. Die Grossteil dürfte daher dereinst aus dem Ausland zugeliefert werden, denn in der Schweiz gibt es laut den VBS-Experten keine Industrie mehr, die die meiste Ware in derart grossen Stückzahlen konkurrenzfähig produzieren kann.

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