Milchduo verliert Machtkampf

Paukenschlag im Schweizer Milchproduzentenverband (SMP): Direktor Albert Rösti und Präsident Peter Gfeller treten gemeinsam zurück. Sie werfen den Regionalverbänden unlautere Methoden vor. Die Ostschweizer Verbände wehren sich.

Andri Rostetter
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Die Milchbranche kämpft seit dem Ende der staatlichen Milchkontingentierung Ende April 2009 erfolglos gegen den Preiszerfall. (Bild: Luca Linder)

Die Milchbranche kämpft seit dem Ende der staatlichen Milchkontingentierung Ende April 2009 erfolglos gegen den Preiszerfall. (Bild: Luca Linder)

Die Milchbranche kommt nicht zur Ruhe. Nach einem monatelangen Machtkampf im Vorstand des Schweizerischen Milchproduzentenverbands (SMP) werfen die beiden obersten Funktionäre das Handtuch. Präsident Peter Gfeller gibt sein Amt an der nächsten Delegiertenversammlung im Frühjahr ab, Direktor Albert Rösti demissioniert per Ende August, wenn die ordentliche Kündigungsfrist ausläuft.

Der doppelte Rücktritt kommt für Insider nicht überraschend. Gfeller und Rösti traten in der Branche häufig als Duo auf, auch innerhalb des Verbands wurden sie als politische Zwillinge wahrgenommen. Insbesondere Gfeller stand aber im Vorstand schon längere Zeit auf verlorenem Posten. So scheiterte er etwa mit seinen Plänen, die «Vielmelker» unter den Bauern mit höheren Abgaben zu belasten. Auch sein Einsatz für die Motion Aebi, welche eine Rückkehr zu einer staatlichen Milchmengensteuerung verlangte, wurde im Verband nicht überall goutiert.

«Unerwünscht gefühlt»

Nach aussen gaben Gfeller und Rösti jedoch andere Gründe für ihre plötzliche Demission an. «Im Vorstand habe ich mich je länger, je mehr als unerwünschter Präsident gefühlt», sagte Gfeller gestern an der Medienkonferenz in Bern. Der SMP-Vorstand habe in den vergangenen Jahren verschiedene Beschlüsse verabschiedet, um den ausser Kontrolle geratenen Milchmarkt zu stabilisieren. Diese Beschlüsse seien jedoch «stets von regionalen Organisationen unterlaufen» worden, schreiben Rösti und Gfeller in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Die Mitteilung gipfelt in einem Aufruf an die Vorstandsmitglieder, sich ebenfalls ersetzen zu lassen, sollten sie nicht in der Lage sein, die nationalen Interessen der Milchbranche wahrzunehmen.

In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Gfeller und Rösti insbesondere mit den Ostschweizer Milchproduzentenorganisationen im Clinch lagen. Die Ostschweizer Vertreter nahmen SMP-intern häufig eine progressivere Position ein als die Verbandsspitze.

«Gfeller hing am alten System»

Ruedi Schnyder, SMP-Vizepräsident und Präsident der Thurgauer Milchproduzenten, will die Vorwürfe von Gfeller und Rösti nicht kommentieren. Er sieht den Rücktritt aber als Chance: «Gfeller und Rösti haben den SMP eher als Gewerkschaft für Milchbauern verstanden. Jetzt können wir den Verband mehr in Richtung Berufsorganisation entwickeln.» Von einem Rücktritt will Schnyder nichts wissen, ebenso wenig von einer Übernahme des Präsidiums. Es wäre «verfrüht, jetzt über Personalfragen zu diskutieren», sagt er. Wenig anfangen mit der Kritik von Gfeller und Rösti kann auch Roland Heuberger, Mitglied des Vorstands der Thurgauer Milchproduzenten. Überraschend seien die Vorwürfe nicht, die oberste SMP-Führung sei schon früher sehr wenig selbstkritisch gewesen. «Gfeller hing am alten System und hat uns ignoriert.» Andreas Ritter, Geschäftsführer der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), zeigt ebenfalls wenig Bedauern über den Rücktritt von Gfeller und Rösti. «Es ist eine Tatsache, dass gewisse Beschlüsse des SMP nicht umgesetzt werden konnten.» Die regionalen Mitgliederorganisationen des SMP seien operativ und finanziell selbständig. Ihr oberstes Ziel sei es, die Milch bestmöglich zu vermarkten. «Der Markt war stärker als die Beschlüsse des Verbands.»

Drei Preise für die Milch

Ob der Doppelrücktritt der Milchbranche hilft, ist aber alles andere als sicher. Zum einen ist der SMP bei weitem nicht der einzige Akteur in der Branche. Zum andern schlug seit Aufhebung der staatlichen Milchmengensteuerung 2009 jeder Anlauf zur Stabilisierung des Milchpreises fehl. Die Branchenorganisation Milch (BOM), die Dachorganisation von Produzenten, Industrie und Detailhandel, will das Chaos nun mit einer Aufteilung der Milch in verschiedene Preissegmente bändigen. Geht es nach der BOM, soll der Bundesrat das System auch für Nichtmitglieder für verbindlich erklären. Ein Entscheid soll frühestens Mitte Februar fallen.

Peter Gfeller (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Peter Gfeller (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Albert Rösti (Bilder: ky)

Albert Rösti (Bilder: ky)