Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Video

Die Migros trimmt sich schlank

Der Detailhandelskonzern sucht Käufer für die Warenhauskette Globus und den Möbelhändler Interio. Von der Verschlankung verspricht er sich bessere Renditen.
Rainer Rickenbach & Roman Schenkel
Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Migros-Generaldirektion, an der Pressekonferenz. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 27. Juni 2019)

Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Migros-Generaldirektion, an der Pressekonferenz. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 27. Juni 2019)

Es war ein Paukenschlag mit Ansage: Im Frühling gab Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen der Warenhausgruppe Globus zwei Jahre Zeit, auf die Erfolgsspur zu finden. Dass sich die Konzernführung jedoch jetzt schon dazu entschliesst, für das Warenhaus einen neuen Eigentümer zu suchen, war am Donnerstag dann doch eine Überraschung. Nebst Globus bietet sie auch Interio, die Gries Deco Gruppe und M-Way zum Verkauf an.

«Die Migros ist für sie heute nicht mehr die beste Eigentümerin», begründete Zumbrunnen. Man sehe sich nun nach passenden Interessenten um und lasse sich dafür die notwendige Zeit.

Onlinehandel setzt den Warenhäusern zu

Die zum Verkauf stehenden Detailhandelsunternehmen stehen zwar nur für einen geringen Teil des Konzernumsatzes von 28,3 Milliarden Franken. Doch sie sind ein wesentlicher Grund, warum die Genossenschaft im vergangenen Jahr mit 475 Millionen Franken hinter den Gewinnerwartungen zurückblieb. Für Globus etwa musste die Migros eine Rückstellung von 90 Millionen Franken vornehmen. Anlass dafür waren die wenig verheissungsvollen Gewinnaussichten. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz der Warenhauskette um mehr als 5 Prozent.

Globus ist kein Einzelfall. Die Warenhäuser leiden wie kaum eine andere Detailhandelssparte unter dem rasant wachsenden Onlinehandel. In ganz Europa und auch in den USA sind zahlreiche Traditionshäuser verschwunden, in denen die Kundinnen und Kunden alles unter einem Dach kaufen können. Zwar mischt Globus ebenfalls im Onlinehandel mit und weist dort auch bescheidene Erfolge aus. Doch das Warenhaus fing spät damit an und steht heute gegen Onlinegiganten wie Zalando und Amazon oder aufstrebende Anbieter wie Brack auf verlorenem Posten. Was mindestens so schlimm ist: Globus ist zwar im erfolgreichen Onlineportal Galaxus der Migros dabei, passt mit seinen Produkten im gehobenen Preissegment dort aber nicht recht hinein. Vielleicht meint die Konzernführung das Onlinegeschäft, wenn sie feststellt, Globus habe sich mit der verstärkten Ausrichtung auf das Premium- und Luxus-Segment weiter von der DNA der Migros entfernt. Der Konzern hatte Globus 1997 gekauft.

Schneller als erwartet will sich Zumbrunnen auch von Interio trennen. Noch im vergangnen Jahr bezeichnete er die wiedereröffnete Filiale des Möbelhändlers in Spreitenbach als «Zukunft von Interio». Das Modell des «begehbaren Onlineshops» sollte auf alle elf Filialen ausgerollt werden. Sollte. Denn nun, nicht einmal ein Jahr später, sieht Zumbrunnen für Interio keine Zukunft mehr bei der Migros. Die Filialen von Interio hätten nicht von genügend Synergien mit der Migros profitiert.

Der Umsatz von Interio ist in den letzten Jahren regelrecht zusammengeschrumpft – von 287 Millionen Franken im Jahr 2007 bis auf 154 Millionen Franken im Jahr 2017. Allein im Jahr 2017 bezifferte sich die Umsatzeinbusse auf satte 8,1 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden keine gesonderten Interio-Zahlen mehr veröffentlicht. Interio und Micasa kamen 2018 zusammen auf einen Umsatz von 403 Millionen Franken. Zu wenig, um beide Marken zu behalten. Zumbrunnen will beim Möbelgeschäft nur noch auf Micasa setzen. Die eigene Möbelsparte ist völlig in Betrieb und Logistik integriert.

Filiale in Emmen wird geschlossen – 23 Stellen gehen verloren

Für Interio wird deshalb ein Käufer gesucht. Allerdings nur für zehn der elf Standorte: Die Filiale im Wohncenter im luzernischen Emmen wird bis spätestens Ende März 2020 geschlossen. Dann läuft der Mietvertrag aus, eine Weiterführung des Geschäfts ist gemäss Migros nicht sinnvoll, da «ein wirtschaftlicher Betrieb im örtlichen Mietverhältnis nicht möglich ist». Von der Schliessung werden 23 Mitarbeitende betroffen sein. Es soll ein Sozialplan zum Einsatz kommen.

Betrachte man nur die Umsatzzahlen von Micasa und Interio, kommt für Kurt Frischknecht, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Möbelhandel- und industrie, der Schritt der Migros nicht überraschend: «Beim Umsatz war die Negativentwicklung nicht zu übersehen», sagt er. Die gesamte Möbelbranche stehe unter starkem Preisdruck. «Die Konkurrenten liefern sich permanente Rabattschlachten.» Dies führe zu Verdrängung und Konzentration. Überrascht hat Frischknecht allerdings der Zeitpunkt: «Interio hat seinen Filialen erst im vergangenen Herbst ein neues Konzept verpasst. Dass man diesem nur so kurz Zeit gibt, ist fragwürdig.»

XXXLutz oder gar Management-Buy-out?

Potenzielle Käufer der zehn verbleibenden Interio-Filialen dürften nicht leicht zu finden sein. Der österreichische Riese XXXLutz etwa hat 2018 eine erste Filiale in der Schweiz eröffnet und hegt ehrgeizige Expansionspläne. «XXXLutz will in der Schweiz wachsen und wir schauen auch immer wieder mögliche Flächen an. Um unser Sortiment abzubilden, braucht es aber eine Grundfläche von mindestens 10000 Quadratmetern – aus diesem Grund sind die Interio-Flächen tendenziell zu klein», sagt Meinrad Fleischmann, Co-Leiter XXXLutz Schweiz.

Auch bei Globus steht ein grosses Fragezeichen bei der Suche nach einem Käufer. Eine Möglichkeit wäre auch ein Management-Buy-out. Globus-Chef Thomas Herbert ist bereits jetzt Mitbesitzer der Globus-Warenhäuser. Der Luzerner könnte sich mit einem finanzkräftigen Partner das ganze Unternehmen schnappen. Dass er das kann, hat er bereits 2003 bewiesen. Damals hat das vierköpfige Management-Team um Herbert das Modeunternehmen Schild übernommen. 2013 verkaufte Herbert – inzwischen Mehrheitsaktionär von Schild – das Unternehmen an Globus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.