Merz zurück in der Ostschweiz

BERN. Bundesrat Hans-Rudolf Merz kehrt in sein Amt zurück. Diese Nachricht hat in der Wandelhalle im Bundeshaus nicht nur bei FDP-Politikern grosse Freude ausgelöst. Merz befindet sich seit Mittwoch in der Rehabilitation in der Klinik Gais.

Jürg Ackermann
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Hans-Rudolf Merz hat sich von seinem Herzstillstand so gut erholt, dass er wieder in die Regierung zurückkehren will. (Archivbild: Sam Thomas)

Hans-Rudolf Merz hat sich von seinem Herzstillstand so gut erholt, dass er wieder in die Regierung zurückkehren will. (Archivbild: Sam Thomas)

Der Heilungsverlauf muss alle Erwartungen übertroffen haben: Fünf Tage nachdem Bundesrat Hans-Rudolf Merz aus dem Koma aufgewacht ist, gibt er Entwarnung. Er werde in die Landesregierung zurückkehren, liess er Bundespräsident Pascal Couchepin bereits am Montag wissen. Gestern wurde die Nachricht nun offiziell. Nicht nur das: Der zähe Appenzeller Bundesrat ist offenbar auch gewillt, im nächsten Jahr wie vorgesehen Bundespräsident zu werden. Wann genau er in die Regierung zurückkehren wird, liess Merz aber noch offen. Er werde später darüber informieren. Vorerst begab er sich in die Rehabilitation. Beim Finanzdepartement hiess es, Merz halte sich bereits wieder mit Zeitunglesen auf dem laufenden.

Positive Stimmung

Merz, der als Politiker mit hohem Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein gilt, ist auch bekannt für seinen Tatendrang. Der «seriöse Schaffer» geniesst Wertschätzung über die Parteigrenzen hinweg. Die Erleichterung über die angekündigte Rückkehr war unter Politikern dementsprechend gross. Merz' internationale Kontakte, seine Vernetzung, seine Kompetenz und seine unaufgeregte Art zu politisieren seien gerade in Zeiten von Finanzkrisen wichtig, sagte FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli. «Die Ankündigung ist ein wichtiges politisches Signal», sagt auch Nationalrätin Marianne Kleiner (FDP/AR). «Bei Merz laufen viele Fäden zusammen.»

Kleiner, die den Bundesrat seit Kindsbeinen kennt, wurde von der Nachricht der schnellen Rückkehr überrascht, obwohl sie noch am Dienstag mit dem Bundesrat über SMS Kontakt hatte. Er habe geschrieben, wie gut es ihm bereits gehe. Umso glücklicher sei sie nun, dass er zurückkehren werde: «Wo er ist, versprüht er eine positive Stimmung.» Merz' zugängliche Art kommt auch bei anderen Parteien wie der SP, die in zentralen finanz- und steuerpolitischen Fragen gegensätzliche Positionen vertritt, gut an: «Es braucht in dieser finanzpolitisch kritischen Situation einen starken Bundesrat», sagte SP-Parteisekretär Thomas Christen.

Bei der FDP ist man aber nicht nur über die schnelle Genesung des Finanzministers erleichtert, sondern auch darüber, dass es nicht zu einer FDP-Vakanz im Bundesrat kommt. Bei den aktuellen Stärkeverhältnissen wäre es unsicher, ob die Freisinnigen zwei Sitze hätten halten können oder ob sie von der CVP bedrängt worden wären. Mit der Rückkehr von Merz hat sich auch die Ausgangslage für einen möglichen Rücktritt von Samuel Schmid verändert. Es wurde darüber spekuliert, der Verteidigungsminister trete möglicherweise gemeinsam mit Merz zurück.

Ärzte warnen

Merz hat gestern das Inselspital verlassen. Dem Bundesrat wurden im Berner Krankenhaus am Sonntag vor einer Woche fünf Bypässe gelegt, nachdem er einen Tag zuvor im Auto einer Bekannten einen Herzstillstand erlitten hatte. Über die Dauer der Rehabilitation wurde nichts bekannt. Herzspezialisten rechnen in ähnlichen Fällen mit zwei bis drei Wochen Erholungszeit. Patienten beginnen nachher in der Regel mit einer 50prozentigen Arbeitsbelastung und steigern sich dann schrittweise an das normale Pensum heran. Sicher scheint: Die gute Kondition und die zähe Konstitution werden Bundesrat Merz bei der Erholung helfen. Einige Ärzte weisen aber auch darauf hin, dass der wahre Belastungstest noch ausstehe. Mögliche Folgen des Kollapses wie eine schnellere Ermüdung oder Konzentrationslücken würden sich erst zeigen, wenn Merz wieder der grossen Belastung des Bundesrats-Amtes ausgesetzt sei. Die Aussicht, das Amt wieder ausüben zu können, habe ihm aber wohl zusätzliche Kraft verliehen, sagte der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller. «Merz ist ein Glücksfall für das Land und für die FDP.»

Paparazzi im Inselspital

Müllers Einschätzung bestätigten Beliebtheitsumfragen. Merz, der bereits vor dem Kollaps hohe Werte aufwies, dürfte nun nach der angekündigten Rückkehr zum populärsten Vertreter der Landesregierung werden. Wie gross das Interesse am berühmtesten Schweizer Patienten war, zeigt eine Episode aus dem Inselspital: Dort sollen sich während Merz' Aufenthalt als Bauarbeiter verkleidete Fotografen erfolglos darum bemüht haben, zu einem Bild vom bettlägerigen Bundesrat zu kommen.

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