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«Eine Religion, die missionieren muss, ist armselig»

Jede Religion, die für sich den alleinigen Wahrheitsanspruch stellt, ist für unseren Kolumnisten Peach Weber ein «fundamentalgigantischer Holzweg».
Peach Weber
Peach Weber (Bild: Mareycke Frehner)

Peach Weber (Bild: Mareycke Frehner)

Entschuldigen Sie, wenn ich etwas verwirrt bin, aber ich musste heute schon eine wichtige Frage beantworten. Morgens um zehn Uhr, also kurz nach Mitternacht für Nachtschattengewächse wie mich, läutete es an der Haustüre. Das Öffnen konfrontierte mich mit zwei wunderlichen Gestalten, Mutter und Tochter offensichtlich, etwas altbacken in der modischen Ausgestaltung.

«Grüezi, wir möchten Sie fragen, ob Sie Interesse hätten an einem christlichen Gedanken.» Reflexartig fiel ich ihr ins Wort: «Danke, ich kaufe keine Gedanken an der Haustüre.» Natürlich ahnte ich, dass das Angebot ohne Kostenfolge gewesen wäre, aber ich hasse Missionare. Eine Religion, die missionieren muss, ist armselig.

Immerhin haben sie mir keine Glasperlen angeboten, damit ich zum Christentum übertrete, aber wahrscheinlich waren es eher Mitglieder einer «Gemeinschaft der 12 letzten Tage» oder gar «… der 7 erwählten Jesusinnen». Nun denn, ich habe es wieder einmal verpasst, endlich erleuchtet zu werden, dabei habe ich schon alles im Haus auf LED umgestellt.

Meine harsche Ablehnung kann ich aber schon begründen: Was für eine Arroganz, mir, ohne mich zu kennen, zu unterstellen, ich wäre nicht selber fähig, ein bis zwei christliche Gedanken zu haben! Gut, ich bin Heide, oder wie nennt man einen, der aus der Kirche ausgetreten ist? Entkatholisierter, oder gar Satansbraten? Ich hoffe nicht.

Alles in allem bin ich davon überzeugt, dass die Religionen im besten Fall gleichviel Gutes wie Schlechtes anrichten in der Welt. Aber wenn man die ganzen Pädo-Geschichten mit der Dunkelziffer addiert und die Vergewaltigung von Nonnen vom hippen Franziskus zugestanden wird, da möchte man dem durchaus sympathischen Oberhaupt doch zurufen: Bevor du uns vorschreibst, was wir zu tun haben, bevor du den Frauen vorwirfst, Abtreibung sei wie Massenmord, bring doch bitte zuerst mal deinem Personal Anstand und Ordnung bei. Das ist ja, mit Verlaub, zum Teil ein rechter Sauhaufen.

Es wird ja heute immer von den christlichen Werten geredet, die wir verteidigen müssten gegen die Bestie Islam. Mir scheint, diese Werte haben sich auch ein wenig verändert. Heute gilt doch eher: Wenn du jemandem eine Ohrfeige gibst, hau ihm auch auf die andere Wange, damit er das Gleich­gewicht wieder findet. Oder: Liebe dich selbst, der Nächste kann ja vom Übernächsten geliebt werden.

Warum aber diese Suche nach Religionen? Im Prinzip kann ich es schon verstehen. Auch mich stört es, dass das Leben im Hiersein nicht gerecht erscheint. Es gibt zwar eine Quasi-Gerechtigkeit, die von Menschen durch Gesetze hergestellt wird. Es wäre aber viel kundenfreundlicher, wenn es ein Naturgesetz der Gerechtigkeit gäbe: Wer also durch Machenschaften in den Besitz einer Villa mit Pool käme, würde noch im Laufe seines Lebens fristgerecht elendiglich im Pool ersaufen. So ist es aber leider nicht.

Deshalb erfand der Mensch die Religionen. Doch jede Religion, die für sich den alleinigen Wahrheitsanspruch stellt, ist für mich ein fundamentalgigantischer Holzweg, da ist es wurscht, ob dieser Unsinn vom Minarett oder Zwiebelturm gelabert wird. Und solange es die Führer der Weltreligionen nicht schaffen, sich zusammenzusetzen, um die gepredigte Toleranz zu leben, kann ich sie nicht ernst nehmen.

Franziskus hat ja auch schon etwas Glanz verloren. Jedenfalls bei den Massenmörderinnen. Kommen eigentlich diese verzweifelten Frauen nun direkt in die Hölle, oder zuerst ins Fegefeuer zum Anbraten? Ah nein, das Fegefeuer wurde ja 2007 vom Papst abgeschafft. Ich habe selten so gelacht, wie damals bei dieser Meldung …

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