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«Mein Büro hat die zweitbeste Aussicht»: Swiss-Pilot schiesst spektakuläre Bilder aus dem Cockpit

Seit acht Jahren fliegt Sales Wick als Swiss-Pilot um die Welt. Mit dabei hat er stets seine Fotoausrüstung. Aus besonderem Grund. Und in diesen Tagen zudem auf einem ganz speziellen Flug.
Robert Hess
Über den Wolken... (Bilder: Sales Wick)
Über der senegalesischen Stadt Dakar auf dem Weg nach Brasilien. In der absoluten Dunkelheit offenbart sich ein wundervoller Blick auf die Milchstrasse.
Kurz vor Sonnenaufgang über dem kaspischen Meer auf dem Weg nach Hong Kong.
Blick in einen Schneesturm.
Im Cockpit einer Boeing 777.
Der Obwaldner Sales Wick ist Pilot bei der Swiss und leidenschaftlicher Fotograf. Hier vor einer Boeing 777.
Ausblick aus dem Cockpit über Grönland.
Ein besonderes Lichterspiel.
Der junge Sales Wick im Jahr 2011 - ein Jahr nach Abschluss seiner Pilotenausbildung. (Bild: PD)

9 Bilder

Besondere Blicke aus dem Flugzeug-Cockpit

Montag, 17. Dezember, kurz nach 6 Uhr morgens: Als erste Maschine nach der nächtlichen Ruhezeit auf dem Flughafen Zürich-Kloten landet dort eine Boeing 777 der Swiss, die rund zwölf Stunden zuvor in Hongkong gestartet war. Das Grossraumflugzeug ist von der üblichen Dreierbesatzung im Cockpit, dem Captain als Hauptverantwortlichen für den Flug sowie zwei Co-Piloten, sicher in den Heimatflughafen gesteuert worden. Einer dieser Co-Piloten ist der 32-jährige Senior First Officer Sales Wick aus Sarnen. Der gelernte Automatiker ist nach Absolvierung der Pilotenschule seit gut acht Jahren bei der Swiss als Linienpilot tätig (siehe Kasten).

Rund eine Stunde nach der Landung an diesem Montag ist für die Besatzung die fünftägige sogenannte Rotation Zürich-Hongkong und zurück – inklusive längerer Pause in Hongkong – abgeschlossen. Vorerst gilt es für Sales Wick, etwas Schlaf nachzuholen, dann folgt um die Mittagszeit der nächste Termin. Er trifft sich mit unserer Zeitung in einem Flughafen-Restaurant.

Für Sales Wick ist die Fotoausrüstung seit Jahren ständige Begleiterin auf seinen Flügen. Ist er nun ein fotografierender Pilot oder ein fliegender Fotograf? Wick antwortet im Gespräch:

«Ich bin in erster Linie Pilot und von der Fliegerei fasziniert. Als Langstreckenpilot fliege ich zu fast allen Ecken des Erdballs. Mein Büro hat die zweitbeste Aussicht, die ich mir vorstellen kann, direkt hinter jener des Astronauten.»

«Zur Faszination Fliegen ist eine weitere Leidenschaft hinzugekommen – die Fotografie», sagt Wick. «Ich versuche, meine Faszination zur Fliegerei mit andern Menschen zu teilen. Schliesslich ist die Fliegerei heute zur Selbstverständlichkeit geworden und hat dadurch an Besonderheit verloren.» Seine Bilder vom Cockpit aus «sollen das Erlebte einfangen.» Zeigen, was im Cockpit vor sich geht und was draussen zu sehen ist. So entstehen faszinierende Bilder wie der Blick auf die Milchstrasse über Senegal, der Anflug auf das Lichtermeer von Sao Paulo, Wüstenlandschaften, Blitze bei Gewittern oder die Gebirgswelt von Grönland und vieles andere mehr.

Nicht alles gelingt auf Anhieb, denn Streulichter, die gewölbten Cockpitscheiben oder die Einstellung der Belichtungszeiten stellen ständig wechselnde Herausforderungen. Wicks Arbeit findet weltweit Beachtung und ist mit internationalen Awards ausgezeichnet worden.

Strenge Regeln sind einzuhalten

Selbstverständlich kann Sales Wick im engen Cockpit kein festes Stativ montieren oder ständig mit seiner Spiegelreflexkamera zwischen den andern Piloten «herumfuchteln». Im Cockpit gilt es, strenge Regeln einzuhalten. So sind während gewisser Flugphasen wie Starten und Landen jegliche Ablenkungen untersagt. «Die Gewährleistung der Sicherheit ist jederzeit oberstes Gebot», hält der begeisterte Fotograf fest. Keinen Beschränkungen unterliegt das Fotografieren und Filmen während seiner Freizeit an den verschiedenen Destinationen und Kulturen in aller Welt.

Seine Bilder und kurze Videoclips verbreitet er vor allem über die sozialen Medien: Sei es auf seinem Instagram-Account oder seinem Blog (siehe Hinweis). Dabei schwingt bei Sales Wick der Gedanke mit, mit seinen Bildern junge Leute für Berufe in der Fliegerei zu begeistern. Jedes Jahr veröffentlicht er auch einen Kalender mit einer Auswahl seiner besten Fotos. Mit einem Teil des Erlöses wird die Kinderstiftung des Swiss-Personals unterstützt, die sich weltweit für benachteiligte Kinder engagiert.

Nach der eingangs erwähnten Hongkong-Rotation hatte Sales Wick einige Tage frei oder stand im «Schulzimmer» als Instruktor für angehende Piloten auf der Boeing 777 im Einsatz. Dieser Job ist Teil seiner Anstellung bei Swiss. Abgehoben hat Senior First Officer Wick erst wieder gestern Sonntag. «Ich habe mir in unserem Planungssystem zum Jahreswechsel einen Flug nach Los Angeles gewünscht», berichtet er. Bald nimmt er nämlich für einige Jahre Abschied von den Langstrecken. Denn im Verlauf des kommenden Jahres beginnt seine Ausbildung zum Captain. Ist diese Ausbildung abgeschlossen, wird er in den folgenden Jahren als Captain auf den Europastrecken fliegen, bevor er die Ausbildung zum Langstrecken-Captain machen kann.

Zwei Obwaldner Piloten unterwegs nach Los Angeles

Bei seinem Einsatz über den Jahreswechsel nach Los Angeles hat Sales Wick besonders angenehme Begleitung. Nicht ganz zufällig ist, dass eine der Flight Attendants auf der «Triple Seven» seine Verlobte ist. Rein zufällig ist aber, dass sein Captain auf dem Flug von zwei Obwaldner Co-Piloten unterstützt wird: Zugeteilt wurde ihm nämlich vom Planungssystem neben Sales Wick der 33-jährige Senior First Officer Thomas Geissdörfer aus Alpnach.

Der gelernte Polymechaniker mit Berufsmatura und Aviatik-Studium in Winterthur ist seit 2012 ebenfalls Swiss-Pilot. «Ich freue mich sehr, mit Sales zusammen nach Los Angeles fliegen zu dürfen. Das wird eine coole Sache», meldete er am Handy vom Flugplatz Grenchen aus, wo er in den vergangenen vier Wochen als Fluglehrer der Swiss in der Pilotengrundausbildung tätig war.

Sales Wick ist auf Instagram @sky_trotter und unterhält auch einen Blog

Seit 2010 Pilot und nun auf dem Weg zum Captain

Der Obwaldner Sales Wick ist Pilot bei der Swiss. Unser Bild zeigt ihn vor einer Boeing 777.

Der Obwaldner Sales Wick ist Pilot bei der Swiss. Unser Bild zeigt ihn vor einer Boeing 777.

Sales Wick (32) ist in Sarnen aufgewachsen. Gegen Ende Primarschulzeit begann er sich für die Fliegerei zu interessieren, was sich im Verlaufe der Jahre «zu einer wahren Leidenschaft entwickelte», berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach der Sekundarschule liess er sich zum Automatiker mit Berufsmatura ausbilden, stets mit dem Ziel, Linienpilot zu werden. «Eine abgeschlossene Berufslehre, auch ohne Matura, genügt als Voraussetzung für die Anmeldung zur Pilotenschule», macht er jungen Leuten – selbstverständlich auch Mädchen – Mut, sich auch ohne gymnasiale Matura oder Studium anzumelden. Nach der Rekrutenschule arbeitete Wick vorerst im erlernten Beruf, bewarb sich dann für die Pilotenschule der Swiss.
Er bestand im Mai 2008 die Selektionsprüfung und begann im September mit der 21-monatigen Ausbildung zum Linienpiloten. 2010 schloss er die Ausbildung erfolgreich ab und wurde von Swiss als First Officer (Co-Pilot) angestellt. Ab Oktober 2010 flog er mit dem Airbus A320 sechs Jahre auf dem Kurzstreckennetz der Swiss durch Europa. Seit 2016 fliegt Wick als Senior First Officer im Cockpit einer Boeing 777 auf dem Langstreckennetz. Zudem ist er Ausbildungs-Instruktor für neue 777-Piloten. Im Verlaufe von 2019 beginnt er mit der Ausbildung zum Captain auf Kurzstrecken. (rh)

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