Mehr Anzeigen wegen Pornografie

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Minderjährige Immer mehr Schweizer Jugendliche machen sich der Pornografie strafbar. Im letzten Jahr waren es 224 Minderjährige, die verurteilt wurden, 2011 waren es erst 47 gewesen, wie die «Sonntags-Zeitung» berichtet. Die Zahl der Anzeigen habe sich ebenfalls fast verfünffacht. Sehr oft handle es sich um Jugendliche, die pornografische Videos und Bilder aus dem Internet in Klassenchats untereinander verschickten, erklärt Patrik Killer, leitender Zürcher Jugendanwalt. Zum Verhängnis wird den Kindern ein Artikel, der es verbietet, an Personen unter 16 Jahren pornografische Inhalte zu senden. Fachleute halten das Gesetz für problematisch.

Man könne sich fragen, ob damit nicht die Jugendlichen selbst kriminalisiert werden, die solche Inhalte unter Gleichaltrigen verschicken würden, wird Jugendanwalt Killer zitiert. Niklaus Ruckstuhl vom Schweizerischen Anwaltsverband fordert, dass Jugendliche massiv milder bestraft würden, die «normale» Pornografie unter Gleichaltrigen teilen würden. Verbote und Strafen würden bei solchen Vergehen wenig Sinn machen. Oft ist den Teenagern offenbar nicht bewusst, dass sie illegal handeln. Das Thema werde an den Schulen leider vernachlässigt, sagt Esther Elisabeth Schütz, Leiterin des Instituts für Sexualpädagogik in Uster ZH. Vielen Lehrern fehle das fachliche Wissen. (sda)