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Neuer Medikationsplan soll Kosten sparen und Leben retten

Wer viele Medikamente einnimmt, verliert leicht die Übersicht. Das kann der Gesundheit schaden und teuer werden. Patienten erhalten künftig das Recht auf einen Medikationsplan, der fatale Folgen verhindern soll.
Eva Novak
Dank des Medikaktionsplans sollen unerwünschte Wechselwirkungen und Überdosierungen verhindert werden. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Dank des Medikaktionsplans sollen unerwünschte Wechselwirkungen und Überdosierungen verhindert werden. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Seit einem Herzinfarkt vor ein paar Jahren nimmt Fritz Meier einen Blutverdünner. Bekommt er obendrein Gelenkschmerzen und behandelt diese mit einem Rheumamittel, riskiert er eine schwere Magenblutung, die einen Spitalaufenthalt nötig machen und ihn sogar das Leben kosten kann.

Das fiktive Beispiel zeigt, wie wichtig eine Übersicht über all die Medikamente ist, die man von verschiedenen Stellen verschrieben bekommt und einnimmt. Doch diese zu behalten, wird mit zunehmendem Alter immer anspruchsvoller. Das Erinnerungsvermögen sinkt, die Anzahl der Medikamente steigt. Abhilfe schafft ein ausgedruckter oder elektronischer Medikationsplan, den künftig alle Menschen, die drei oder mehr Arzneimittel einnehmen, verlangen können.

Die dazu nötige Gesetzesgrundlage wird jetzt aufgrund einer Motion des Berner SP-Ständerats Hans Stöckli geschaffen. Der Vorstoss, der in beiden Räten widerstandslos durchkam, wurde in der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet. Dabei stellt er einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Sicherheit dar: «Solange wir noch kein gut geführtes elektronisches Patientendossier haben, das die Medikationen samt Dosierung und Änderung festhält, hilft eine solche Liste dem Patienten, dem Arzt und auch dem Spital», sagt Dieter ­Conen, Präsident der Stiftung Patientensicherheit Schweiz.

Jede zehnte Spitaleintritt wegen falscher Medis

Dass Medikationsfehler ein grosses Problem sind, ist unbestritten. Gemäss Studien sind 8 bis 15 Prozent der Spitalpatienten von einem unerwünschten Arzneimittel-Ereignis betroffen – das heisst, sie leiden unter Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen von Medikamenten. Und ein Drittel der Spitaleintritte wegen unerwünschter Arzneimittel-Ereignisse ist gemäss einer Erhebung der Stiftung für Patienten­sicherheit die Folge eines Medikationsfehlers. Das heisst, diese Spitaleintritte wären eigentlich vermeidbar gewesen.

Dass sie nötig sind, hat nicht nur Folgen für die Betroffenen, welche im schlimmsten Fall fa­-tal enden können. Sondern auch für die Gesundheitskosten. Die zusätzlichen Spitalaufenthalte schlagen gemäss Hochrechnungen mit 70 bis 100 Millionen Franken pro Jahr zu Buche.

Tendenziell nehmen diese Ausgaben angesichts der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung zu. Laut einer Analyse der Krankenkasse Helsana bezog die über 65-jährige Bevölkerung in den letzten Jahren im Schnitt gleichzeitig 5,6 Medikamente. Noch mehr, nämlich 9,3 Medikamente, waren es bei den Pflegeheimbewohnern. Bei ihnen zeigte sich auch ein anderes Problem, nämlich jenes der falschen oder nicht angemessenen Medikation: Fast vier von fünf Bewohnern bezogen 2016 mindestens ein potenziell inadäquates Arzneimittel.

Alle Mittel auf einen Blick für alle ersichtlich

Gerade in Heimen wäre deshalb ein Medi-Plan sinnvoll. Ein Plan, der zeigt, welche Mittel man in welcher Menge noch braucht und welche nicht mehr. Auf dem steht, wer was wann verordnet hat und dank dem allen sofort klar wird, wie die Mittel einzunehmen sind – nicht nur den Patienten, sondern auch deren Angehörigen, der Spitex sowie weiteren Pflegepersonen.

Auch das Problem der Überversorgung könnte so zumindest gemildert werden. Es würde rascher ersichtlich, welche Medikamente tatsächlich nötig sind und welche nicht. Beinahe jedes vierte ausgestellte Rezept ist überflüssig, besagt eine Untersuchung aus den USA.

Eine vollständige Übersicht verhindere auch, dass zwei Medikamente mit unterschiedlichem Namen, aber gleichem Wirkstoff eingenommen würden, sagt Olivier Kappeler, Thurgauer Kantonsarzt und Co-Präsident der IG eMediplan. «Wir haben da einen Nachholbedarf», erklärt Yvonne Gilli von der Ärzteverbindung FMH. Ein solcher Plan gehöre ins elektronische Patientendossier, das die Spitäler ab 2020 anbieten müssen – nicht aber die Ärzte.

«Es geht darum, Fehler zu verhindern und damit eine bessere Gesundheitsversorgung zu erreichen, die auch weniger kostet», sagt Motionär Hans Stöckli. Dass sein Vorstoss im Parlament unerwartet glatt durchgekommen sei, sei ja erfreulich. Nun setze er alles daran, «dass die Umsetzung ebenso rasch klappt».

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