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MEDIEN: Wenn die Nachrichtenquelle versiegt

Der Arbeitskonflikt innerhalb der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) eskaliert. Gestern trat die Belegschaft in einen Warnstreik. Ein Ende der Auseinandersetzung ist nicht abzusehen.
Roger Braun

«Streckennetz der Rhätischen Bahn wieder befahrbar»: Um 14.03 Uhr ging die letzte Meldung der SDA auf den Redaktionen ein. Dann versiegte der Nachrichtenfluss für drei Stunden.

Der Arbeitskampf innerhalb der SDA hat gestern mit einem Warnstreik einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dabei geht es nicht nur um die Schweizerische Depeschenagentur, sondern indirekt um die ganze Medienlandschaft der Schweiz. Die Agentur verschickt täglich rund 500 Meldungen, die in unzählige Artikel und Beiträge hiesiger Medien einfliessen. Doch das Unternehmen ist gefährdet. Für dieses Jahr hat die SDA bei einem Umsatz von 30 Millionen Franken einen Verlust von 3,1 Millionen budgetiert. Die Geschäftsleitung will deshalb 36 von 150 Vollzeitstellen streichen, 20 Personen verlieren ihren Job. Der Grossteil der Kündigungen und Pensenreduktionen soll bereits diesen Monat ausgesprochen werden.

Der tiefe Einschnitt verbunden mit dem Tempo des Abbaus weckt den Widerstandswillen der Redaktion. Nachdem ihre Forderung nach einem Aufschub der Kündigungen vom Management abgelehnt worden war, trat sie gestern in den Streik. Die SDA-Büros im ganzen Land waren verwaist, stattdessen versammelte sich die Belegschaft unweit des Hauptsitzes in Bern zum Streik. Rund 200 Leute waren im Saal, die Stimmung kämpferisch. Die Kultur war mit Mundartrocker Büne Huber und Buchautor Alex Capus vertreten, die Politik mit dem ehemaligen Vizekanzler und SDA-Chefredaktor Oswald Sigg sowie den Berner Nationalräten Matthias Aebischer (SP) sowie Regula Rytz (Grüne).

Abbau trotz Millionenreserven

«Ich verwende das Wort selten, doch was hier passiert, ist ein Skandal», sagte Aebischer. «Dieses Management versteht das Abc der Betriebsführung nicht», beklagte Rytz. Und Sigg sprach von «perversen Vorgängen». Hauptsächlich verstehen Belegschaft und Fürsprecher die Eile nicht, mit der der Stellenabbau vorangetrieben wird. Einerseits weil die SDA über Reserven von 19 Millionen Franken verfügt; andererseits weil die SDA mit der Fotoagentur Keystone fusionieren wird und noch nicht klar ist, welche Perspektiven auf Mehreinnahmen sich damit eröffnen. Für SDA-Geschäftsführer Markus Schwab ist Eile dagegen durchaus angebracht. «Wenn wir jetzt nicht entschlossen das Steuer herumreissen, wäre das verantwortungslos», sagt er. Es gehe darum, mit der Restrukturierung das Defizit für 2018 wenigstens auf 1,9 Millionen Franken zu begrenzen. «Wir müssen jetzt reagieren, sonst trifft es die Belegschaft später umso härter», sagt er. Und die 19 Millionen Eigenkapital, die auf der hohen Kante liegen? «Die Reserven sind nicht dafür gedacht, um strukturelle Defizite zu decken», antwortet Schwab.

Unverantwortlich wäre für ihn auch, den Zusammenschluss von Keystone und SDA abzuwarten, bis der Abbau vollzogen wird. Die Integration zweier Unternehmenskulturen brauche Zeit, argumentiert Schwab. Welche Produkte und in welchem Umfang die Kunden künftig von der SDA beziehen möchten, könne noch nicht abgeschätzt werden.

Die Tatsache, dass sich inzwischen mehrere Politiker in den Arbeitskampf eingeschaltet haben, zeigt, dass es nicht um eine betriebsinterne Angelegenheit geht. Vielmehr sehen Teile der Politik die unabhängige Berichterstattung in Gefahr. Politisiert wird der Konflikt auch durch die Absicht des Bundesrats, der SDA künftig 2 Millionen Franken jährlich zu überweisen. Gegenwärtig läuft eine Vernehmlassung dazu. Rytz und Aebischer machten klar, dass es unter diesen Umständen ein Fehler wäre, diese 2 Millionen Franken ohne Bedingungen zu überweisen. Zuerst müsse geklärt werden, wohin genau dieses Geld gehe.

Roger Braun

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