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MEDIEN: Abgesang auf die «vierte Gewalt»

In seinem neuen Dokumentarfilm zeichnet Regisseur Dieter Fahrer ein düsteres Bild vom Zustand der hiesigen Medien. Er sieht deren Unabhängigkeit bedroht, wie in Polen und der Türkei.
Kari Kälin
Blick in den Redaktionsalltag von «Watson». (Bild: Verleih Fair & Ugly)

Blick in den Redaktionsalltag von «Watson». (Bild: Verleih Fair & Ugly)

Kari Kälin

Sie sind dünn gesät, aber es gibt sie: die Hoffnungsschimmer. Etwa wenn Patrick Feuz, Chef­redaktor der Berner Zeitung «Der Bund», erklärt, dass sich der Journalismus seit den 1990er-Jahren stark verbessert habe. Oder Constantin Seibt von den «Hektolitern» an Hoffnung referiert, die er als Mitbegründer der neuen, werbefreien Internetpublikation «Republik» verkaufen will, um sie dann in «kleinsten Flaschen abzustottern».

Und sonst? Entwirft Dieter Fahrer in seinem neuen Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» ein düsteres Bild vom Zustand der hiesigen Medienlandschaft. Der Berner Regisseur hat die Redaktionen der Zeitung «Der Bund», des Onlineportals «Watson», der Radiosendung «Echo der Zeit» sowie des Onlinemagazins «Republik» in ihrem Alltag begleitet – und kommt zum Schluss: «Die Unabhängigkeit der vierten Gewalt ist immer bedroht, nicht nur in der Türkei oder in Polen, auch hier in der Schweiz.»

Bisweilen wirkt der Film langfädig, der Redaktionsalltag ist oft unspektakulär: Man tippt Texte in den Computer, recherchiert, hält Sitzungen, schneidet Radiogespräche zurecht. Am spannendsten sind die Szenen aus der «Watson»-Redaktion, welche die These des klickgetriebenen Onlinejournalismus untermauern. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten kommentiert Chefredaktor Maurice Thiriet mit den Worten: «Das ist das Beste, was uns passieren kann.» «Emotionen» sind für das Portal harte Währung, demzufolge sind auch Katzenvideos Nachrichten.

Ein Lob auf die gute alte Zeit

Eine spezielle Rolle spielt der «Bund». Fahrer, Jahrgang 1958, zeigt seine betagten Eltern, die sich täglich aus der Zeitung informieren. Sie ziehen weg aus ihrer Wohnung ins Altersheim, die Nachmieter sind Nichtabonnenten. Beim Zuschauer entsteht der Eindruck, der Regisseur sehne sich die guten alten Zeiten herbei, als eine Tageszeitung zur Grundausstattung der Haushalte gehörte, weder Internet noch Gratiszeitungen die traditionellen Titel konkurrenzierten, als die Menschen ohne Push-Nachrichten überlebten. Viel Nostalgie also. Im Hier und Jetzt sinken Abonnentenzahl und Werbeeinnahmen, «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz muss seiner Crew Sparmassnahmen verkünden. Während immer weniger Redaktionen für immer mehr Zeitungstitel die gleichen Inland-, Ausland-, Wirtschafts- und Kulturnachrichten produzieren, steht am 4. März die Zukunft der SRG auf dem Spiel: Dann stimmt das Volk über die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren ab. Keine Frage: Dieter Fahrer greift in seinem Film ein hochaktuelles, relevantes Thema auf. Manchmal, in den Off-Texten, lässt er in seinem ­Abgesang auf die Medien Allgemeinplätze aufleben, die abgedroschen wirken: zum Beispiel, dass die Redaktionen jetzt dann bald von Herrliberg aus gelenkt werden. Am Schluss landet man in der Schweiz irgendwie immer bei Christoph Blocher.

Unfreiwillige Schlusspointe

Mit Texteinspielungen zieht Fahrer am Ende Bilanz. «Auch bei Radio SRF muss weiter gespart werden, denn ab 2019 wird die Billag-Gebühr von 451 Franken auf 365 gesenkt», heisst es da. Es ist die unfreiwillige Schlusspointe des Films: Der Regisseur, der den Untergang der Medien beklagt, produziert an dieser Stelle selber Fake News. Denn die SRG konnte sich, anders als die privaten Verleger, in der Vergangenheit stets auf stabile Gebühreneinnahmen – aktuell rund 1,2 Milliarden Franken pro Jahr – verlassen.

Hinweis

Der Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» von Dieter Fahrer läuft derzeit in den Schweizer Kinos.

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