Maurers Feuer für Olympia

Der Bundesrat will die Olympischen Winterspiele 2022 in die Schweiz holen und stösst die Kandidatur von St. Moritz und Davos in die Startlöcher. Der Bund soll 30 Millionen beitragen.

Eva Novak
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Blick auf das winterliche St. Moritz: In Sportanlagen «sehr wenig zu investieren». (Bild: ky/Martin Rütschi)

Blick auf das winterliche St. Moritz: In Sportanlagen «sehr wenig zu investieren». (Bild: ky/Martin Rütschi)

BERN. Es gehe nicht um Graubünden, sondern «um eine grosse Chance für die ganze Schweiz»: Selten hat man Ueli Maurer so viel Enthusiasmus versprühen sehen wie nach der gestrigen Bundesratssitzung, an welcher sich die Landesregierung hinter eine Kandidatur von Davos und St. Moritz für die Olympischen Winterspiele 2022 gestellt hat. Und zwar für eine Kandidatur besonderer Art, die sich von den bisherigen unterscheiden soll, wie der Sportminister immer wieder bekräftigte.

Wo der Winter geboren ist

Voraussichtlich werden sich auch Oslo, Kasachstan sowie Barcelona um die Durchführung der Spiele bewerben. Anders als die Konkurrenz könne die Schweiz nicht auf Gigantismus setzen, so Mauer, sie biete bewusst eine Alternative unter dem Motto «Weisse Spiele, kurze Wege». Man wolle die Spiele zu ihren Wurzeln zurückführen – «zurück in die Berge, wo der Winter geboren ist», schwärmte der Sportminister, der offensichtlich olympisches Feuer gefangen hat. Für den Bundesrat sei dabei nicht der Sport das wichtigste, sondern eine Gelegenheit, die Schweiz als sicheres, offenes und gastfreundliches Land zu präsentieren, das ebenso klein wie leistungsfähig sei. Anderseits sehe der Bundesrat eine «Chance gegen innen», indem man miteinander ein grosses Projekt durchziehe.

Eine Milliarde vom Bund

Die Spiele sind laut Maurer auch «ein Treiber», um gewisse Verfahren zu hinterfragen und rascher zu entscheiden als heute. Das diene letztlich den Bergregionen und dem Wintertourismus – weit über die Spiele hinaus: «Es geht um ein Entwicklungskonzept für die nächsten 20, 30 Jahre.»

In dieses ist der Bundesrat einiges zu investieren bereit: Von den Kosten der Kandidatur, die auf 60 Millionen Franken geschätzt werden, übernimmt der Bund die Hälfte. Den Rest teilen sich der Kanton Graubünden, die Standortgemeinden sowie das Schweizerische Olympische Komitee.

Ähnlich grosszügig zeigt sich der Bundesrat bei den eigentlichen Durchführungskosten. Er ist bereit, eine Milliarde der Deckungslücke von 1,3 Milliarden Franken zu übernehmen, die sich bei geschätzten Ausgaben von 2,8 Milliarden und Einnahmen von 1,5 Milliarden Franken ergibt. Zusätzlich wird mit 1,7 Milliarden Franken für Investitionen in die Infrastruktur gerechnet. Für den Ausbau von Schiene und Strasse sind rund 600 Millionen veranschlagt, für die Sicherheit rund 250 Millionen Franken.

In die Sportanlagen ist nach Maurer mit unter 100 Milliarden «sehr wenig zu investieren». Hohe Kosten verursachen hingegen die Unterkünfte, die nicht zuletzt wegen der Zweitwohnungs-Initiative provisorisch erstellt werden müssten. Genaue Konzepte fehlen noch; der Ideenwettbewerb ist in vollem Gang: Maurer sprach unter anderem von «Iglus statt Hotels», in denen die Besucher logieren könnten.

Semadeni: «Ein drittes Nein»

Das VBS arbeitet nun eine Botschaft aus, über welche das Parlament 2013 entscheiden soll. Doch die erste Nagelprobe steht am 3. März in Graubünden an, wenn das Stimmvolk über die Kandidatur befindet. Dass der Ausgang dieser Abstimmung ungewiss ist, ist Olympia-Fan Maurer ebenso bewusst wie den Kritikern des Grossanlasses.

Zweimal schon hätten die Bündner eine Olympia-Kandidatur abgelehnt, sagt Silva Semadeni. Die SP-Nationalrätin und Präsidentin des Gegnerkomitees will sich dafür einsetzen, «dass sie ein drittes Mal Nein sagen». Denn solch ein «Mega-Event» bringe nicht dem ganzen Kanton eine touristische Entwicklung, sondern fördere nur die bereits stark entwickelten Zentren.

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