Maurer verzichtet auf «Folklore»

Sie gilt als Visitenkarte der Luftwaffe und soll 2016 für immer am Boden bleiben: Die Patrouille Suisse. Die Meldung schlug ein, und Bundesrat Ueli Maurer startet nun Beschwichtigungsversuche.

Léa Wertheimer
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Patrouille Suisse. (Bild: ky)

Patrouille Suisse. (Bild: ky)

Hätte Bundesrat Maurer an der Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission gesagt, er schaffe die Armee ab, wäre der Aufschrei wohl nicht lauter gewesen. Dabei geht es «nur» um sechs rot-weiss bemalte Flugzeuge, die Figuren an den Himmel malen: die Patrouille Suisse. Bundesrat Maurer sprach Klartext, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Ab 2016 gehört die Kunstflugstaffel der Luftwaffe der Geschichte an, so der Verteidigungsminister. Rot bemalte Jets mit Schweizer Kreuz werde es nicht mehr geben. «Um Folklore zu machen, haben wir künftig keine Flugzeuge mehr.»

Stich ins Herz der Aviatik-Fans

Was bei Aviatik-Fans ein Stich ins Herz, ist für die armeekritische SP-Nationalrätin Evi Allemann nur konsequent. «Der Kampfjet Tiger F-5 macht die Patrouille Suisse heute aus», sagt sie emotionslos. Und der wird ausser Dienst gestellt. 2016 soll nämlich der erste der gemieteten Gripen in der Schweiz landen und die veralteten Tiger ablösen, bis die fabrikneuen Maschinen aus Schweden kommen. «Das weiss man schon lange, deswegen verstehe ich die heftigen Reaktionen nicht», sagt Allemann.

Verschiedene Szenarien

Seit rund 20 Jahren sind die rot-weissen Jets auf dem Flugplatz in Emmen zu Hause, wo jährlich 450 Bewegungen auf ihr Konto gehen. Während die Kunstflugstaffel für die einen ein lärmiges Übel ist, pilgern andere immer wieder an Emmens Pistenrand. Sie trifft die Nachricht hart. Es gibt aber auch Insider, die ob der Ankündigung von Ueli Maurer aufatmen. Aus ihrer Warte, hätte es schlimmer kommen können: Denn es kursieren verschiedene Szenarien über das Grounding der Patrouille Suisse. Man diskutiert in Bern auch die Möglichkeit, die Tiger bereits 2014 stillzulegen – gleich nach der Abstimmung zum neuen Kampfflugzeug. So gesehen hat das Aushängeschild der Luftwaffe eine Galgenfrist erhalten. Überhaupt beschwichtigt Ueli Maurer unterdessen. Es sei noch nichts entschieden, heisst es aus dem VBS nur einen Tag nach der Kommissionssitzung. Solange der Kauf der 22 Gripen-Kampfjets nicht abgeschlossen sei, lasse sich nicht sagen, wann die Tiger ausgemustert werden. Für Maurer steht aber fest, dass es nicht in Frage kommt, nur für die Patrouille Suisse eine kleine Anzahl Tiger zu betreiben. Zu hoch seien die Betriebskosten. Diese sollen gemäss Zahlen von 2008 jährlich zwischen 160 000 und 180 000 Franken liegen.

«Ich mag das Klagen über Geldmangel nicht mehr hören», sagt Ida Glanzmann-Hunkeler, CVP-Nationalrätin und Mitglied der Kommission. Dass die Staffel eingestellt werde, bedeute für die Region aber nicht, dass weniger Lärm entstehe, vermutet die Luzernerin. «Die Piloten der Patrouille Suisse werden dann die Flugstunden im F/A-18 oder im Gripen absolvieren.» Zudem sei die Staffel mitnichten «Folklore», wie Maurer sie nannte, sondern ein Weg, wie sich die Armee der Bevölkerung zeigen könne. Ein Aspekt, der auch dem Chef der Armee André Blattmann am Herzen liegt, schliesslich soll die Armee mit regelrechten Shows auf Tour durch die Schweiz tingeln, wie er jüngst ankündigte. Er allerdings sprach von Panzern und Brücken – in Tarnfarben.

Negativer Beigeschmack

Auch der SVP-Nationalrat Thomas Hurter stört sich am Wort «Folklore». «Ich finde es unpassend, es hat einen negativen Beigeschmack», sagt der ehemalige Kampfpilot. Die Patrouille Suisse stelle Präzision, Leistung und im Endeffekt auch die Schweizer Luftwaffe dar. «Das alles hat nach meinem Verständnis nichts mit Folklore zu tun.»