Kommentar

Maturaprüfungen: Für die Kantischüler gibt es keinen Grund für Bequemlichkeit

Schüler sollen die Matura nicht ohne Abschlussprüfungen erhalten. Das wäre zwar bequem, doch einem solchen Zertifikat würde ein Makel anhaften. 

Kari Kälin
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Man kann die Optik der Schüler nachvollziehen. Es ist mühsam, auf die Maturaprüfungen zu büffeln. Das Pandemiejahr hat eine neue Ausgangslage mit Ungewissheiten geschaffen. Nicht alle lernen gleich gut mit Fernunterricht. In Petitionen fordern deshalb Schüler, unterstützt unter anderem von der Juso, den schweizweiten Verzicht auf Abschlussprüfungen.

Einige Kantone, darunter Zürich und Bern, haben bereits kapituliert und sämtliche Prüfungen gestrichen. Andere wie Luzern, Aargau und St. Gallen planen zumindest schriftliche Tests. Ob die Kantone diese aussetzen dürfen, entscheidet voraussichtlich heute der Bundesrat. Er müsste dafür Notrecht sprechen. Das sollte er nicht tun. Die Prüfungen lassen sich coronakonform organisieren, sonst würden sich nicht zahlreiche Kantone und übrigens auch eine Mehrheit der Gymnasiallehrerverbände dafür aussprechen. Die Lehrer können den Ausfall des Präsenzunterrichts in der Gestaltung der Prüfung berücksichtigen. Nicht zuletzt müssen die Schüler mit ungenügenden Vornoten die Möglichkeit haben, die Matura mit einer Sonderleistung doch noch zu schaffen.

Es gibt keinen Grund, den Weg des geringsten Widerstandes zu beschreiten. Die Matura ohne Abschlussprüfung zu erhalten, wäre vielleicht bequem, doch einem solchen Zertifikat würde ein ewiger Makel anhaften. Wie wenn man eine Bergtour vor Erreichen des Gipfels beenden würde.

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