Martin Sellner
Die Postfinance schliesst Spendenkonto von bekanntem Rechtsextremisten

Der Anführer der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) rief seine Anhänger zu Spenden auf ein Schweizer Postkonto auf. Pikant: In der Vergangenheit erhielt IBÖ-Chef Martin Sellner Spendengelder vom Attentäter von Christchurch. Nun hat Postfinance reagiert und das Konto geschlossen.

Christoph Bernet
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Konto weg: Martin Sellner an einer Demo in Wien (April 2020).

Konto weg: Martin Sellner an einer Demo in Wien (April 2020).

Christian Bruna / EPA

In seinem Mail-Newsletter bat Martin Sellner, eine der führenden Figuren des europäischen Rechtsextremismus, um Spenden auf ein Konto in der Schweiz. Dies hat CH Media letzte Woche publik gemacht. Eine Überprüfung der Kontonummer ergab, dass es sich um eine Bankverbindung bei der Postfinance handelt.

Jetzt hat die Bank reagiert. Wie Sellner am Dienstagabend auf seinem Telegram-Kanal mitteilte, soll die Postfinance das Konto aufgrund von «Complianceregeln» gesperrt haben. Postfinance will sich gegenüber CH Media mit Verweis auf das Bankkundengeheimnis nicht zum konkreten Fall äussern, teilt aber mit, man verstehe, dass «ein solcher Fall die Gemüter hochkochen lassen kann».

Das habe die Bank auch anhand der Posts auf den sozialen Medien mitbekommen. Postfinance prüfe im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten laufend, ob Geschäftsbeziehungen geführt werden dürften oder abgebrochen werden müssten.

Das 39. gesperrte Konto

Der 32-jährige Martin Sellner aus Wien ist «Bundesleiter» der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ). Sie ist Teil der Neuen Rechten und europaweit stark mit anderen rechtsextremen Gruppierungen vernetzt. Die IBÖ gibt sich hip, modern, intellektuell. Doch im Kern vertreten Sellner und seine Kameraden fremdenfeindliche, rassistische und antisemitische Positionen.

Sellners Bankkonten werden regelmässig gesperrt. Das Postfinance-Konto ist nach Sellners Angaben die 39. Bankverbindung, die ihm seit Herbst 2017 gesperrt worden ist. Grund für das Vorgehen der Banken dürften neben dem Reputationsschaden die Furcht vor juristischen Komplikationen sein.

Denn im Mai 2019 wurde bekannt, dass Sellner im Jahr zuvor eine Spende in Höhe von 1500 Euro von Brenton Tarrant erhalten hat, worauf Sellner sich per Mail mit diesem austauschte. Tarrant tötete später beim Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 2019 insgesamt 51 Menschen. Ein Ermittlungsverfahren gegen Sellner wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung stellte die österreichische Justiz jedoch 2021 ergebnislos ein.

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