Managerlöhne weiter im Höhenflug

Topmanager von Schweizer Unternehmen haben laut Travail Suisse auch 2012 wieder massiv mehr verdient. Die Arbeitnehmerorganisation rührt nun für die 1:12-Initiative die Werbetrommel.

Eveline Rutz
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BERN. Severin Schwan, CEO von Roche, verdient 261 mal mehr als jener Angestellte, der Ende Monat die kleinste Lohntüte nach Hause trägt. Dies zeigt eine Studie der Arbeitnehmerorganisation Travail Suisse. Die Lohnschere hat sich seit 2009 zwar nicht mehr so stark geöffnet wie in den Jahren davor. Seit 2002 haben sich die Topsaläre jedoch teilweise fast verdreifacht, während die tiefsten Einkommen kaum gestiegen sind.

Laut Travail Suisse hielt die wirtschaftliche Leistung mit den Lohnexzessen nicht Schritt. «Solche Lohnscheren stellen den sozialen Zusammenhalt in der Schweiz in Frage», sagte Präsident Martin Flügel gestern vor den Medien. Die Bevölkerung habe das Vertrauen in die Wirtschaft verloren. Es sei nun an der Politik, einzugreifen. Vizepräsidentin Josiane Aubert warb für die 1:12-Initiative: Diese schiebe den inakzeptablen Lohnauswüchsen einen Riegel. Dass ein Manager monatlich nicht mehr verdienen dürfe als die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter jährlich, sei ein vernünftiger Vorschlag. 2002, als Travail Suisse die Managerlöhne erstmals unter die Lupe nahm, erfüllten 8 von 27 Unternehmen das Verhältnis von höchstens 1:12. Im vergangenen Jahr war es nur noch Coop.

Die Juso sieht sich bestätigt

Die Studie belege, dass die Firmen selbst nicht handelten, sagt Juso-Präsident David Roth. «Das Verhältnis von 1:12 ist an der Grenze dessen, was die Leute noch erträglich finden.»

Dass das Volksbegehren auf offene Ohren stossen könnte, legt eine Umfrage nahe, welche die «Schweiz am Sonntag» in Auftrag gegeben hatte. Anfang Mai hätten demnach 55 Prozent der Bevölkerung ein Ja in die Urnen gelegt. 28 hätten gegen die Vorlage gestimmt. 17 Prozent waren noch unterschlossen. Das Parlament und der Bundesrat lehnen die Initiative hingegen klar ab. Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann warnte davor, dass Arbeitsplätze verloren gehen würden. Der Staat habe andere Möglichkeiten, um Lohnunterschiede zu bekämpfen. Er strebe etwa mit dem Steuersystem und mit Leistungen im sozialen Bereich einen Ausgleich an.

«Keine realen Vorteile»

Auch der Schweizerische Arbeitgeberverband, der die Nein-Kampagne führt, warnt vor Standortnachteilen. Unternehmen würden in ein derart enges Korsett gezwungen, dass mit einer Verlagerung ins Ausland zu rechnen sei, sagte Präsident Valentin Vogt kürzlich vor den Medien. Begrenze man die Spitzenlöhne, habe dies zudem massive Ausfälle von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zur Folge. «Eine Begrenzung der Spitzensaläre bringt vielleicht moralische Genugtuung, aber keine realen Vorteile.»