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«Man soll auf jeden Fall weiterhin in die Berge gehen»

Michael Roschi, acht Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind allem Anschein nach auf einem Wanderweg ums Leben gekommen. Wie haben Sie als oberster Verantwortlicher der Schweizer Wanderwege reagiert, als Sie davon gehört haben?
Wir waren tief betroffen, als wir vom Unglück erfuhren. Unser oberstes Ziel lautet, den Wandernden nicht nur einheitlich signalisierte und attraktive, sondern vor allem auch sichere Wanderwege zur Verfügung zu stellen.

Solche Vorfälle häufen sich. Erst vor einer Woche wurden beim Grimsel sechs Wanderer auf einem als sicher taxierten Wanderweg bei einem Felssturz verletzt. Wie reagierte
Ihr Verband?

Wir setzten uns schon lange mit der Tatsache auseinander, dass durch die Klimaerwärmung der Fels instabiler wird, wodurch vermehrt mit Steinschlag zu rechnen ist. Dem werden wir auf jeden Fall Rechnung tragen. Es ist aber eine grosse Herausforderung, das ganze Wanderwegnetz vor Steinschlag zu sichern. Denn es umfasst 65 000 Kilometer, wovon rund ein Drittel in den Bergen verläuft.

Welche Massnahmen haben Sie konkret ergriffen?
Grundsätzlich wird die Vereinbarkeit mit Naturgefahren bei der Aufnahme von Wanderwegen in den öffentlichen Plänen geprüft. Unterhalt und Sicherung der Wanderwege sind Aufgabe der Gemeinden und Kantone. Wir liefern ihnen Empfehlungen und Instrumente, die sie einsetzen können, um die Wanderwege auch in Zukunft möglichst sicher begehbar zu machen. Erst vor zwei Monaten haben wir ihnen einen neuen Leitfaden mit Massnahmen zur Gefahrenprävention zugestellt.

Wie die Warntafel, die in Bondo aufgestellt war?
Die hat die Gemeinde Bondo aufgestellt. Über die konkrete Situation in Bondo kann ich keine Auskunft geben, da mir die Einzelheiten nicht bekannt sind. Dort, wo das Risiko noch vertretbar ist, ist es grundsätzlich richtig, vor Gefahren zu warnen. Wir kennen Warnschilder wie zum Beispiel «Achtung Steinschlag» auch von der Strasse.

Die viele ratlos lassen. Was soll man tun, wenn man ein solches Schild sieht?
Am sichersten ist es, solche Stellen mit vertretbarem Risiko möglichst schnell zu passieren, also nicht etwa anzuhalten und die Aussicht zu geniessen. Wenn ich solches Gelände möglichst rasch quere, kann ich das Risiko minimieren. Ausserdem braucht es erhöhte Aufmerksamkeit: Man soll auf mögliche Geräusche achten. Einen Steinschlag kann man hören und sich entsprechend verhalten. Etwa indem man sich möglichst nah an eine Felswand presst oder den Rucksack über den Kopf hält. Damit kann man sich aber nur gegen kleinere Steinschläge schützen.

Haben Sie weitere Empfehlungen, wie sich die Wanderer verhalten sollen?
Ganz wichtig ist, sich sehr gut vorzubereiten und über die Situation vor Ort zu informieren. Warnschilder und Wegsperrungen sind zwingend zu berücksichtigen. Vielfach setzen sich die Leute das Ziel, zu einem bestimmten Zeitpunkt an ein bestimmtes Ziel zu wandern. Man muss sich aber bewusst sein: Wenn ich eine Bergwanderung mache, begebe ich mich je nach Zeitpunkt möglicherweise in Gefahr. Wenn man eine Gefahr sieht, sollte man die Tour verschieben und nicht das Gefühl haben, sie unbedingt jetzt machen zu müssen.

Bergstürze und Murgänge werden häufiger. Kann man trotz steigender Gefahr noch guten Gewissens in die Berge gehen?
Auf jeden Fall! Man kann und soll auch weiterhin in die Berge gehen. Für die 2,7 Millionen Menschen in der Schweiz, die regelmässig wandern, ist es wichtig, sich sehr gut vorzubereiten und eine Wanderung vorsichtig zu planen, um mögliche Gefahren zu verhindern. Ein gewisses Restrisiko lässt sich aber leider nie ganz ausschliessen.

Interview: Eva Novak

Hinweis
Michael Roschi ist Geschäftsführer von Schweizer Wanderwege, dem Dachverband der 26 kantonalen Wanderweg-Organisationen.

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