Maillard hat schlechtere Karten

Bei der Nachfolge von Micheline Calmy-Rey ist der Freiburger SP-Ständerat Alain Berset in der besseren Ausgangslage als der Waadtländer Regierungsrat Pierre-Yves Maillard. Bürgerliche Politiker machen bereits gegen diesen mobil.

Tobias Gafafer
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Wen wählt das Parlament neu in den Bundesrat? Das Kandidatenkarussell der SP läuft bereits auf Hochtouren. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Wen wählt das Parlament neu in den Bundesrat? Das Kandidatenkarussell der SP läuft bereits auf Hochtouren. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Bern. Die Topfavoriten der SP für die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey zierten sich gestern noch. Der Freiburger Ständerat Alain Berset will sich am 4. Oktober entscheiden; der Waadtländer Regierungsrat Pierre-Yves Maillard signalisierte am Mittwoch sein Interesse, möchte aber erst die Wahlen abwarten. Dennoch gehen Beobachter davon aus, dass die zwei Politiker antreten wollen. Berset gilt wegen seines staatsmännischen Auftretens als eigentlicher Kronfavorit. Das täuscht nicht darüber hinweg, dass der Berufspolitiker inhaltlich nicht gemässigt, sondern stramm links politisiert. «Von der politischen Linie her gibt es zwischen Maillard und Berset keine grossen Unterschiede», sagt denn auch Nationalrat Andrea Hämmerle (SP/GR). Ähnlich tönt es bei Ständerat Hans Altherr (FDP/AR), der mit dem SP-Ständerat in der Finanzkommission sitzt. «Berset kommt immer sehr konziliant daher und ist fast schon ein adliger Typ.» Inhaltlich stehe er indes klar links. Trotzdem ist der Freiburger wegen seiner magistralen Art der Wunschkandidat vieler Bürgerlicher. «Berset hat ein Gespür für den Ausgleich und ist ein hervorragender Politiker», sagt ein CVP-Nationalrat.

«Wir wollen keine Narzissten»

Pierre-Yves Maillard wiederum gilt bei jenen, die ihn kennen, als hochintelligenter, zupackender Vollblutpolitiker. Und er hat erst noch Erfahrung im Nationalrat und in einer Exekutive. Diese Stärken könnten dem Waadtländer, der sich im Auftritt gerne kämpferisch gibt, zum Verhängnis werden. «Maillard ist fast zu viel des Guten. Das Parlament will keine allzu profilierten und narzisstischen Bundesräte», sagt Nationalrat Ignazio Cassis (FDP/TI). Der Vizepräsident des Ärzteverbands FMH kennt den Vorsteher der kantonalen Gesundheitsdirektoren als Gesundheitspolitiker. Auch Christoph Blocher sei eine stark polarisierende Person gewesen. Deshalb hätten Andere wohl bessere Chancen. Gegen Maillard spricht zudem, dass er im Gegensatz zu Berset und anderen Papabili nicht mehr im Parlament sitzt, wie Nationalrätin Hildegard Fässler (SP/SG) sagt. «Wir kennen ihn nur aus den Medien», sagt auch FDP-Ständerat Altherr.

Bürgerliche, die den SP-Regierungsrat aus seiner Zeit in Bundesbern kennen, haben den früheren Gewerkschafter in schlechter Erinnerung. «Er ist etwas militant und steht enorm links», sagt ein CVP-Politiker, der mit Maillard in einer Kommission sass. Zudem sei er früher ein «enormer Ideologe» gewesen. Ins gleiche Horn bläst Nationalrat Bruno Zuppiger (SVP/ZH), der mit Maillard in der Finanzkommission sass. «Er ist klassenkämpferisch und ideologisch und zeigt das auch relativ unverfroren.» Bürgerliche Politiker aus der Romandie warnen zwar vor Vorurteilen, da Maillard sich in der Waadtländer Exekutive durchaus auch staatsmännisch gezeigt habe. In der Deutschschweiz aber ist primär das Image des Kämpfers, etwa für die Einheitskasse, haften geblieben. Zuppiger spricht gar von einer «Obstruktionspolitik im Gesundheitswesen». Berset hingegen arbeite wesentlich lösungsorientierter.

SP mit einem Zweierticket

Alain Berset muss sich aber erst in der eigenen Partei durchsetzen. Und dort sorgt die rasche Karriere des 39-Jährigen auch für Neid. «Er ist zu schnell aufgestiegen», sagt etwa Nationalrat Eric Voruz (VD). Zudem sind noch weitere Kandidaten im Gespräch. So oder so dürften die SP bei der Ersatzwahl von Micheline Calmy- Rey auf ein Zweierticket setzen. «Wir haben von den anderen Parteien immer gefordert, dass sie dem Parlament eine gewisse Auswahl bieten», sagt Generalsekretär Thomas Christen. Deshalb stelle die SP an sich selbst grundsätzlich dieselben Ansprüche.

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