Kommentar

Luzern als Drehscheibe dubioser Milliardäre

Die Luzerner sollten sich gut überlegen, mit wem sie sich ins Bett legen.

Gregory Remez
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Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Die Stadt Luzern scheint eine magische Anziehungskraft auf Milliardäre auszuüben. Ganz besonders, wenn sie aus den nebulösen Kreisen der russischen Oligarchie stammen. Sowohl dem ehemaligen KGB-Mann und heutigen «Gütsch»-Besitzer Alexander Lebedev als auch dem 2017 wegen Verdachts auf Steuerbetrug in Frankreich verhafteten Geschäftsmann Suleiman Kerimow kam Luzern als Drehscheibe für ihre Geschäfte offenbar sehr gelegen.

Nun will sich ein weiterer Exponent aus der russischen Liga der Bestbetuchten dazugesellen. Der in der Schweiz bisher weitgehend unbekannte Oligarch Gleb Fetissow stiftet nächste Woche in Luzern den weltweit am höchsten dotierten Medienpreis – über eine halbe Million Franken will er dort an Journalisten aus aller Welt verteilen. Was er damit genau bezweckt, bleibt bis auf Weiteres sein Geheimnis. Der 53-Jährige äussert sich mit keiner Silbe.

Nun gilt Fetissow unter all den Oligarchen mitnichten als schlimmster Finger. Gerade in Sachen Kulturförderung, insbesondere im Filmbereich, war er zuletzt durchaus aktiv. Dennoch sollten sich die Luzerner gut überlegen, mit wem sie sich da ins Bett legen. Denn um Journalismus geht es Fetissow genauso wenig wie Lebedev um Hotellerie. Es mutet denn auch fast urkomisch an, wenn jemand einen Medienpreis in hochtrabenden Kategorien wie «Aussergewöhnlicher Beitrag zum Frieden» vergibt, mit den Medien vor Ort aber nichts zu tun haben will.

Oligarch stiftet obskuren Medienpreis in Luzern

Einst wollte der russische Milliardär Gleb Fetissow die französische Tageszeitung «Le Monde» kaufen, nun stiftet er in der Schweiz den weltweit am höchsten dotierten Journalismuspreis. Was er damit bezweckt, ist unklar – Fetissow selbst schweigt sich über seine Absichten aus.
Gregory Remez